Während ich diese Zeilen schreibe, taucht die Nachmittagssonne mein Zimmer in ein strahlendes Orange und ein schönes Lied lässt meine Seele strahlen. Ich lächle.
Ein wirklich kostbarer Moment.
Nun, wo fang ich an?
Ihr ahnt es schon, wovon ich euch heute berichten möchte.
Selbstverständlich von meinem 10-Tage-Trip in die Stadt, die mein Herz schneller schlagen lässt.
DER ERSTE TAG UND DREI LANGE UMARMUNGEN
Mein Vater nahm sich ein bisschen seiner kostbaren Zeit und brachte mich bis zum Gleis am Leipziger Bahnhof.
Im Zug nach Berlin war ich dann zwischenzeitlich den Tränen nahe. War es Vorfreude oder die Trauer darüber, dass 10 Tage viel zu kurz sind? Ich weiß es nicht.
Ich flog von Berlin Schönfeld und machte am Flughafen noch die Bekanntschaft eines 60-jährigen Nordzyprer, der mir von Mandelbäumen erzählte und ich traf ein Pärchen aus Cambridge. Sie hatten den gleichen Flug wie ich und hielten mich im Flugzeug davon ab zu weinen. Ich glaube, dafür bin ich ihnen dankbar.
Dann der Bus zur Liverpool Street Station.
Und dann.
Endlich.
Ein Wiedersehen.
Und drei feste Umarmungen.
Nelli.
224 Tage hatten wir uns nicht gesehen.
Und ich war endlich wieder in London.
Ich musste mich nicht umschauen.
Ich kenne diese Stadt.
Vielleicht ein paar kurze Blicke.
Nein, es hatte sich wirklich nichts verändert.
Und während ich mich mit Nelli im hektischen Bus über den neuesten gossip unterhielt, blieb meine Seele stumm. Wenn ein Herz lächeln kann, dann tat es wohl in diesen Minuten genau das.
„Ist das ok, wenn wir heute Abend noch nach Woolwich fahren?“ fragte sie.
Sie steht noch in Kontakt mit den „neuen“ Freiwilligen, also auch denen, die jetzt da wohnen, wo ich einst wohnte.
„Nein.“ sagte ich entschlossen und schaffte es, das kleine bisschen Angst gut vor ihr zu verbergen.
Wir fuhren also, nachdem wir meinen Koffer in ihrer Wohnung abgestellt hatten, in mein geliebtes Assi-Viertel. :D
Und da traf ich dann Inka, Simon und Joel (Don Fino genannt).
Nein, nichts hatte sich verändert. Das war so merkwürdig. Selbst mein grüner Tee stand noch im Küchenschrank.
Ich glaube, diese Wohnung hatte während meines Jahres mit den ganzen Umbauaktionen (neue Fenster & eine neue Küche) mehr Veränderungen durchgemacht, als in den letzten 8 Monaten. Das Einzige was neu war, war die grüne Eingangstür und selbst diese hatte ich selbst mit meinen damaligen Mitbewohnern aussuchen dürfen.
Dann fuhren wir zu Nelli und mein erster Tag ging zuende.
DER ZWEITE TAG UND EIN LANG GEPLANTES TREFFEN
Am nächsten Tag fuhren Nelli und ich nach "Central" und schlenderten durch Covent Garden zum Leicester Square, um uns dann letztendlich am Nordufer bei Embankment unsere Smoothies schmecken zu lassen.
Das erinnerte mich an unsere Nelli-Maria-Tage, die so oder so ähnlich abliefen und die selten - aber deswegen so besonders gewesen waren.
Das Einzige was mich störte, war das Wetter: Seit meiner Ankunft war London bedeckt und das sollte auch noch weitere 3 Tage so bleiben.
Aber nun weiter auf der Ereignisleiter.
