(Änderung:) Hallo ihr Zuckerschnuten und Zuckerschnitten,
Es ist lange her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe, ich weiß, doch eine aufregende Zeit, die kaum Erholungs-oder-wegen-des-„anstrengenden“-Schreibens-doch-weniger-Erholungs-Pausen zuließ, liegt hinter mir.
Aber first things first. (Zu Deutsch: Eins nach dem anderen)
Eigentlich fand ich es nicht mehr erwähnenswert, doch einer einzigen, gewissen Person versprach ich in gewisser Weise, davon zu berichten, und so folgt jetzt eine kleine Beschreibung der Londoner Weihnachtsmärkte. (Diese Person darf sich geehrt fühlen ;))
Ja, auch in England gibt es Weihnachtsmärkte, die dann auch „Christmas Markets“ heißen und praktisch an unsere deutschen Varianten angelehnt sind: Es gibt Buden, es gibt Glühwein, ein paar Schnitzerei-Verkaufsstände und wenn man Glück hat auch gebrannte Mandeln.
Doch letztendlich war der Besuch von zwei Weihnachtsmärkten in London (1. Christmas Market in der O2-Arena 2. Christmas Market im Hyde Park) eher enttäuschend: Meine mir herbeigesehnten Kräppelchen gab es nicht, die Stände standen ungewöhnlich weit auseinander und was Achterbahnen und Gruselkabinette auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen hatten, hab ich auch nicht verstanden. (Hinzu kommen die verdammten VIER PFUND für einen Glühwein!!!)
Doch ich will nicht nur meckern, denn sobald man die Ansprüche etwas heruntergeschraubt hatte, konnte man auch auf diesen Weihnachtsmärkten Spaß haben. Besonders die Tatsachen, dass ein Großteil der Stände deutscher Herkunft war und der Elch im Hyde Park auch deutsche Weihnachtslieder sang, riefen in mir ein wohliges Gefühl hervor. Man fühlte sich FAST wie zu Hause und kam ansatzweise in Weihnachtsstimmung!
Mein absolutes Highlight war letztendlich eine Papiertüte, in der Chips (also Pommes) verkauft wurden: Unter all den Deutschen Dingen (hauptsächlich Berliner oder Bayrischer Herkunft) auf den Weihnachtsmärkten oder auch allgemein in London, war diese Papiertüte mit einer Ausgabe der „Leipziger Neueste Nachrichten“ aus dem Jahre 1930 bedruckt.
Und wie hab ich mich gefreut.
Wie ein kleines Kind.
Voller Stolz nahm ich die fettige Tüte von Mitchi (dem Japaner) entgegen und sie klebt jetzt bei mir an der Wand! L.E. ist einfach mal die tollste Stadt auf diesem Planeten. (Ok, einige werden mir hier widersprechen, aber ein bisschen Patriotismus darf doch noch sein.)
Nun, wenn wir jetzt unsere Ereignisleiter weiter hinauf kraxeln, erreichen wir auch schon den 23. Dezember.
Der Tag, an dem ich die Weihnachts-Silvester-Heimreise antreten sollte, brach an. Und so machte ich mich gegen 1 Uhr nachmittags auf dem Weg zum Zug - theoretisch viel zu zeitig, doch, da das Schneechaos dem Londoner Verkehr ganz schön zugesetzt hatte, wollte ich kein Risiko eingehen und nahm lieber ein paar Züge eher in Richtung Flughafen London Stansted. Leider kam ich wider aller Erwartungen sogar überpünktlich an und war schon gegen 2.45 pm am Flughafen.
Nachdem ich mich dann durch die Kontrollen gequält hatte, nahm ich irgendwo Platz, zwischen all diesen typischen Weihnachtspassagieren, die nichts anderes wollen, als nach Hause – und gehörte damit zu ihnen.
Mein Flieger sollte 6.45 pm gehen, doch wie es das Schicksal wollte, durfte ich mir noch anderthalb Stunden länger als geplant die Zeit auf dem Flughafen vertreiben. (Und wer sich jetzt fragt wie es mir ging: Ja, verdammt, ich hatte die Schnauze sowas von voll!) Gegen 8 saß ich im Flieger und gegen 11 deutscher Zeit kam ich dann an. Aber Nein, doch noch nicht in Leipzig, oder Altenburg. Nein, leider erst in Berlin Schönefeld, von wo mich mein Papi sehnlichst wartend abholte.
So viel zu meiner „Heimreise“.
Und meine Güte, war das ein komisches Gefühl zu Hause zu sein. (Schon begriffsmäßig wurde es schwierig, schließlich hatte ich die vergangenen Monate Woolwich mein „zu Hause“ genannt.)
Alles war irgendwie bekannt und doch so anders und ungewohnt. Da gab es wieder Schwarzbrot (Meine Mutsch schmierte mir nachts um 1 noch eine Schnitte, weil ich diesen Geschmack richtigen Brotes (Ja, ich gehöre noch zu der Genitiv benutzenden Minderheit!) nicht erwarten konnte.), ordentliches Klopapier und ordentliche Taschentücher, große Häuser und breite Treppen, Duschen ohne Heiß-Kalt-Aufteilung, Rechtsverkehr (Ich bestand übrigens am 30. Dezember meine Fahrprüfung.), die deutsche Sprache, Natur (Wiesen und Wald so weit das Auge reicht), Hühner-Frikassee, ein warmes Wohnzimmer, eine elektrische Zahnbürste, deutsche Weihnachtsdeko, relativ viele Fahrradfahrer (obwohl Winter ist), usw.
