Donnerstag, 4. Februar 2010

Mein London-Lotterleben

Ein herzliches „Hallo“ an alle Schneemänner und Schneefrauen (und natürlich auch an die Sonnenanbeter und Sonnenanbeterinnen da unten im Süden),

Wieder einmal ist reichlich Zeit vergangen seit meinem letzten Bericht (… und gerade hat sich mein Avocadocreme-Brötchen nach unten verabschiedet, um WIE SICH DAS GEHÖRT auf der falschen Seite zu landen…) und wieder einmal gibt es so viel zu erzählen!

Wo fang ich an? Oder besser: Wo hab ich aufgehört?

Ah. Anfang Januar.
Die Einsamkeit ließ nach und schon am ersten Freitag gab sich wieder die erste Gelegenheit des Feierns, des Trinkens, des Zusammenseins, des Glücklichseins, des Tratschens (Nelli und ich werden hier nur noch als „Gossip Girls“ angesprochen, wie das nur kommt?...) und komischerweise fühlte ich mich wieder zu Hause. Das mag für den einen oder anderen im fernen Deutschland vielleicht merkwürdig klingen, aber da merkt man mal, wie sehr einem die Leute hier ans Herz wachsen ...

... denn schließlich sind mittlerweile schon 6 Monate vergangen!
6 MONATE!!!
Ihr wisst, was das heißt!
Halbzeit.
Bergfest.
Und verdammt, ich wünschte, ich würde anders fühlen, aber ich will nicht daran denken, dass sich mein Jahr hier dem Ende zuneigt!
Aber kommen wir zu etwas Erfreulichem (at least for you)!
Ein weiterer Monat ist zu Ende und ein weiterer Aha-Report ist fällig!

Nach sechs Monaten habe ich gelernt:
- dass 24h-shops nicht zwangsläufig durchgängig geöffnet haben
- dass „Erzfeind“ tatsächlich wörtlich übersetzt wird und damit „archenemy“ heißt
- dass es ein Wort für „Behördenkram“/„Bürokratie“ gibt: „red tape“
- dass das Jahr 1966 in Bezug auf den Fußball und die Fußball-Weltmeisterschaft für alle Engländer unvergessen bleiben wird – England siegte in der Endrunde über Deutschland und gewann somit die WM (Ihr bisher einziges Mal!)
- dass man die leckersten „ready meals“ beim Nobelsupermarkt Marks&Spencers kauft
- dass nur wenige Briten eine Spülmaschine haben
- dass Cadburry-Schokolade eklig, Galaxy-Schokolade besser, aber Milka-Schokolade immer noch am besten ist
- dass sich viele Briten darüber aufregen, keine andere Sprache außer ihrem Englisch zu sprechen und auf der anderen Seite wissen, dass sie insgeheim von allen erwarten, Englisch zu beherrschen
- dass Englische Parlamentsversammlungen spannender als Kino sein können
- man sich zur Begrüßung seltener die Hand gibt, als in Deutschland

Nun weiter im Geschehen und damit weiter zur nächsten Party!
Am 16. Januar feierte Mitchi (der Japaner) Geburtstag und so gut wie jeder (außer ein paar Ausnahmen) von denen, die ich hier in London kenne, war anwesend!
Eine Familienfeier.
Sozusagen.
Und wie war das toll.
Wahrscheinlich eine der coolsten Partys der letzten 6 Monate und ich kann noch nicht mal richtig sagen, warum!
Ich lass erst mal die Fotos sprechen.


Gruppenbild


Michael und ich


Marco und ich


Ferdi und ich

Muss ich noch was sagen?
Wir hatten Spaß! Wir waren glücklich! (Fast) Alle waren da!
Und Sonnenbrillen-Bilder sind sowieso immer ultimativ-genial! ("Ubercool" how the English would say!)
Wir lachten viel und ich schlief gut (Nein, nicht alles muss hier erläutert werden!)!

Wo machen wir weiter?
Meiner Arbeit.
Verdammt, ihr wisst ja immer noch nicht, was genau ich hier eigentlich mache.
Ok, auch wenn die Lust gerade fehlt – ich bin es euch schuldig! ^^
Aber nur ganz kurz.
Luftholen.
Und los.