Am Abend trennte ich mich von Nelli, um Are im Süden Londons zu besuchen. Are kenn ich noch aus Schulzeiten und als wir erfuhren, dass sich unsere Zeiten in London genau für einen Tag überschneiden sollten, war klar, dass ich ihn dort besuchen würde.
Dort.
Ja, was war das?
Ein 50-Mann Haus im London Borough of Merton.
Jeweils 6 Menschen teilten sich Bad und Küche.
Und es gab Mehrbettzimmer.
Klingt doch wohnlich.
Oh ja.
Und lauter rotäugige, gefräßige, friedlebende Menschen aus aller Herren Länder.
Ein wirklich schöner Abend.
Gegen halb 3 verabschiedete ich Are, der seinen Flug nach Hause kriegen musste und nach weiteren anderthalb Stunden Zwangskonversation mit den Verbliebenen im Gemeinschaftszimmer hatte ich die Qual der Wahl zwischen 5 Ledersofas und 3 versifften Schlafsäcken.
Ich hab mich da nicht so.
Trotzdem machte ich mich nach 1,5 h Schlaf wieder auf zu Nellis Wohnung, um dort noch 3 h weiterzuschlafen.
DER DRITTE TAG UND ERINNERUNGEN AN LETZTES JAHR
Ich war zu nicht viel zu gebrauchen an diesem Donnerstag, also fuhren Nelli und ich, nachdem sie von der Uni gekommen war, nur nach Bexleyheath zum soft-shopping (das Gegenteil ist hardcore-shopping … das kommt noch).
Und dann war ja St. Patricks Day.
Und wo verbringt man als Freiwilliger diesen Abend?
Selbstverständlich im Pub.
Ja, wie lustig war es, dass es sich um den gleichen Pub handelte wie letztes Jahr.
Da traf ich dann auch die restlichen „neuen“ Freiwilligen des Projektes.
Ja, da kamen so viele Erinnerungen wieder hoch.
Momente.
Situationen.
Selbst die Getränke auf der Karte brachten mich zum lächeln.
Ich kann das gar nicht richtig ausdrücken, was da in mir vorging.
Das ist eine Mischung aus der Freude darüber, feststellen zu können, dass sich nichts verändert hat und man alles noch kennt und dem Schmerz – ein Piksen im Herz, das mich zumindest für diesen Abend verstummen ließ, weil ich wusste, dass ich nicht bleiben darf.
DER VIERTE TAG UND HARDCORE-SHOPPING
Dass London gut zum Shoppen ist, brauch ich euch nicht zu erläutern.
So streifte ich an diesem Freitag zunächst allein durch die Textilwälder Woolwichs und fuhr dann später etwas zivilisierter mit Nelli zur Oxford Street, um noch später mit einigen neuen Schätzen und Schmuckstücken zurück nach Woolwich zu kommen und den Abend mit hochgelegten Füßen und gossip girl Folgen ausklingen zu lassen.
Gute alte Zeiten.
Ach nein, etwas später stießen dann noch die Bexleyfreiwilligen zu uns und wir ließen uns die Cider bzw lager schmecken. Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben ...
Zurück zum Shopping.
Nein, ich bereute nichts.
Ein Top.
Eine Hose.
Ein Kleid.
Ein Overall.
Hotpants.
Noch ein Top.
Eine Strumpfhose.
Eine Bluse.
Noch eine Strumpfhose.
Unterwäsche.
Eine Jacke.
Noch ein Top.
Eine Tasche.
Noch ein Top.
Noch eine Strumpfhose.
Ballerinas.
(Diese Liste schließt die Errungenschaften mit ein, die auf den beschriebenen Tag folgten.)
DER FÜNFTE UND DER SECHSTE TAG UND EIN WIEDERSEHEN MIT ADRIAN
Am Samstag fuhren Nelli und ich nach Greenwich, um uns von oben bis unten mit Schokoladensoße vollzusauen. Fragt nicht! :D
Und dann einige Stunden später sah ich ihn wieder – das dritte gossip girl – Adrian aus Manchester.
