Freitag, 13. November 2009

Von Verkleidungen, Lichtern und einem komischen Gefühl

Hallo ihr Lieben, das heißt ihr, die mir so sehr am Herz liegen, dass dies bald im Herzschmerz endet; und ihr, die mir glücklicherweise neu ans Herz gewachsen sind, dass ich froh bin, euch als Herzbalsam zu haben; und selbstverständlich ihr, die ich nicht kenne und die ich trotzdem herzlich grüße!

Nun, nach einer „kurzen“ Verspätung ist es wieder einmal Zeit für einen Monatsreport, denn ja, ich kann es selbst kaum glauben, ich befinde mich nun schon mehr als 3 Monate auf einer Insel, die mir zunächst fremd war und die ich nach diesem Jahr meine zweite Heimat nennen werde!
Well, nach drei Monaten habe ich gelernt:
- dass man, wenn man hier „half seven“ sagt, nicht „halb sieben“, sondern „half past seven“, sprich „halb acht“ meint
- dass ich hier wegen der ersten 5 Fragen, nicht bei „Who wants to be a millionaire“ mitmachen könnte, denn diese sind NUR für Briten und Muttersprachler einfach
- dass die Briten hier aus vielen europäischen Marken ihr eigenes Ding machen, das heißt, es ist das selbe, heißt aber anders, und so heißt „bebe“ hier „Johnson's“
- dass die Briten das Wort „Bonbon“ nicht kennen
- dass den englischen Eltern hier sehr viel an der Elektro-Hauptsache-Bildschirm-und-Knöpfe-Erziehung liegt (so gut wie jeder Haushalt besitzt eine Wii, Playstation, Nintendo DS, etc.)
- dass man hier ebenso gerne streikt, wie in Deutschland
- dass manche Lehrer hier sogar per Skype mit ihren Schülern und den Eltern in Kontakt stehen
- dass es hier sogenannte „muffins“ gibt, die den deutschen Toasties entsprechen und damit keine Muffins in unserem Sinne sind (Eine der leckersten Dinge, die ich hier bisher gegessen habe und die das Fehlen von anständigem Brot etwas erträglicher machen.)
- dass „Health and Safety“ hier eine wahnsinnig große Rolle spielt, man in jedem öffentlichen Raum so an die 20 Warnungsschilder auffinden kann und jeder Arbeitgeber mit tausenden an „policies“ versucht sich gegen eine mögliche Anklage/Anschuldigung zu schützen (Man hat ja gewarnt…)
- Nein, auf die Schweinegrippe werde ich nicht eingehen…

Nun, wo fange ich an, denn ich werde diesen Eintrag nicht beenden ohne euch von weiteren wundersamen Ereignissen auf der Insel zu berichten.

Ok, gehen wir einige Wochen zurück. Genauer zum 24. Oktober. Dieser sollte der Tag sein, an dem ich die liebe Thesi, die ursprünglich aus Halle kommt und jetzt als Freiwillige in Coventry arbeitet, wiedersehe.
Unser Ziel war die Portobello Road und der Portobello Market. Hach, und wie war das wieder einmal schön! Wir genossen die „Aussichten“ und bekamen allerhand Rabatt durch „Schmuck-Massen-Käufe“. Und dann … ja, dann war da noch dieser Stand … mit diesen … Brillen. Wir überlegten lange, ob wir unser kostbares Geld in solch einen Sinnloskauf investieren sollten. Doch nach langer Überlegung und dem In-Betracht-Ziehen (o.O. mein Deutsch leidet) der Tatsache, dass wir einfach mal so ultra-cool wären mit diesen Brillen, kauften wir sie uns.
Das Ergebnis: Ein Wahnsinns-Gefühl und unheimlich viel Spaß!


Auch das folgende Wochenende hielt so einige >Verkleidungen< bereit, denn ja, juchee, es war Halloween!!!
Dies wurde – meinerseits in einem Sexy-Hexe-Kostüm – mit reichlich Punsch, Kunstblut und wieder sehr viel Spaß zelebriert!


(Na Yeon, Youna und Yukimi)


(Mal)


(Hannah)


(Nelli - einfach nur genial, dieses Bild)


(Mads und Marvin)


(Adrian und Mitchi)

Der Abend bzw. die Nacht wurde lang und so gegen 4 verabschiedete sich ein Großteil in die Nachbarwohnung in Bexleyheath ins Bett – das heißt Marvin, Phil und Vivien schliefen im Wohnzimmer und ich schlief bei Nelli im Bett. Bzw. ich schlief letztendlich dort, doch zuvor wurde der Abend noch einmal voll und ganz auseinandergenommen, was zu zahlreichen Lachanfällen und heftigen Beschwerden Marvins führte, denn der musste am nächsten Tag arbeiten.
Nelli und ich wachten am nächsten Tag verkatert auf, und stellten ein paar Stunden später, nach einem leckeren Tee und Rührei-Toast-Frühstück fest, dass wir nicht die Einzigen waren. Nachdem sich dann so gegen 12 Uhr mittags der Rest verabschiedet hatte, bestellten wir uns Pizza und verbrachten die restlichen Stunden voller Reue, verkatert vor dem Fernseher und Laptop.
Gegen 6 machte auch ich mich auf dem Heimweg!

Und wieder ein Wochenende später – das ist irgendwie witzig, wie ich mich hier von einem Wochenende zum anderen hangele – sollte der Samstag einem traumhaften Feuerwerk gewidmet sein.
Doch wo fang ich da an? Mh. Donnerstag der 5. November („Remember, remember the 5th of November“) war Guy Fawkes Night, auch Bonfire Night genannt. Dieser Tag und die zahlreichen Feuerwerke sind dem Menschen gewidmet, der 1605 versucht hatte, die Regenten, das Parlament und die Bischöfe des Landes in die Luft zu sprengen. „Der Grund hierzu lag in der Verfolgung, der Angehörige der katholischen Kirche ausgesetzt waren.“ (Quelle: Wikipedia, Stichwort Guy Fawkes (Hach, was wären wir alle nur ohne dieses wunderbare Internetlexikon?)). Doch der Putsch scheiterte und die britische Bevölkerung verehrt ihn heute. (Auch hierzu gibt Wikipedia eine interessante Information: „In Großbritannien sagt man auch heute noch scherzhaft, dass Guy Fawkes der einzige Mann sei, der je mit ehrlichen Absichten in das Parlament gegangen ist.“ (Quelle: Wikipedia, Stichwort Guy Fawkes))
Nun, und da der 5. November ungünstig lag, wurde das GROSSE Feuerwerk in Blackheath auf den Samstag, den 7. November verlegt.
Wir, das heißt ich und meine Jungs (meine beiden Mitbewohner Marvin und Geoffrey) machten uns um 7 auf den Weg (Blackheath ist theoretisch 10 Minuten mit dem Bus entfernt). Doch dies war ein Kurzschluss!!!!!!!
Alle Busse waren voll und manche hielten nicht mal an!
So kamen wir auf die geniale Idee ein paar Bushaltestellen in die entgegengesetzte Richtung zu fahren – in der Hoffnung, dass dort die Busse weniger voll waren! Und wir hatten Recht! Wir bekamen einen Bus! Und fuhren winkend an unserer „Ur-Haltestelle“ vorbei! (Nein, natürlich nicht. Für wie dreist haltet ihr uns denn? ;o) )
5 Minuten zu spät kamen wir an, doch das Feuerwerk ließ noch auf sich warten.
So marschierten wir auf die Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesenwiese, die, wie ich später erfuhr, mit 65 000 (!!!) Menschen bestückt war. Und als wir einen schönen Platz gefunden hatten, ging’s los! Das nenn ich Timing.
Nun, und erwähnte ich schön, dass ich begeistert war? Nein. Also ich war begeistert! Einfach grandios. Das schönste Feuerwerk, das ich in meinem ganzen Leben je gesehen habe. Und das ist keine Übertreibung!