Im Winter letzten Jahres bewarb ich mich bei VIA e.V. – einer Organisation, die junge Menschen für eine Art FSJ ins Ausland vermittelt.
Nach einem längerem Auswahl-, Berwerbungs- und Interviewprozess landete ich bei der englischen Partnerorganisation CSV, von der hier schon mehrmals die Rede war. Diese vermittelt junge Freiwillige aus aller Welt an diverse kleine oder größere Projekte, die über ganz Großbritannien verteilt sind.
Und so vermittelte man mich an ein Projekt namens „Carer’s Support Bexley“, dessen Projektunterlagen ich 2 Wochen vor Projektbeginn (1. August) zugeschickt bekam. (Etwas spät, ehrlich gesagt, aber der Rest verlief reibungslos!)
Und so kam ich hier an.
Mein Projekt soll – wie der Name Englischkundigen vielleicht schon suggeriert – den eigentlichen „Carern“, sprich Pflegern von geistig und körperlich Behinderten Menschen, was zumeist Familienmitglieder (Eltern, Ehepartner, Kinder) sind, Unterstützung bieten. Und somit habe ich mit einer großen Vielfalt (Ich musste „variety“ jetzt erst mal übersetzen…) von Krankheiten, Altersgruppen und sozialen Hintergründen zu tun. Meine Arbeit besteht im Wesentlichen darin, meine Klienten, die ich etwa aller 2 Wochen sehe, zu besuchen und dann dem eigentlichen „carer“ eine Auszeit zu ermöglichen. Da können Mütter Essen kochen, während ich mit den Kindern spiele. Da können Ehepartner und Kinder einkaufen gehen oder ihren Hobbies nachgehen, während ich auf die betreffende Person aufpasse.
Viel mehr kann ich aus Datenschutzgründen und auch, um die Würde meiner Klienten zu wahren, hier nicht veröffentlichen, aber mehr müsst ihr auch nicht wissen.
Ah. Doch noch ein was: Meine freien Tage (2 pro Woche) liegen so gut wie nie am Wochenende, sondern irgendwo auf die Woche verstreut.
Wer sich noch näher interessiert:
http://www.carerssupport.org/

Nun, und was ich nun eigentlich sagen wollte, ist, dass ich nach 6 Monaten um einiges besser mit meinen Klienten klarkomme, als zuvor.
Selbstverständlich hat man Menschen, mit denen man lieber arbeitet und mit anderen weniger gerne. Doch es ist schön zu wissen, wenn sich ein Mensch an einen gewöhnt hat, einem vertraut und sich freut, wenn man kommt!
Das gibt einem so viel wieder.
Das macht Maria glücklich.
Besonders bei den Klienten, die mich noch vor einigen Monaten oder sogar Wochen skeptisch und ängstlich betrachteten.
Das bestätigt.
Irgendwie.

Und nun noch ein Ereignis.
Und wieder muss ich – so leid es mir tut – vom Feiern reden.
Meine lieben Eltern haben mittlerweile das Gefühl, ich sei nur am Feiern, doch dem ist nicht so. Jedes Wochenende maximal.
(Kommt ihnen wahrscheinlich nur häufiger vor, da ich nur davon zu erzählen scheine. Meine Arbeit kennen sie ja. Hiermit Gruß an euch beide. Ich hab euch lieb!)
Nun, die nächste Attraktion war eine clubbing night out in London!
Genauer gesagt: In Camden – in einem Club namens „Koko“.
Und da muss ich etwas näher darauf eingehen: Dieser Club, der eigentlich ein altes Theater ist, hat eine spannende Bühnengeschichte und so standen schon Künstler wie Charlie Chaplin, The Sex Pistols, The Clash, Madonna und viele zeitgenössische Musiker auf der Bühne, auf der am 29. Januar eine mir unbekannte, gute Live Band spielte!