Ihn hatte ich etwa 271 Tage nicht gesehen.
Hach.
Wir drei alle vereint.
Zunächst teilten wir uns eine Flasche Wein und erörterten die neuesten Neuigkeiten in einer Bar am Leicester Square und dann liefen wir zur Heaven-Bar, um Adrians Freunde Mark und Andy zu treffen.
Dies sollte eine unvergessliche GAY NIGHT OUT werden.
Ich lass Andy’s Bilder sprechen … hab ja keine Kamera.
(Ich hab ihn um Erlaubnis gefragt.)



Am nächsten Tag fuhr ich zunächst allein nach Blackheath, um einen Klienten zu besuchen.
Es war schön.
Etwas traurig.
Nach 2,5 h schaute ich auf die Uhr.
Ich musste los.
Kinotime mit den Gossip girls, Nelli und Adrian.
‘Ne Romcom sollte’s sein.
„Chalet Girl“ (in Deutschland „Powder Girl“)
Ein ziemlich sinnfreier Film.
Aber schon allein wegen Ed Westwick, Ken Duken und der Ich-schütt-mein-Popcorn-über-Adrian-aus-Aktion ein unvergessliches Erlebnis.
DER SIEBTE UND ACHTE TAG UND WIEDER WARN’S DIE DAFFODILS
Der Montag und Dienstag wurde weiter dem Shoppen, dem Klienten-Besuchen und dem Glücklichsein gewidmet.
Ja, nachdem über das Wochenende endlich die Sonne heraus gekommen war, konnte ich die Zeit in London richtig genießen.
So – sonnig und nicht allzu überfüllt – hatte ich diese Stadt in Erinnerung.
Und so begab es sich, dass ich mich am Montag nach einem kurzen Covent Garden und Oxford Street Intermezzo im Hyde Park wiederfand:
Ich zog die Schuhe aus und setze mich ins Gras.
Die Sonne kitzelte im Gesicht und ich strahlte mit.
Und nachdem ich meine neuen Schätze noch einmal aus den Tüten geholt und stolz betrachtet hatte, schaute ich mich um:
Da waren Jogger, Radfahrer, alte Ehepaare, junge Ehepaare mit Hunden, Pärchen, die auf der Wiese lagen, eine Frau, die Räder schlug, ihr Freund, der sie fotografierte, Kinder, die Hasche spielten, Babys, die versuchten Gras zu essen, Männer in Anzügen, die ihren Mittags-Sandwich verdrückten, Junggesellen, die an Baumstämmen lehnten und vor sich hin träumten, junge Mädchen, die ihren Primark-Schmuck aus den Tüten holten und dann über die erwähnten Junggesellen tuschelten, und dann Menschen, wie ich, die dank ihrer Sonnenbrille nicht die Augen wegen der Sonne verschließen mussten und Zeugen dieses wunderbaren Momentes werden durften.
Und dann die Geräusche der Stadt.
Und die daffodils.
Und die Kirschblüten.
Oh ich hab sie ja so gern.
Die Geräusche. Die daffodils. Die Kirschblüten.
Und die Stadt.
(Der Leser versteht.)
Am Dienstag machten Nelli, Inka und ich uns auf zu meiner geliebten Portobello Road. Nein, auch da hatte sich kaum etwas verändert.
Nur der Waffelladen war neu, aber nach einer leckeren Portion uns nicht mehr fremd. :D
DER NEUNTE UND VORLETZTE TAG
An diesem Tag fuhr ich gegen Mittag nach Sidcup, um bei den Mitarbeiterinnen meines (ehemaligen) Projektes vorbeizuschauen.
Small Talk.
Ein Mittagssnack.
Nichts Besonderes.
Dann fuhr ich nach Woolwich, um Zeit zu überbrücken und mir die Haare glätten zu lassen, für die am Abend anstehende Party: Nelli wollte in ihren Geburtstag reinfeiern.