Hier ein paar Bilder (Ich will euch doch an meiner Freude teilhaben lassen. Die Videos sind toller, aber so'n Technikfreak bin ich noch nich, dass ich die hier einbasteln kann!):






Nun, der 9. November stellte für die Menschen hier keinen besonderen Tag dar, doch aber für euch, ihr Daheimgebliebenen und mich!
Bei den Bildern, die man hier in den Nachrichten sehen konnte, kamen mir die Tränen. Ein Lächeln. Und ein merkwürdiges Gefühl im Bauch. War das Stolz? Das ist komisch, denn schließlich bin ich nach dem Mauerfall, sogar nach der Wiedervereinigung geboren.
Ich würde in diesen Tagen wirklich gerne in Leipzig sein. Dabei sein. Wegen der Atmosphäre. Wegen dem Kribbeln. Wegen den Menschen. Weil es Leipzig ist!
Aber nun gut, Schluss mit der Gefühlsduselei. Genießt die Zeit für mich mit! (Ja, damit seid auch ihr gemeint, ihr Geschichts-und-Kultur-Banausen!)

Ach, und damit wären wir jetzt schon im Jetzt.
Ich sitze hier, muss heute arbeiten, muss morgen arbeiten und auch am Sonntag arbeiten. Und werde am Samstag trotzdem zu der Party nach Bexleyheath fahren. Man ist schließlich nur einmal jung! ^^

Bald ist Weihnachten, ach und da sind wir ja schon wieder bei einem Thema:
Ich hätte mich so wahnsinnig aufregen können: Gegen Ende Oktober war ich mit Nelli in London (auf der letztendlich erfolglosen Suche nach einem Frisör) und was muss ich sehen? Da auf der Oxfordstreet?


Hallo? Die Blätter sind noch AUF den Bäumen (oder AN, wie ihr wollt)! Und da schmückt man prunkvoll weihnachtlich! Hallo? Es war Ende Oktober!!!! Ich war noch sowas von gar nicht in Weihnachtsstimmung!
Aber nun. Jetzt. Ja. Jetzt bin ich in Weihnachtsstimmung. Soll ich euch den Anlass verraten? Der Geruch von Glühwein in Covent Garden. Dies war eine Sache von 3 Sekunden und doch war ich mit einem Mal in Weihnachtsstimmung!
Ich find es so schade, dass ich dieses Jahr nicht auf den Weihnachtsmarkt kann und doch freu ich mich auf die Kräppelchen meiner Mutter und die Komplet meines Bruders am 24.!
Und ich freu mich darauf, zu meiner Familie zu kommen, meine Freunde zu sehen, die einfach nicht zu ersetzen sind, und diese heimliche, weihnachtliche Gemütlichkeit in vollen Zügen zu genießen.

Nun, es regnet hier wie aus Eimern.
Ich schenke euch ein dem-Regen-trotzdendes Lachen
Und Umarmungen und Küsse

Eure Maria

P.S.: Achso, hier mein Soundtrack der letzten Wochen:
Platz 1 Frankmusik - Such Great Heights (Cover)
Platz 2 Acid House Kings - This Heart Is A Stone
Platz 3 Young Soul Rebels - I Got Soul
Platz 4 Charlie Winston - Like A Hobo
Platz 5 Regina Spektor - Fidelity



P.S.: Kommt mal aus dem Knick wegen Silvester!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Mein erster Besuch und eine kalte Nacht

Wiedermal ein herzliches Hallo an alle meine Lieben, an die Daheimgebliebenen, an die Weitgereisten und an die neugierigen Fremden,

Eine spannende Woche liegt hinter mir und aus dieser Tatsache folgt die Notwendigkeit einer ausführlichen Maria-Beschreibung:

Nach 2 Wochen auf Droge (Antibiotikum), Regenwetter, folgenschweren Treppenstürzen und unangenehmen Schlafpositionen (…) war ich erfüllt von Vorfreude, denn am Dienstag den 17.10. erwartete ich meinen allerersten BESUCH von Zu Hause – meinen BRUDER!
Hach, wie freute ich mich als ich ihn da abends nach einer aufregenden Solo-Tour durch London, die auch ich schon einmal - zu meiner Ankunft - absolvieren musste, vom Zug abholen und in die Arme schließen konnte!
Und so waren Nudeln zur Feier des Tages ein unumgängliches Abendmahl! Den restlichen Abend verbrachten wir, wie in alten Zeiten *haha*, mit dem Laptop auf den Schoß und dem Hinundher-Spielen diverser Filme und Musikstücke.

Und so machten wir uns am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück auf in die große Stadt, denn solch ein Besuch bietet stets die Möglichkeit einer Sightseeing-Tour! (Nun, ich war jetzt zwar schon mehr als einmal in London, aber - ganz ehrlich – ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich die Zeit und Lust habe mir alleine eine der etlichen London-Attraktionen anzusehen.)
Unser erster Halt sollten die geschichtsträchtigen Gemäuer des Tower of London sein. Und auch wenn unser Aufenthalt länger dauerte als erwartet (2,5 h) so hatten wir doch einigen Spaß UND jaaa, wir haben die Kronjuwelen gesehen.


Nach Felix‘ ersten Fish’n’Chips machten wir uns dann auf zur St.Paul’s Cathedral, doch was haben wir auch wieder für ein Glück!
„We’re closing now!“ waren die Begrüßungsworte des Einlassers, als wir die Treppen des beeindruckenden Hauptportals emporstiegen.
Doch wir sind ja nicht zu so schnell unterzukriegen.
Unser nächster Stop war Westminster Abbey, denn dort sollte es – nach Aussagen schlauer Reiseführer – täglich 17 Uhr einen Gottesdienst geben, bei dem der Eintritt frei ist und man sich so die £9,50 für jede touristische Besichtigung sparen kann.
Nun, doch irgendwie meinte man es an diesem Tag nicht gut mit uns.
Schön.
„Taglich“ sagen die Reisefüher.
„Everyday but Wednesdays“ sagte uns der Mann am Eingang.
Schön.
Doch was fängt man mit den restlichen Abendstunden an?
Ich schlug Soho vor.


Und so bahnten wir uns zum Piccadilly Circus, und dann vorbei an ominösen Reklameschildern, Schwulenbars und anderweitig suspekten Geschäften, bis wir Covent Garden und damit einen außerordentlich beeindruckenden Straßenzauberer fanden. Ich kann echt nicht glauben, wir er diese Melonen mit hochgekrempelten Armen unter die Hüte gezaubert hat…
Und dann hatten wir Hunger. Doch irgendwie schien alles ein klein wenig teuer… (ja, ein gaaaanz kleines bisschen) und dann fanden wir einen kleinen Innenhof, zwischen hohen Häuserwänden, die in allen vorstellbaren Farben angestrichen waren. Rot. Pink. Blau. Grün. Gelb. Die Stühle ebenso. Und so war in einer zauberhaften Pizzaria für unser Abendbrot gesorgt.

Der nächste Tag begann zeitig, denn trotz der Tatsache, dass ich um 1.30 pm Wheelchair-Training hatte (vom Projekt vorgeschrieben), wollte ich mit Felix noch ins Modern Tate.
Und so machten wir uns auf in das große Backsteingebäude, in die Fabrikhallen der Kunst, zu Monet, Miró, Picasso und einem Künstler namens Nitsch, wessen Bilder (oder die Betrachtung ebenjener) ein vorheriges Frühstück unumgänglich machen.
Trotzdem, der Aufenthalt dort war außerordentlich interessant, teilweise inspirierend und des Öfteren belustigend. Ein paar Bespiele:

Ein Metallrohr an der Wand. DAS ist Kunst.
Ein Seil auf dem Boden. DAS ist Kunst.
Zwei Baumstämme. DAS ist Kunst.
Haha.




Und während Felix dann noch die Höhen der St. Paul’s Cathedral erklomm, lernte ich, wie man risikofrei Rollstuhlfahrer durch die Kante schubst – upps – fährt.