Und, ich sah sie alle wieder: Meine Mama, meinen Papa, mein Bruderherz (mit seinen Thomanern – und auch wenn es ein komisches Gefühl ist, dass mein Jahrgang jetzt raus ist (nach der 12. geht man üblicherweise) und alle jünger sind – ihr habt grandios gesungen – wie hab ich es vermisst!) und – meine Freunde, meine heftig vermissten Freunde.
Die Umarmungen bleiben noch lange in meiner Erinnerung.
Die ersten Weihnachtstage verbrachte ich mit meiner Familie, mit viel Essen und tollen Geschenken (Ich habe jetzt einen neuen MP3-Player… ein tolles Teil…) und die restlichen Tage, bzw. Abende waren meinen Freunden gewidmet. (Ach, und der Fahrschule… ;))
Auch Silvester verbrachte ich mit meinen Leuten und es war wirklich toll, Leipzig gegen 12 von einer Dachterrasse im Zentrum zu beobachten!
Vorsätze gibt es keine, die halt ich eh nicht ein, und doch gehe ich zumindest jedes Jahr mit einem neuen Optimismus-Euphorie-Initiative-Packet an, was ein ziemlich inspirierendes Prickeln in mir auslöst. (Meine Fresse, ein „inspirierendes Prickeln“, mich hat heut echt die Muse geküsst!)
(Steffen, 'ne Blondine und Jana)
(Marvin, Kenny und Konrad - die Poser)
(Neumi mit meinem also dann ihrem Weihnachtsgeschenk)
Und dann nach einem Abschiedsbrunch am Samstag machte ich mich heute, zum Sonntagmorgen (3. Januar 2010), wieder auf den Weg zurück – nach London. Diesmal ohne Verspätung, doch mit der fehlenden Euphorie kam ich an!
Und nun sitz ich hier und muss feststellen, dass unser Internet nicht funktioniert, was bedeutet, dass ich diesen Blog auch erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen kann. Außerdem kann ich weder meinen Eltern von meinem Befinden berichten, noch Lisa die Bilder schicken, noch meinem Bruder einen Mini-Auftrag geben, noch allen Londonern Bescheid geben, dass ich zurück bin. Doch ich find mich damit ab und hab schließlich jetzt Zeit gefunden, das hier zu schreiben und kann heute zeitig ins Bett gehen. (Immer optimistisch bleiben! Still smiling indeed!)
Doch eh ich’s vergesse und ich diesen Post abschließe, noch etwas ganz Wichtiges:
Ja, mein monatlicher Aha-Report ist überfällig:
Nach fünf Monaten hab ich gelernt, dass:
- die Briten besessen von Weihnachtskarten sind
- es in England kaum Fahrräder gibt (und ganz wenige Engländer Fahrrad fahren können)
- 3 cm Schnee den Londoner Verkehr beinahe gänzlich außer Gefecht setzen können
- es auch in London arschkalt werden kann
- viele englische Verkäufer deutsche (Euro-)Führerscheine nicht als Ausweisdokument anerkennen, um Alkohol zu kaufen (und den Personalausweis auch fast gar nicht)
- sich auch hier die Busfahrer, trotz dass es so viele Busse gibt, grüßen
- der Früchtetee, den man hier kaufen kann, von allein schon so süß ist, dass man ihn nicht zuckern muss
- die “Langsamfahrhügel“ auf den Straßen hier niedlicherweise „sleeping policemen“ genannt werden
- „Hüttenkäse“ auf Englisch wirklich „cottage cheese“ heißt
- 3 cm Schnee nicht nur den Verkehr lahm legen, sondern auch dafür sorgen, dass so gut wie jede Schule Großbritanniens vorübergehend geschlossen wird
Nun denn, ich habe festgestellt, dass dieses elende Wetter, nicht nur die Laune der Briten, sondern auch meine trübt. Drückt mir die Daumen, dass es in den nächsten 7 Monaten aufwärts geht.
Nein, ich korrigiere (meinen Ruf als Weltverbesserer-Gute-Laune-Macher lass ich mir nicht so leicht versauen), mir geht es fantastisch, meine Güte, ich bin grad wieder in dem ultimativen, jungen, stylischen London und ich trotze den Wolken.
Sonne komm raus!
Maria lacht!
Ich wünsch euch allen einen fabelhaften Tag.
Ich vermisse euch trotzdem.
Küsse und Umarmungen (die ab jetzt wieder nur auf elektronischem Wege übermittelt werden)
Eure Maria
ps: Ich habe das neue Vampire Weekend Album ... und es ist schön! Wer VW nicht kennt, hat was verpasst! Keine Briten, aber in GB wahnsinnig bekannt. Hier ein Hörbeispiel noch vom alten Album:
ps: Und hier noch was für meine U14-Leserinnen: (Kennt man den schon in DE?)(Das ist eigentlich nicht meine Musik und ich bezweifle, dass sich meine Leserschaft im U14-Bereich befindet... trotzdem!)

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