Und dann fuhr ich am Abend noch einmal zu einer ehemaligen Klientin und ihrem Mann.
Er kochte für uns.
Ein wirklich wunderbarer Abend,
… der noch nicht zu Ende war, denn danach fuhr ich zurück nach Woolwich, zog mich um und die Party konnte beginnen.
Eine waschechte Freiwilligenparty mit Outfits und allem Drum und Dran.
Und für ein paar Stunden vergaß ich, was zu Hause auf mich wartete, ich war für ein paar Stunden noch einmal Freiwillige.
Ich genoss es.
Ich genoss auch die Minuten vor der Eingangstür. Die Nachtluft und der Sternenhimmel. Nein, ich konnte es nicht verleugnen, diese Wohnung, dieser Ort und diese Stadt werden immer ein Teil von mir sein.
Und dann drehte ich mich um, lachte und tanzte weiter.
Mit all ihren Momenten war diese Nacht also das i-Tüpfelchen auf meinem London-Aufenthalt.
DER LETZTE TAG UND EIN VERSCHWUNDENER HORIZONT
Am nächsten Morgen fuhren Nelli und ich zu ihr nach New Cross. Wir holten meinen Koffer und dann verabschiedeten wir uns.
Sie musste zur Uni und ich zum Flughafen.
Noch einmal schloss ich das Geburtstagskind in die Arme. Ich bin ihr so dankbar für so vieles. Aber das weiß sie. :D
Und dann bahnte ich mich durch die Stadt.
Ich war glücklich, dass es nicht regnete.
Und ich war glücklich, dass ich nicht traurig war.
Das klingt komisch, aber nachdem ich alles gesehen und wieder so vieles erlebt hatte, war es Zeit zu gehen. Natürlich wär ich gerne länger geblieben, aber ich hatte ein Leben in Deutschland, das auf mich wartete. Ich hatte meine Lieben in Leipzig, die ich noch sehen wollte, und selbstverständlich meine Lieben in Halle, auf die ich mich so freute. Und ein Studium, das auf mich wartete, das mir Spaß macht und mich erfüllt.
Und so setzte ich mich in den Flieger und obwohl ich so schrecklich müde war, konnte ich meine Augen nicht wirklich schließen, denn dies war wohl der bisher atemberaubendste Flug, den ich je hatte:
Der Himmel war klar, und wie wir so an Höhe gewannen, konnte man die Sonne stets in den Flussläufen verfolgen bis sie Teil des Meeres wurden.
Und auf der See dann: Die Schiffe und Tanker, die so winzig schienen. Von oben ist alles so klein.
Und dann mein Highlight: Der fehlende Horizont. Es war alles eins. Das Meer ging in den Himmel über. Nahtlos. Es war wunderschön.
In Deutschland kamen dann die Müdigkeit und die Kälte.
Die Tatsache, dass ich 2 Stunden am Berliner Südkreuz warten musste, wird wohl nicht gerade zu meiner Genesung beigetragen haben, denn – ja, nach London war ich mal wieder krank.
Es musste ja so kommen. So oft, wie ich dort krank war. (Die Blogleser wissen Bescheid.)
Und nun bin ich hier - noch in Leipzig, aber wenn ich den Blog veröffentliche, schon wieder in Halle.
Glücklich, aber nicht ganz ausgeglichen. Ich weiß nicht, ich bin kein Fan von Zwischensituationen und warte nun darauf, dass nächste Woche die Uni wieder losgeht.
Ich entschuldige mich für das Durcheinander dieses Artikels, für das emotionale Auf und Ab.
Aber es ist alles wahr.
Und stellt euch einmal vor, wie es da in meinem Kopf ausgesehen haben muss bzw. noch aussieht…
Ich danke euch.
Für alles.
Ihr wunderbaren Menschen.
Fühlt euch gedrückt.
Eure Maria

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