Der Freitag und seine beinhaltenden Attraktionen sollten meine Kreditkarte um einige Pfund leichter machen, doch es gibt einfach Dinge, die man gesehen haben muss.
Nr. 1 war Madame Taussaud’s. Völlig überteuert, wie ich finde, doch wie gesagt, es gibt Orte, wo man gewesen sein muss.


Selbstverständlich genoss ich die klebrig-glänzende Nähe meiner männlichen Idole… und auch Felix hatte seine Spaß (...)












Und dann. Omg. ein kleiner Gruselgang mit Live-Darstellern sollte den Beinahe-Abschluss bilden.
DIES ist eher lustig als furchterregend, wenn man am im hinteren Teil der Gruppe läuft.
Ha. Schön.
Blöd nur, wenn man den Anfang macht. Scheiße man, ich hab mich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich noch nie so gegruselt, ich wollte nur noch da raus und schob meinen Bruder wörtlich vor mir her, der dies mutig ertrug.
Nun, eine wirklich gute Erholung bot dann unser folgender Aufenthalt im Regent’s Park. Und wieder einmal war ich von der gardening-Kunst der Briten überzeugt.






Hach. Toll. Selbstverständlich mussten dann die Fast-10 Pfund im dort-gelegenen Cafe sein. Ein endlos-schokoladiger Schokoladenkuchen. Ein zauberhafter Blaubeermuffin. Und zwei heiße Schokoladen.
Als wir dann weiter durch den Park schlenderten, kamen wir zur Rockery Island … ein Ort, an dem man hinter jedem kleinen Busch Peter Pan vermutet und Tinkerbell über die bezaubernden Bächlein schweben sieht. Wer dort ist, MUSS dorthin - Ohne wenn und aber.
Weiter ging’s nach Notting Hill, denn ich fand, dass ich Felix diese Londoner Attraktion nicht vorenthalten kann und ich denke, ihm gefiel’s. ;o)
Daraufhin hatten wir noch eine Verabredung mit den Gruselgestalten des London Dungeon. Nun, der Brüller war’s nicht, aber lustig war’s allemal.
Und dann: Ja, dann. Dann ging’s kulturschockmäßig dorthin, wo man hingehen sollte, wenn es 17 Uhr, aber nicht Mittwoch ist. Ja genau, in die Westminster Abbey zum Gottesdienst.
Und mein Bruder und ich können nun von uns behaupten den als Ehrengast anwesenden Erzbischof von Canterbury live erlebt zu haben.
Was den Männerchor angeht, so erlaube ich mir als Thomasser-Schwester diesen Kommentar: In einigen Tenoren sind vielleicht ein paar Opernsänger verloren gegangen, aber dieser eine Sopran war der Traum und alles in allem war dies ein wirklich tolles Erlebnis.
Ach, und nicht zu vergessen ist da dieser junge (heiße) Business-Anzug-Londoner, der vor uns saß. ;o)

Der Samstagmorgen könnte mit „Abschied“ betitelt werden, denn 13.35 Uhr sollte der Flieger gehen.
Doch vorher hielt ich es noch für notwendig, einen Stop im zauberhaften Greenwich Park einzulegen und meinen Bruder die Aussicht genießen zu lassen.
Und dann fuhren wir wieder einmal in die große Stadt, doch diesmal mit der Gewissheit, dass ich die Heimfahrt diesmal allein antreten würde.
Nun, es war wirklich kein schönes Gefühl meinen kleinen, trotzdem größeren Bruder da an der U-Bahnstation von dannen gehen zu sehen. (…)
Und so schluckte ich den Kloß schnell hinunter und entschied mich zum Frustshoppen in Camden, denn wir Freiwilligen hatten uns für den Abend „London-clubbing“ vorgenommen. Ein passendes Outfit musste her.
Und – omg – ich habe wirklich noch nie so viel (eigenes) Geld auf einmal für Sachen ausgegeben. Sooo schnell waren die 50 Pfund weg, doch ich war stolz auf mich, denn man sollte wirklich nicht den auf dem Markt gegebenen Preis für ein Kleidungsstück akzeptieren. Und so wirken ein Ausschnitt, ein Schmollmund und die nötige Standhaftigkeit Wunder. ^^

Und nun.
Der Abend.
Ja. Der Samstagabend.
Ich fuhr zunächst nicht nach London, sondern eine Stunde in die komplett andere Richtung nach Bexleyheath, wo die anderen Freiwilligen wohnen.
Dort wurde angetrunken.
Und dann gegen halb 11 (Oder war es um 10?) machten wir (Nelli, Hannah, Daniel, Adrian-Gaydrian und ich) uns auf den Weg nach London zu einem Club namens Roxy, wo wir zu Mads und Belle stießen.
Hach. Welch ein lustiger Indie-Club. Doch so ganz wollte die Stimmung zunächst noch nicht steigen, denn die Musik war weniger Indie, mehr Elektro-Rock, was weiß ich. Doch dann trauten wir uns und wagten uns auf die Tanzfläche. Haha, und wie war das lustig.
Gegen 2 leerte sich der Club schon etwas und ich wurde ernsthaft von einem Mann, der mein Vater hätte sein könnte, gefragt, ob ich mit zu ihm nach Hause kommen möchte. „Nein“ sagte ich und stieß ihn weg. Meine Güte, was denkt der sich. Ja, ich war geschockt.
Nun, gegen halb 4 schloss der Club (Irgendwie schließen die hier alle verdammt zeitig!) und so machten wir uns gegen Viertel auf in die Nacht, auf nach Bexleyheath. (Ich hatte selbstverständlich keine Lust und nicht den Mut mitten in der Nacht alleine nach Woolwich zurückzukehren.)
Nach einer gefühlten halben Stunde – vorbei an lustigen Clubs, wo die Britinnen jedes Vorurteil erfüllten und betrunken in 12-cm-High-Heels, Gerade-Überm-Po-Röcken und Ausschnitten bis zum Bauchnabel durch die Gegend steuerten – kamen wir an der Bushaltestelle an. Und hätte man uns nicht früher sagen können, dass wir 40 Minuten warten müssen, deine scheiße man, es war VERDAMMT kalt!
Mein Outfit: Ein Gerade-Überm-Po-Oberteil (Ihr seht, ich passe mich langsam an!), 2 dünne Strumpfhosen, Ballerinas und ein Mantel. Alles, in allem – Ich war zu dünn angezogen. Ahhhh. Es war sowas von kalt.
Nun, dann kam der Bus und ich schlief ein, wachte auf, schlief ein. Es wurden Bilder gemacht. Es wurde ein Video gedreht. Na danke auch, ich schlafe mit offenem Mund! ;O)
Und dann waren wir in Bexleyheath, aber immer noch nicht zu Hause. Denn wir mussten dort auf einen weiteren Bus warten (es war mittlerweile viertel 6). Und wir alle hatten das Gefühl, dass es „auf dem Land“ irgendwie noch kälter war. Und wieder froren wir uns den Arsch ab.
Dann kam der Bus. Wir fuhren ein Stück.
Und dann mussten wir auch noch ein Stück laufen, wobei wir feststellten, dass sogar die Autos Raureif auf den Scheiben hatten und wir konnten unseren Atem sehen.
Schön.
Um 6 machte ich die Augen zu.
Um 1 wachte ich auf.
Hach, und wie schön ist es doch nach solch einer Nacht mit Gleichgesinnten zu frühstücken. Nelli und ich machten es uns also noch für 2 Stunden gemütlich und dann machte ich mich auf nach Woolwich, was am Tag weniger gruselig ist.
Doch einen hab ich hier in dieser ganzen 2,5-h-Heimweg-Geschichte ja ganz vergessen! Unseren Gaydrian.
Dieser war nämlich, als wir den Club verlassen wollten, nicht aufzufinden und beantwortete auch keine Anrufe. Und so stiefelten wir alleine los (ok, ich wäre froh, wenn ich Stiefel gehabt hätte… ).
Als wir dann im Bus saßen, muss er Mads auch angerufen haben, und gefragt haben, wo wir seien. Doch wir konnten ihm nur die Auskunft geben, dass er den Nachtbus nehmen muss.
Am Montag erfuhr ich dann den Rest der Geschichte: Adrian, der nach britischer Manier (er kommt aus Nottingham) ganz schön gebechert hatte, war irgendwann weg, und auf einmal am Heathrow-Airport. (…) gegen 12 Uhr mittags kam er ohne Schlüssel (hatte er verloren) in Bexleyheath an!!! *räusper* *Ohne Kommentar*

Nun, ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!
An alle Daheimgebliebenen: Ich komme zu Weihnachten nach Leipzig (vom 23. bis zum 3.)!!! Wo kann ich Silvester mitfeiern?