Und dann diese fantastische Architektur: Ränge und Balkone, Stuck, rote Wände,… Man fühlt sich wie um ein Jahrhundert zeitversetzt!
Und dann doch wieder nicht, denn dann war da die ultimativ geniale Indie-Musik.
Gute Musik also.
Wen wundert’s – schließlich wird es vom New Music Express (kurz NME), Großbritanniens Nummer 1 Indie-Magazin, gesponsert.
Ich fühlte mich also wohl, als ich bekannte Vampire Weekend-, The Postal Service- und Franz Ferdinand-Klänge vernahm.
Und dann mittlerweile Nummer 4 der Gründe, warum man im Koko gewesen sein muss: Die Menschen (oder sollte ich lieber sagen die Männer?). Fabelhafte Aussichten sag ich euch. So viele gut aussehende Menschen habe ich echt lange nicht mehr gesehen. Da wird unfreiwilliger Körperkontakt plötzlich freiwillig…
Ich sag euch. Dieser Abend oder diese Nacht war sagenhaft.
Wir kamen gegen 1 an, tanzten uns die Seele aus dem Leib (auch der Electro-Floor wurde ausprobiert und für gut empfunden) und verließen den Club gegen 4 (als er schloss).
Leider verschwand dann unser betrunkener Adrian und wir mussten voller Sorge alleine das Taxi zum Trafalgar Square nehmen und von dort aus den Bus zu mir nach Hause.
Wir kamen halb 6 zu Hause an.
Es fing wiedermal an zu schneien.
Wir froren und gönnten uns einen verspäteten Mitternachtssnack.
Um 6 lagen wir im Bett und 10.15 klingelte mein Wecker… die Arbeit rief.
Ach, und Adrian. Ja, Adrian kann sich an nichts mehr erinnern. Lebt aber noch. Er war gegen Mittag zu Hause angekommen und konnte leider nicht arbeiten gehen. Muss ich dazu noch irgendwas sagen?

Das ist mein Leben.
Mein London-Lotterleben.

Apropos Lotterleben.
Der Januar war finanziell betrachtet fatal.
Ich komm nicht drum rum Zahlen zu nennen:
Ich gab viel Geld aus.
Etwa 150 Pfund mehr als durchschnittlich in den Monaten zuvor.
Ich habe 350 Pfund ausgegeben.
Und jetzt kommt‘s:
Ich habe knapp 200 Pfund für Klamotten ausgegeben.
Ja, schimpft ruhig.
Mir war ganz schlecht, als ich alles zusammenrechnete.
Ich werde mich zügeln. Versprochen.
Aber dieses London-Leben lebe ich eben nur einmal.
Ach, naja… ehrlich gesagt, sehe ich das gar nicht so ernst. Zu meinen neuen Sachen gehört schließlich jetzt ein umwerfendes LBD (Little Black Dress). *räusper* Es folgen keine weiteren Erläuterungen.

Maria freut sich.

Nun, und jetzt?
Jetzt liege ich hier.
Ich bin mal wieder krank und habe die letzten 4 Tage bei Nelli verbracht, die mich vorbildlich und superlieb gepflegt hat!
Am Sonntag kommen neue Freiwillige und ich bin schon supergespannt.
Ein Deutscher, eine Afrikanerin und eine Brasilianerin.
Selbstverständlich werde ich euch informieren…

Und damit verabschiede ich mich.
Küsse und Umarmungen.
Maria summt ein Lied.
Sie lächelt. (Sorry, kann grad nicht lachen, mein Hals tut weh… *haha*)
Bis auf bald.

Ich vermiss euch trotzdem (nicht, dass ihr denkt…)

Eure Maria

P.S.: Hier noch meine momentanen Charts:

1. Owl City – Fireflies
2. The Postal Service – Such Great Heights
3. Bon Iver – re:Stacks
4. Devendra Banhart – Santa Maria Da Feira



5. Vampire Weekend – California English
6. Bonaparte – 3 Minutes Of The Life Of Bonaparte



P.S.: Ich werde euch das nächste Mal von meinem Abercrombie&Fitch - Besuch erzählen. Heute ist dazu einfach keine Zeit mehr!

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