Küsse und Umarmungen
von eurer
Maria

P.S.: Habt ihr schon einmal versucht mit einem Messer eine Dose aufzumachen?

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Die Ambiguität des Strahlens

Hallo meine Lieben,

Auch wenn es heute nicht viel zu erzählen gibt, verspüre ich das dringende Bedürfnis, mich (unmittelbar) mitzuteilen.
(Nun ja, ihr kennt mich ja.)

Die Notwendigkeit diverser Besorgungen trieb mich heute wieder einmal ins wunderschöne Greenwich.
Das Wetter war ein Traum (nachdem es gestern wie aus Eimern geschüttet hatte), die Sonnenstrahlen taten gut und mein Husten im Bus sorgte für Beinfreiheit, denn keiner traute sich aus Angst vor Schweinegrippe auf den Platz mir gegenüber. ;o) (Kurzer Zwischenstand: Ich bin jetzt mittlerweile seit etwa 10 Tagen krank und nehme seit 4 Tagen Antibiotika – keine schöne Sache… und NEIN, es ist KEINE Schweinegrippe!)

Und wie ich da dann so durch Greenwich schlenderte, auf der Suche nach einem gewissen Flohmarkt, fand ich einen Buchladen.
Und mit Buchläden ist das so eine Sache: Sobald ich alleine bin und einen Buchladen sehe, MUSS ich da rein. Folglich betrat ich voller Neugier dieses Buchstabenuniversum mit der Intension vielleicht ein schönes Buch für eine gewisse Person zu finden. Doch es kommt meist ganz anders, und so stand da auf einmal dieses Buch:

The Stuff of Thought – by Steven Pinker

Schon der Name des Autors ist geil. Ein 439-Seiten-Wälzer. Rotes Buch. Hellblauer Einband. Und ein Schild mit ‚£5‘ drauf. Was gibt’s da noch zu überlegen?
Natürlich kaufte ich mir dieses Buch.
Und kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein Buch gekauft habt und die Ladentür hinter euch schließt? Das ist so, als hätte man einen kostbaren Schatz, als hätte man unendliches Wissen in der Tüte… Hach, ich fühlte mich gut.
Auf der Heimfahrt las ich dann auch den Klappentext und ich hätte mich echt wegschmeißen können, passt auf:
„How does a mind that evolved to think about rocks and plants think about love and physics and democracy?” (The Stuff of Thought, Steven Pinker)

Nun, bevor ich jedoch zur Heimfahrt komme, noch ein kleines Erlebnis:
Ich laufe den Fußgängerweg entlang, und mir kommt ein Mann entgegen - und hier spielt keine Rolle, ob er mein Typ war oder nicht, ob er mein Alter war oder nicht – die Sache war die:
Er hat gelacht. Nun, nicht laut losgelacht. Nein. Er hat geschmunzelt. Sei es aus Verliebtheit oder Erfolg – spielt keine Rolle.
Er war glücklich.
Und wisst ihr, was Maria dann gemacht hat? Haha, ihr könnt es euch sicherlich denken!
Ja.
Sie hat gelacht.
Sie war glücklich. Sie war sehr glücklich.
Mein Gott, wie einfach ist es doch, mich glücklich zu machen. Fast zu einfach.
Also: Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! (Welch eine zauberhafte Zungenbrecher-Alliteration.)

Und nachdem ich die „diversen Besorgungen“ dann erledigt hatte, machte ich mich also auf den besagten Heimweg. Und bei der Erwähnung von ebenjenem möchte ich nicht noch einmal auf den Fahrtkomfort, sondern diesmal auf die Fahrtdauer eingehen: Brauchte ich bei der Hinfahrt 45 Minuten nach Greenwich, so benötigte ich rück zu nur ganze 15 Minuten. Wie kommt das? Zauberei?
Nein.
Die Antwort ist simpel und stellt wieder einmal die Darstellung eines Londoner Ortsphänomens dar:
Auf der Hinfahrt geriet ich schlicht und einfach in den Londoner Berufsverkehr, das heißt falsche Uhrzeit (9 Uhr), falsche Richtung (selbstverständlich Richtung London). Aber mir konnte heute nichts die Laune verderben, und ihr kennt mich – ich lache.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute
Ich vermisse euch
und schenk euch ein Lächeln

Eure Maria

ps: Und wieder einmal hat der Höhepunkt bei "2:30 des Claire de Lune von Debussy für eine Gänsehaut gesorgt. Ihr hättet das erleben müssen: Wie die Sonne über die Baumwipfel klettert und höher und höher steigt, kämpfen sich die Streicher in die musikalischen Sphären bis an den Steg! Wunderbar. Schön.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Von Stars, Nackeninspektionen und einem besonderen Montag

Ein herzliches Hallo an alle Leipziger, Engländer, Neuseeländer, Australier, Amerikaner, Franzosen … kurzum an alle meine Lieben!

Trotz der Tatsache, dass ich hier grade im übelsten Rotz und Beinahe-Fieber auf meiner Couch sitze und jede Haltung irgendwie unbequem ist (Ja, ich bin krank!), lässt es mein schlechtes Gewissen nicht zu, euch weitere 2 Wochen auf einen Blogartikel warten zu lassen, daher hier ein weiterer Bericht aus meinem Leben im Land der höflichen Tee-Trinker:

Wieder ist ein Monat vergangen (Ja, die Zeit scheint hier in scheinbarer Lichtgeschwindigkeit zu vergehen…) und damit wird wieder ein Monatsbericht (mir ist immer noch kein passender Begriff eingefallen!) fällig:

Nach zwei Monaten weiß ich:
- dass ich mittlerweile schon einen Punkt revidieren muss: Es gibt auch 1£-Shops (Danke, Phil!)
- dass es die Bezeichnung „Grüner Daumen“ auch im Englischen gibt – „green thumb“
- dass die Phrase „Nonetheless they provide a useful starting point in thinking about…“ definitiv auf den 12 Seiten Englisch-LK-Oral-Exam-Phrases fehlte
- dass Mandarinen, Clementinen und Orangen hier ohne jeweilige Unterscheidung als "oranges" bezeichnet werden [GEÄNDERT - am ersten des Monats, an dem meine Mutter Geburtstag hat - um ... keine Ahnung, etwa eine halbe Stunde nach der Erst-Publikation ^^]
- dass Busse in besonderen Fällen nicht nur die Aufschrift „NOT IN SERVICE“ tragen, sondern „SORRY, NOT IN SERVICE“ tragen (Jaja, die höflichen Briten!)
- dass das klitzekleine Wort ‚a‘ [ӕ] hier von einigen Muttersprachlern als [ӕɪ] ausgesprochen wird
- dass „to have a job jobbed“ eine tolle umgangssprachliche Wendung ist
- dass mir nach einem Monat englischer Schulzeit (Anfang September ging hier die Schule los) die Schulkinder in den Bussen schon sowas von auf den Geist gehen… Wie kommt man als Bürgermeister Londons auch nur auf die zwar geniale, aber für mich ungünstige Idee, die Busfahrten zur Schule und zurück für Schüler kostenlos zu machen?
- dass man sich hier nicht auf die Postboten verlassen kann, denn da werden gerne mal Pakete vor die Wohnung abgelegt, wenn man nicht da ist
- dass sich so gut wie keiner im Londoner (bzw. auch Englischen) Verkehr an die Ampelzeichen hält – und trotzdem geht (zu meinem Erstaunen) alles glatt

Nun zu meinen letzten 2 Wochen. Diese waren weniger arbeits- dafür umso erlebnisreich!

Da wäre da zum Beispiel letzte Woche das Kennenlernen eines echten – ja, man glaubt es kaum - Stars:
Anlass war das 10-jährige Jubiläum unseres Projektes (Ach so’n Mist ich hab euch immer noch nicht beschrieben, was ich hier genau mache… naja, kommt noch… irgendwann).
Damit verbunden war eine Veranstaltung, wo hauptsächlich weniger wichtige Menschen aufeinandertrafen (die sich teilweise aber sehr wichtig fühlten), aber unter den wichtigeren waren: wir Freiwillige selbstverständlich (haha…) UND PAM FERRIS! Diese Frau sagt euch jetzt vom Namen sicherlich nichts, aber wenn ich „Agatha Knüppelkuh“ und „Harry Potters fliegende Tante“ in den Raum werfe, werdet ihr mit Sicherheit ein bisschen neidisch. (Ich weiß, dass ihr nicht neidisch werdet, aber bitte lasst mich in dieser naiven Träumerei!)^^


Nun, diese Schauspielerin war als Ehrengast geladen, da sie Vizepräsidentin von „Princess Royal Trust for Carers“ ist (hoho… klingt schon mal bombastisch) und selbst carer-Erfahrung besitzt! Naja, und sie war nicht eine der VIPs, die nach ihrer 3-Minuten-Rede mit viel Tamtam verschwinden, sondern sich nach einigen (sie sehr sympathisch machenden) Worten sogar zu uns Freiwilligen an den Tisch setzte und zumindest vorgab, sich für uns zu interessieren…
Hach, es ist schon toll, an der Quelle der Reichen und (nicht immer) Schönen zu
wohnen… ^^
(Hier noch ein Gruppenbild, das am Ende der Veranstaltung in einem der schönsten englischen Parks entstanden ist, die ich hier je erblicken durfte:)



Wie mach ich weiter?

Nun da wäre da noch der Freitag der letzten Woche. Dieser war einem London-Besuch mit besonderer Begleitung gewidmet: Ein Besuch mit Thesi aus Halle, die auch Freiwillige in GB ist. Wir haben uns lustigerweise über’s Internet gefunden und Freitag war es dann soweit – wir wollten uns treffen.
Haha.
Ach, was war das für ein schöner Tag!
Erst saßen wir gechillt in der Sonne des St.James-Parks, dann trafen wir auf der Suche nach Postkarten einen Deutschen, der in Hong-Kong arbeitet, aber mal für ein paar Stunden in London war. (Oh ja, dieser definitiv zu alte Typ hätte es gerne, gesehen, wenn wir ihm noch ein bisschen die Stadt gezeigt hätten, aber nüscht gibt’s… der war definitiv zu alt!) ;o)
Und dann genossen wir mit unserem Subway-Snack die Aussicht auf dem Trafalgar Square… die Aussicht, nun ja, das war hauptsächlich das maskuline Angebot der britischen Metropole (Bei diesem Wort ein ganz lieber Gruß an Chrisi, kannst du dich noch an das Activity-Spiel erinnern?)… Jaja, diesbezüglich hat London schon so Einiges zu bieten…
Und als krönenden Abschluss schlenderten wir noch an die Westminsterbridge und konnten gar nicht aufhören zu reden… ja, der Abschied war blöd, denn Thesi arbeitet jetzt in Coventry… ;((( Aber wie war das? Halt Ausschau nach Schopf-Nacken-Schulterkombinationen und wenn du nach London kommst, stürzen wir uns ins Nachtleben!
Hach, was für ein wirklich schöner Tag!


Und nach einem lustigen und wirklich schönem Feier-Wochenende folgte ein wahnsinnig ereignisreicher Montag: Leset und staunet:

Keiner von uns CSV (so heißt meine Sendeorganisation in GB… jaja, meine Arbeitsbeschreibung wird echt langsam notwendig…) – Freiwilligen bei meinem Projekt – das heißt: Daniel, Nelly (aus DE … vor einigen Wochen angekommen), Adrian (aus GB … vor 2 Wochen angekommen) und ich – hatte am Wochenende so recht Lust auf diesen Tag, denn wir waren nach London-City zum CSV-Day eingeladen worden.
Wie klingt das schon CSV-Day? Und wir richteten uns auf Kennlernspielchen und stundenlanges Rumhocken und Woanders-Sein-Wünschen ein.
Doch es stellte sich alles besser raus als gedacht:
Nachdem wir etwa um eine halbe Stunde zu spät angekommen waren („The traffic was hell!“ ist eine allseits geltende Ausrede), teilte man uns in Fünfergruppen ein, wo das befürchtete Kennlernen stattfinden sollte. Wie heißt du? (Namensschildchen nahmen einiges Fragematerial vorweg, aber man fragte trotzdem.) Wo kommst du her? (Auch das wurde auf der Brust eines jeden vermerkt.) Was machst du? Wo genau arbeitest du? sollten die Fragen sein, um die sich alles in den nächsten Minuten drehte… Nun gut… nicht sonderlich spannend, und die Nachbargruppen schienen sowieso immer um einiges interessanter…
Auf diese etwas steife Konversation folgte eine langweilige aber dafür nicht allzu lange Präsentation der CSV-Mitarbeiter. Und schließlich wurden wir alle, wenn auch mit einer kleinen Aufgabe, erlöst und nach draußen in einen niedlichen Hinterhof entlassen: Wir sollten ein Gedicht schreiben – über CSV.
Gut, diese Aufgabe war ersteinmal nebensächlich – jetzt ging’s an’s Kennenlernen. Dabei wurde Vielen die Kontaktaufnahme durch die Tatsache, dass die „Deutschen-Konzentration“ sehr hoch war (etwa dreiviertel der etwa 35 oder 40 Freiwilligen), erleichtert.
Eigentlich sind wir hier alle nach England gekommen, um Englisch zu lernen, und nun landen wir in einer deutsch-dominierten Organisation.
Wir könnten uns ja auf Englisch unterhalten, aber Faulheit und der Wunsch genau das sagen zu können, was man will, sind in diesem Zusammenhang zu überwindende „obstacles“ (Hindernisse). Nun gut… ich kann’s verkraften.
Nach und nach traf man also auf viele Deutsche und einige andere und genoss die frische Luft. Und dann machte man sich zumindest teilweise auch daran, Verse zu verfassen, die irgendetwas mit der Organisation zu tun hatten. Ich steuerte irgendwo 4 Verse bei und dann ging es wieder in den stickigen Raum, wo die zahlreichen Gedichte verlesen wurden. Ok… es waren 3!
Darauf folgte eine angenehme Essenspause: Der Lunch bestand aus Mitgebrachtem… Maria war vorher noch (schweineteuer) bei Marks&Spencer einkaufen. Naja, wenn einem die Notwendigkeit des Mitbringens erst am Montagmorgen einfällt… Selber schuld! (Und wieder rede ich von mir in der dritten Person… haha.) ^^ Und auch bei dieser physischen Zufriedenstellung stand man mal da, mal dort und machte sich bekannt.
Krönender Abschluss des CSV-Days war ein Wissenstest, der in Gruppen absolviert werden sollte. Fragen über Schauspieler, Allgemeinwissen, Michael-Jackson-Songs, landestypische Spezialitäten und Flaggen und Hauptstädte waren der Inhalt und zahlreiche wertvolle Preise die Belohnung: Meine Gruppe wurde Zweiter und wir durften daraufhin einige CDs und eine Männerparfümprobenbox unser Eigen nennen. (Verdammt nochmal, wir hatten die Führung… wir hätten Erster werden können und dann schnappt uns diese eine Gruppe (…) den obersten Treppchenplatz vor der Nase weg… Aber nein, ich gönn ihnen die „The Incredible Hulk“-DVD.)
Nun, der spannende Aufenthalt im CSV-Büro neigte sich seinem Ende zu und nach der Absolvierung der obligatorischen One-Month-Interviews mit einer CSV-Mitarbeiterin machten wir uns auf den Heimweg.
Nein.
Das stimmt nicht ganz.
Wir liefen etwa 100 Meter, trafen Hannah und Mads (zwei Freiwillige meines Projektes) und entschlossen uns – wenn auch nur kurz – in einem Londoner Pub einzukehren. Dort traf man auch einen Großteil, der neuen Bekanntschaften wieder… und trank …

Nun ja. Kommen wir damit also endlich mal zur Sache – zum Bier! *haha*
Die letzten 2 Wochen waren aufgrund der eher geringen Arbeitsbeanspruchung von so einigen Pub-Besuchen durchzogen. Und so konnte ich nicht nur endlich mal etwas Zeit mit meinen anderen Freiwilligen außerhalb von obligatorischen Office-Besuchen und CSV-Days verbringen, sondern mich auch mit britischen Pubsitten und Biersorten vertraut machen:
Was die Pubsitten betrifft, so kann ich sagen, dass es lustig war, den Am-Tresen-Order-Gebrauch und das „Last Order“-Klingeln endlich mal live zu erleben.
Und bezüglich der Biersorten … nun, es steht fest, dass ich in den 2 Monaten (leider) noch nicht alle Biersorten ausprobieren konnte und euch daher auch noch keinen „lager“-Favoriten nennen kann.

Nun ja, und dann hatte Mads noch die schöne Idee Tadz zu besuchen (Jaja… die ganzen Namen – egal – Tadz ist eben einer, der mal Freiwilliger war und jetzt in irgendnem Restaurant im Bankenkomplex (den ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue) arbeiten soll, …). Also machten wir uns per tube und Zug auf den Weg… Und menno… ich war doch noch mal im Pub bei den „ladies“, aber ich hab in diesen 20 Minuten Fahrt, die schmerzvollsten, ja die schlimmsten Minuten meiner ganzen 2 Monate hier verlebt. Peinlich aber wahr – soviel dazu!
Wir kamen also im Bankenkomplex an und nach dem Besuch diverser Örtlichkeiten ward ein jeder erschlagen von einer unglaublichen Protzigkeit: Man hat in diesem Bankenkomplex am Fuße diverser Wolkenkratzer eigene Zugstationen, und diese sind, nicht wie üblich im Grau-Metallic-Look „dekoriert“. Nein! Feinster Granit ziert die Wände, Böden und Oyster-Automaten!!!
Als wir hinaustraten, erblickten wir einen säuberlichen Platz mit etwas Grün, etwas Wasser und vielen fein gekleideten Menschen. Kurz gesagt: Wir fühlten uns ein klein wenig UNDERDRESSED!!! (Ja, nur ein gaaaanz kleines bisschen!)
Egal, wir suchten also Tadz, mit dem fabelhaften Ergebnis ihn nicht zu finden.
Schön, also entschieden wir uns zur Heimfahrt. Genauer: Alle anderen fuhren Zug und ich entschied mich für den Bus.
FALSCHE ENTSCHEIDUNG!
Auch wenn, ich die Wolkenkratzer von meinem Fenster aus sehen kann,


heißt dies nicht zwangsläufig, dass ich eine halbe Stunde nach Hause brauche, denn ich vergaß: Einer kleiner Fluss namens Themse trennte mich von meinem Zu Hause.
Schön.
Es kostete mich ganze 2 Stunden, bis ich nach chaotischen Ins-Nichts-Fahrten, Nach-Diversen-Bushaltestellen-Suchen und Tunnel-Fahrten letztendlich in Woolwich ankam.
Nun und dort folgte ein weiteres Fiasko, aber ich will ja nichts vorweg nehmen:
Ich hatte mir vorgenommen für mich und meine Jungs Kartoffelmus, Fischstäbchen und Fisch zu machen. Ist ja auch nicht sonderlich schwer.
Nun ja… die Meeresbewohner (wenn auch in neuem Zustand) sind mir gelungen, nur das Kartoffelmus war absolute Grütze…
„Ich hatte nicht die richtigen Stampfer!“ war meine Ausrede.
‘Die Kartoffeln wurden nicht lang genug gekocht!‘ ist die Wahrheit.
Mit allerlei Komplimenten, was mein verkacktes Kartoffelmus anging, versuchte zumindest Marvin meine Laune aufzubessern – Danke, lieb gemeint, aber die Tatsache, dass ich versagt hatte, ließ sich einfach nicht beschönigen bzw. verleugnen.

Aber gut, der Dienstag begann mit Halsschmerzen und meinen jetzigen Zustand hab ich euch beschrieben…

Ich hoffe euch geht es besser
und ich vermisse seit neustem mein Zimmer
und selbstverständlich EUCH!

Liebste Grüße
Eure Maria

Montag, 14. September 2009

Orlando Bloom, The Shins und ein Junggesellenabschied

Hallo, Ihr Lieben,

Nun, nach meinem vier-einhalb-tägigen Kurzausflug in den Süden gibt es so unwahrscheinlich viel zu berichten, dass ich überhaupt nicht weiß, wie ich das jetzt am Besten mache… Ah ich hab’s. Naja, ich will euch ja nicht überlasten und werde meinen folgenden Blogeintrag unterteilen, denn diese Masse an Informationen ist sicher nicht mit einem Mal aufzunehmen und es soll auch nicht gesund sein, so lange einen Bildschirm anzustarren.

Nun gut, beginnen wir also mit:

TEIL 1
CANTERBURY
(10/09/09)

Ich bin mir nicht so sicher, aber es muss so gegen 4.30 gewesen sein, als nach einer kurzen Nacht mein Wecker klingelte, denn mein Zug in Richtung Canterbury – mein ersten Ziel - fuhr 6.55. (Ja, Mädchen brauchen lange … und außerdem musste ich ja noch ein Ticket kaufen!)
So saß ich also in den frühen Morgenstunden am Bahnhof. Vollbepackt. Noch müde. Und von Business-Richtung-London-fahrenden Männern umgeben. Mein Soundtrack: Amarcord – In this Heart. Ein Lied, das einfach passte. So langsam, wie die Sonne sich über den Horizont kämpfte. So langsam, wie die Leute in scheinbarer Slowmotion über die Treppen den Bahnsteig betraten. Und trotzdem: Dieses falsche Englisch hat mich zwar schon immer gestört, aber an diesem Morgen hab ich Amarcord auch nur für dieses eine Lied ausgehalten! (... obwohl sie wirklich klasse sind!)

Darauf folgten 2 Stunden Busfahrt mit Neumi-Mucke im Ohr. (Haha, Nichtwissende – Mich-nicht-Kennende googeln jetzt bestimmt „Neumi“.)

Und dann kam ich an: Eine noch verschlafene Stadt – oder sollt ich besser sagen ein noch verschlafenes, süßes Städtchen? Fachwerkhäuser. Traumhafte Läden. Kopfsteinpflaster. Einfach nur zauberhaft.


Und nach dem obligatorischen Touristen-Info-Besuch klapperte ich dann die Sehenswürdigkeiten Canterburys ab. Selbstverständlich auch die Kathedrale von Canterbury: Ein Monster von einer Kathedrale und der Besuch ist wirklich empfehlenswert!



An dieser Stelle nun eine Info für meine ehemaligen Deutsch-LKler: Könnt ihr euch noch an meinen "The Tragicall History of Doctor Faustus" von Christopher Marlowe - Vortrag erinnern? Mmh bestimmt nich, aber zur Sache: Kein Schwein kennt bzw. kannte Christopher Marlowe (ein Zeitgenosse Shakespeares), doch die Geburtsstadt diese elisabethanischen Dramatikers kommt aus ihrem Marlowe-Fieber gar nicht mehr heraus und ist dabei sogar ein Marlowe-Theatre zu errichten… aber nun Schluss mit meiner Klugscheißerei.

Nach diesem Sightseeing war ich dann reif für eine Auszeit und setzte mich mit einem fantastischen Chicken-Avocado-Bacon-Baguette und ‘ner Cola an den zuckersüßen Fluss namens Stour, der sich durch Canterbury schlängelt.


Und dort fiel mir die Aufschrift auf der Cola auf: (das mit den Gemüseextrakten)
Gibt’s das auch auf deutschen Cola-Dosen?


Nun und was dann? Es war gegen 14 Uhr. Ich hatte alles gesehen. Kein Geld für Shopping (Dafür ist Canterbury leider wirklich gut geeignet…) Und so entschied ich mich dazu, meinen ganzen Reiseplan auf den Kopf zu stellen und schon einen Tag eher nach Dover zu fahren.
Somit geht’s weiter mit:
Ach nein halt, noch kurz ein Einschub: Wer den Titel des Blogs liest, fragt sich, was Orlando Bloom dort zu suchen hat. Preisrätsel: Wer das rausfindet, kriegt ein Maria-Lächeln!!!

Orlando Bloom, The Shins und ein Junggesellenabschied

TEIL 2
DOVER
(10/09/09)

Der Fahrkartenschalter gab mir die Möglichkeit ein Ticket nicht nur nach Dover Priory (der Bahnhof in Dover), sondern auch nach Dover Castle zu kaufen, was ich natürlich mit großer Freude tat. Und so fuhr ich los. Richtung Süden. In die Hafenstadt mit den Kreidefelsen.

Nun kam ich an, und ging davon aus, dass es meinem Ticket zufolge doch einen Shuttle-Service zum Dover Castle geben musste. Doch falsch gedacht, Maria!
Nichts mit Shuttle-Service - und so irrte ich – oder besser gesagt: bahnte ich mir erfolgreich einen Weg durch Dover, um letztendlich sogar noch eine Bergbesteigung hinlegen zu müssen. Ok, Bergbesteigung ist vielleicht übertrieben, aber das Castle liegt auf einem Berg, einer Erhöhung, was weiß ich, und der Weg nach oben, war nicht gerade ein Kinderspiel. Aber letztendlich war mein Soundtrack (The Shins – Phantom Limb) ein fantastischer Motivator und die Sicht da oben entschädigte für alle Strapazen, doch dazu später mehr.

Nach dem Ticket-Kauf wollte ich zuerst ins Castle und dann die Kreidefelsen vom südlichen Aussichtspunkt sehen. Naja, ich bin aber leider zu blond, um Karten richtig zu lesen. Und so landete ich zuerst am Aussichtspunkt.
Naja, nicht so schlimm. Ich bin ja spontan.
Und damit zur Aussicht: Das Wetter war gut und die Kreidefelsen und mein geliebtes Meer (Ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber für mich hat das so eine spirituelle Wirkung. Wer mich also beruhigen will, schickt mich lieber ans Meer.) waren einfach atemberaubend.
„Ich-bin-der-König-der-Welt-Posen“ für mich alleine und eine Fotosession folgten.


Und dann ging‘s zum ursprünglichen Attraktionspunkt 1 dem Castle: Ich will euch jetzt nicht die ganze englische Geschichte, die mit dem Dover Castle zusammenhängt, herbeten (obwohl, die wirklich interessant ist), doch ich muss euch hier von meinen Begegnungen berichten:
Beim Lauschen der Audio-Einführung stieß ich auf eine deutsche Truppe, die ihre 10-Klasse-Abschlussfahrt machte und einen 20-Kilometer-Marsch hinter sich hatte (oder stieß sie auf mich?). Egal, die Konsequenz meiner Offenheit und Suche nach Gesprächspartnern war, dass ich meinen Schlossrundgang mit diesen lustigen Leuten durchführte. Wie schön es doch immer wieder ist, Deutsch zu reden… ;o)
Dann machten wir noch einen Castle-Shop-Besuch (sie mussten ja ihr Kleingeld loswerden…), was letztendlich nicht ganz zu meinen Ungunsten war…(Hiermit lieben Dank an Svenja!)


Und als dann ihre (für ihre Strenge bekannte) Lehrerin per Handy an die Heimfahrt erinnerte, verabschiedete ich mich und bahnte mir meinen restlichen Weg alleine über die Schlosswiesen und dann letztendlich wieder zu Fuß zurück zum Bahnhof.


Nach der Fahrt zurück nach Canterbury (dort war meine Jugendherberge) trottete ich also zu meiner Schlafgelegenheit und fand eine wahnsinnig süße Unterkunft vor. Und erst meine Zimmergenossinnen: Eine amerikanische Fast-Rentnerin, die mal in Deutschland studiert hatte und die mir erst am nächsten Tag unsympathisch wurde, als sie mir veröffentlichte, dass sie eine „Healing-through-Prayer“-Prkatizierende sei, das heißt, das ist ihr Job…. Egal, mein zweiter flat-mate war eine Ende-40-Holländerin mit Kurzhaarschnitt, die einfach nur goldig war - schon allein wegen ihrem Akzent. Dann eine Deutsche (Mitte 20), die so wie ich England auf eigene Faust erkundete. Und zuletzt noch 2 Japanerinnen, die meine Dover-Infos gerne annahmen (es war ihr nächstes Reiseziel) und von denen eine so sehr schnarchte, dass wir sie mehrmals in der Nacht aufwecken musste, damit sie sich dreht…

Nun, die Nacht war erholsam, traumreich, wenn auch schnarchunterbrochen … und der nächste Morgen startete mit einem Inklusive-Frühstück. Ach und da bin ich auch schon beim Geld: Diese Jugendherberge ist wirklich wärmstens zu empfehlen. Ein unschlagbarer Preis von an die 10 Pfund pro Nacht (wie gesagt inklusive Frühstück) spricht für sich. Und dann die Einrichtung und die Zimmer… einfach goldig. Wer also Infos dazu braucht, meldet sich einfach bei mir!


Und dann ging’s weiter:

Orlando Bloom, The Shins und ein Junggesellenabschied

TEIL 3
BRIGHTON
(11/09/09)

Nun, jetzt hab ich wirklich schon 'ne Menge geschrieben, macht mal eine Pause, aber ich würde es euch nicht verzeihen, wenn ihr nicht weiterlest, denn hier kommt das absolute Highlight meines Südenglandtrips:

Eine etwa 2,5-stündige Zugfahrt brachte mich also nach Brighton. Und das Schöne an solchen Zugfahrten ist, dass diese wirklich größtenteils über’s Land führen. Da sieht man also Schafe, Felder, Schafe, Kühe, Schafe, Schwäne, Schafe, niedliche Landhäuser, ach, und erwähnte ich schon Schafe? ;o) Und so gucke ich gegen Ende der Zugfahrt interessiert (ja wirklich, ich finde das schön!) nach rechts… und nach etwa ‘ner halben Stunde guck ich mal nach links: Ha, da fahren wir die ganze Zeit an der Küste lang! Naja, ich bin halt auch so’n Schaf! Egal… es war eh bewölkt!


Und dann BRIGHTON. Hach, wie kann ich diese ersten Eindrücke am besten beschreiben?
Die Sonne kam raus (ja, es wurde richtig heiß). Wie ein Mai-Juni-Tag in der L.E.. Zuzüglich der Meerprise.
Und dann die Menschen: Alternative. Mit mehr Chic als sonstwo. Luftig bekleidet. Aber nicht billig. Hüte. (Es war sowas von klar, das The Kooks aus Brighton stammen!) Röhrenhosen. Tuniken. Sandalen. (Nein, das wird keine Modebeschreibung.)
Nach anderthalb Tagen in Brighton muss ich aber sagen, dass diese Stadt so wahnsinnig schöne Menschen zu bieten hat. Und damit meine ich nicht nur die Männer (die natürlich auch ^^) auch die Frauen… Es war echt eine Augenweide. Jungs und Mädels, diese Stadt ist voll von hübschen und jungen Menschen… Wer also nichts zu tun hat…fährt am besten mal nach Brighton!

Und dann lief ich die Straßen (die teilweise San-Francisco-ähnlich für-Küstenstädte-ungewöhnlich hügelig waren) entlang zu meiner zentral gelegenen Jugendherberge, um meine Sachen dort abzuliefern und weniger bepackt meinen Sightseeing-Trip zu beginnen.

Und los ging’s zum Brighton Pier, der zwar wirklich schön war, aber von Tourismus-Attraktionen nur so strotzte. Da gab es also ein ganzes Casino, eine Achterbahn, Karusselle, Zuckerwattestände, etc. (Wie man mir aber später erzählte, scheinen die Engländer auf solches Zeug wahnsinnig abzufahren… egal, mir gefiel’s nicht.) Aber die Sicht war gut und die Möwen stellten sich als außerordentlich posier-freudige Tiere heraus.





Nachdem ich einmal hin und zurück gelaufen war, strebte ich also in Richtung Sightseeing-Punkt Nummero 2: The Royal Pavilion – Lustschloss von King George IV, das im chinesischen Stil errichtet wurde, obwohl keiner der Architekten und Inneneinrichter jemals in China war. Aber gut, Schluss mit der Geschichtsherbeterei. Fakt ist, dass dieses Schloss einfach nur der Hammer ist, auch wenn ich etwas stinkig war, dass ich trotz meiner Freiwilligenaktivität den vollen Eintrittspreisbezahlen musste… Wer in Brighton ist, MUSS dahin! Da gibt es diesen einen Saal, der der absolute Wahnsinn ist und der jeden Besucher einfach nur umhaut (was schon der Zweck zu seiner Errichtung Anfang des 19. Jahrhunderts war…)!!
Und auch der Park, der dieses orientalisch angehauchte Schloss umgibt, ist sehenswert.


Und so schlängelte ich mich nach diesem Besuch, durch die Wege der Grünanlage, hin zum nächsten Punkt:
The Museum of Brighton and Art Gallery.
Wer deutsche Ordnungsverhältnisse gewohnt ist, dem rate ich hier von einem Besuch ab, denn so wirklich einleuchtend war die Anordnung der Kunstgegenstände und der Räume nicht, aber der Eintritt war frei und es beinhaltete so einige interessante und Maria-Lachen-erzeugende Ausstellungsstücke. Da war da zum Beispiel der Raum, der sich dem Thema Hair-Skin-Body widmete. Dort wurde man zunächst mit einer Videoinstallation (ja, England und Brighton sowieso sind ja reich...) empfangen, wo Menschen sich dazu äußerten, ob sie ihre Haare, ihre Haut, bzw. ihren Körper mögen und was sie ändern würden, wenn sie könnten. Darüber hinaus wurden noch einige abschreckende Informationen über den Trend der Schönheitschirurgie veröffentlicht… (Nein, das will keiner sehen.)
Dann ging es weiter in einen Raum, dem wieder eine gewisse Ordnung fehlte, der aber wieder interessante Ausstellungstücke aufwies: Outfits. Darunter waren: Kleider aus dem 17. Jahrhundert, ein Schlafgewand von King George IV, Samtkleider aus dem frühen 20. Jahrhundert, Indische Gewänder, ein Punk-Outfit aus den 70ern, Skaterklamotten und Gothenoutfits aus dem frühen 21. Jahrhundert. Ja, ich musste wirklich lachen. Outfits, die teilweise jeder kennt, die aber in 100 Jahren und vielleicht schon in 50 Jahren zur Attraktion werden, aber sie jetzt schon zu sehen, war einfach mal sehr… ungewöhnlich.
Nun, und weiter will ich euch nicht mit den mehr oder weniger interessanten Museumsdingen langweilen.

Denn nach diesem Besuch war ich hungrig, kaufte mir etwas zu essen (logisch) und setzte mich irgendwo in die erwähnte Grünanlage. Nun – irgendwo – ist nicht ganz aussagekräftig. Unter scheiß-freudigen Tauben, vielleicht etwas mehr!!! Ja, es soll ja Glück bringen, aber gleich 2mal angeschissen zu werden, ist echt kein schönes Gefühl!!!
Aber gut, nachdem ich mich umgesetzt und aufgegessen hatte, steuerte ich die „Lanes“ an. Das frühere Fischerdorf… oder so. Egal. Lauter teure, süße Geschäfte, Restaurants, Boutiquen (Ey, ich hab das Wort beim ersten Mal richtig geschrieben, ohne Microsoft-Word-Meckerei… ich bin stolz auf mich!)… einfach nur goldig! Meine Errungenschaften: 3 teure Grußkarten, für 3 Menschen, die sich bei gegebenen Anlass auf eine zum Totlachen komische Karte freuen dürfen! (Jaja Neumi, ich weiß, du hasst es, wenn man so von etwas schwärmt aus Angst, dass die Erwartungen dann nicht erfüllt werden, aber ich versprech dir, du lachst!)

Nach diesem Trip setzte ich mich an den Brighton Beach, der weniger ein Beach ist, da er aus Steinen besteht… (Ja, mann, ich war den vorherigen Tag etwa 10 Stunden durchgängig gelaufen – da konnte ich mir an diesem Tag einfach nicht so viel zumuten! Also gönnte ich mir eine zweite Pause!)
Die Sicht war gut und der Himbeer-Orange-Smoothie war der Hammer (mein neues Lieblingsgetränk!)


Nach dieser Rast hatte ich vor, bei meiner Jugendherberge einzuchecken.
Nun und da wären wir auch schon bei… (Nein ich verrate nichts, lest weiter!)
Ich kam an und ein freundlicher, englischer Rezeptionist (den jemand später als kiffende Schwulette bezeichnen sollte) führte mich zu meinem Zimmer.
Ja, mein Zimmer: Zehn Betten.
Und:
An die 5 Bierkisten auf den Betten verteilt. Und Sporttaschen. Könnte es sein, dass ich in einem geschlechtergemischten Zimmer gelandet war?
Ja, das konnte sein, denn nach etwa 10 Minuten der Ruhe stolperten 7 brünftige, 20 bis 30-jährige Männer ins Zimmer! Alle mit Einheitsoutfit und zu guter letzt: Ein mit einem grasgrünen Borattanga-Bekleideter! Ab dann war alles klar: Ah, ein „Junggesellenabschied“!!!! Und nach einem peinlich-berührten Kennenlernen und der Information, dass der Jüngste (der sich später als Nic herausstellte), der über mir schlafen sollte, kein Bettnässer sei, flüchtete ich nach unten und wollte ins Internet. Dies ging aber irgendwie nicht (und auch wenn der Rezeptionist mir seinen Laptop anbot) entschied ich mich zur weiteren Flucht in eine „Lanes“-Pizzaria!
Meine Güte war das schweineteuer, aber auf diesen Schock, musste ich mir eben was gönnen… So bestellte ich eine Fanta und, da mir eine Margherita dann doch zu peinlich war, bestellte ich für 7 Pfund eine Pizza – mit etwas mehr als nichts drauf! Aber sie war gut – das kann man nicht anders sagen!

Nun, dachte ich mir in diesen Minuten, es ist zwar schön allein zu reisen, aber manchmal hab ich dann doch das Gefühl, so fand ich da, dass ich mich dumm und dämlich laufe, was man mit Begleitung nicht macht (aus Rücksicht, da man denkt, man mutet dem jeweils anderen zu viel zu). Natürlich, so empfand ich, sehe ich viel, doch manchmal wäre es schön die Momente zu zweit zu genießen, also jemandem die Eindrücke sofort mitzuteilen – und dabei geht es nicht nur unbedingt um’s Reden.
Glück ist nunmal das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt! Dieser Spruch ist zwar ausgelutscht, aber wahr!

Ha, ist euch diese herausragende grammatikalische Struktur aufgefallen (Ausdruck von Gedanken aus der Vergangenheit!)?
Und wer denkt, dass ich diesen Text hier aus puren Gedanken schreibe (mittlerweile bei Word Seite 6), der irrt gewaltig. Ich habe mir während meines Trips ganz oft Notizen gemacht, damit ich euch auch ja nichts vorenthalte!

Und nun lest weiter und erfreut euch an der Beschreibung einer unglaublichen Nacht!

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