Nun, nach einer „kurzen“ Verspätung ist es wieder einmal Zeit für einen Monatsreport, denn ja, ich kann es selbst kaum glauben, ich befinde mich nun schon mehr als 3 Monate auf einer Insel, die mir zunächst fremd war und die ich nach diesem Jahr meine zweite Heimat nennen werde!
Well, nach drei Monaten habe ich gelernt:
- dass man, wenn man hier „half seven“ sagt, nicht „halb sieben“, sondern „half past seven“, sprich „halb acht“ meint
- dass ich hier wegen der ersten 5 Fragen, nicht bei „Who wants to be a millionaire“ mitmachen könnte, denn diese sind NUR für Briten und Muttersprachler einfach
- dass die Briten hier aus vielen europäischen Marken ihr eigenes Ding machen, das heißt, es ist das selbe, heißt aber anders, und so heißt „bebe“ hier „Johnson's“
- dass die Briten das Wort „Bonbon“ nicht kennen
- dass den englischen Eltern hier sehr viel an der Elektro-Hauptsache-Bildschirm-und-Knöpfe-Erziehung liegt (so gut wie jeder Haushalt besitzt eine Wii, Playstation, Nintendo DS, etc.)
- dass man hier ebenso gerne streikt, wie in Deutschland
- dass manche Lehrer hier sogar per Skype mit ihren Schülern und den Eltern in Kontakt stehen
- dass es hier sogenannte „muffins“ gibt, die den deutschen Toasties entsprechen und damit keine Muffins in unserem Sinne sind (Eine der leckersten Dinge, die ich hier bisher gegessen habe und die das Fehlen von anständigem Brot etwas erträglicher machen.)
- dass „Health and Safety“ hier eine wahnsinnig große Rolle spielt, man in jedem öffentlichen Raum so an die 20 Warnungsschilder auffinden kann und jeder Arbeitgeber mit tausenden an „policies“ versucht sich gegen eine mögliche Anklage/Anschuldigung zu schützen (Man hat ja gewarnt…)
- Nein, auf die Schweinegrippe werde ich nicht eingehen…
Nun, wo fange ich an, denn ich werde diesen Eintrag nicht beenden ohne euch von weiteren wundersamen Ereignissen auf der Insel zu berichten.
Ok, gehen wir einige Wochen zurück. Genauer zum 24. Oktober. Dieser sollte der Tag sein, an dem ich die liebe Thesi, die ursprünglich aus Halle kommt und jetzt als Freiwillige in Coventry arbeitet, wiedersehe.
Unser Ziel war die Portobello Road und der Portobello Market. Hach, und wie war das wieder einmal schön! Wir genossen die „Aussichten“ und bekamen allerhand Rabatt durch „Schmuck-Massen-Käufe“. Und dann … ja, dann war da noch dieser Stand … mit diesen … Brillen. Wir überlegten lange, ob wir unser kostbares Geld in solch einen Sinnloskauf investieren sollten. Doch nach langer Überlegung und dem In-Betracht-Ziehen (o.O. mein Deutsch leidet) der Tatsache, dass wir einfach mal so ultra-cool wären mit diesen Brillen, kauften wir sie uns.
Das Ergebnis: Ein Wahnsinns-Gefühl und unheimlich viel Spaß!
Auch das folgende Wochenende hielt so einige >Verkleidungen< bereit, denn ja, juchee, es war Halloween!!!
Dies wurde – meinerseits in einem Sexy-Hexe-Kostüm – mit reichlich Punsch, Kunstblut und wieder sehr viel Spaß zelebriert!
(Na Yeon, Youna und Yukimi)
(Mal)
(Hannah)
(Nelli - einfach nur genial, dieses Bild)
(Mads und Marvin)
(Adrian und Mitchi)
Der Abend bzw. die Nacht wurde lang und so gegen 4 verabschiedete sich ein Großteil in die Nachbarwohnung in Bexleyheath ins Bett – das heißt Marvin, Phil und Vivien schliefen im Wohnzimmer und ich schlief bei Nelli im Bett. Bzw. ich schlief letztendlich dort, doch zuvor wurde der Abend noch einmal voll und ganz auseinandergenommen, was zu zahlreichen Lachanfällen und heftigen Beschwerden Marvins führte, denn der musste am nächsten Tag arbeiten.
Nelli und ich wachten am nächsten Tag verkatert auf, und stellten ein paar Stunden später, nach einem leckeren Tee und Rührei-Toast-Frühstück fest, dass wir nicht die Einzigen waren. Nachdem sich dann so gegen 12 Uhr mittags der Rest verabschiedet hatte, bestellten wir uns Pizza und verbrachten die restlichen Stunden voller Reue, verkatert vor dem Fernseher und Laptop.
Gegen 6 machte auch ich mich auf dem Heimweg!
Und wieder ein Wochenende später – das ist irgendwie witzig, wie ich mich hier von einem Wochenende zum anderen hangele – sollte der Samstag einem traumhaften Feuerwerk gewidmet sein.
Doch wo fang ich da an? Mh. Donnerstag der 5. November („Remember, remember the 5th of November“) war Guy Fawkes Night, auch Bonfire Night genannt. Dieser Tag und die zahlreichen Feuerwerke sind dem Menschen gewidmet, der 1605 versucht hatte, die Regenten, das Parlament und die Bischöfe des Landes in die Luft zu sprengen. „Der Grund hierzu lag in der Verfolgung, der Angehörige der katholischen Kirche ausgesetzt waren.“ (Quelle: Wikipedia, Stichwort Guy Fawkes (Hach, was wären wir alle nur ohne dieses wunderbare Internetlexikon?)). Doch der Putsch scheiterte und die britische Bevölkerung verehrt ihn heute. (Auch hierzu gibt Wikipedia eine interessante Information: „In Großbritannien sagt man auch heute noch scherzhaft, dass Guy Fawkes der einzige Mann sei, der je mit ehrlichen Absichten in das Parlament gegangen ist.“ (Quelle: Wikipedia, Stichwort Guy Fawkes))
Nun, und da der 5. November ungünstig lag, wurde das GROSSE Feuerwerk in Blackheath auf den Samstag, den 7. November verlegt.
Wir, das heißt ich und meine Jungs (meine beiden Mitbewohner Marvin und Geoffrey) machten uns um 7 auf den Weg (Blackheath ist theoretisch 10 Minuten mit dem Bus entfernt). Doch dies war ein Kurzschluss!!!!!!!
Alle Busse waren voll und manche hielten nicht mal an!
So kamen wir auf die geniale Idee ein paar Bushaltestellen in die entgegengesetzte Richtung zu fahren – in der Hoffnung, dass dort die Busse weniger voll waren! Und wir hatten Recht! Wir bekamen einen Bus! Und fuhren winkend an unserer „Ur-Haltestelle“ vorbei! (Nein, natürlich nicht. Für wie dreist haltet ihr uns denn? ;o) )
5 Minuten zu spät kamen wir an, doch das Feuerwerk ließ noch auf sich warten.
So marschierten wir auf die Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesenwiese, die, wie ich später erfuhr, mit 65 000 (!!!) Menschen bestückt war. Und als wir einen schönen Platz gefunden hatten, ging’s los! Das nenn ich Timing.
Nun, und erwähnte ich schön, dass ich begeistert war? Nein. Also ich war begeistert! Einfach grandios. Das schönste Feuerwerk, das ich in meinem ganzen Leben je gesehen habe. Und das ist keine Übertreibung!
Hier ein paar Bilder (Ich will euch doch an meiner Freude teilhaben lassen. Die Videos sind toller, aber so'n Technikfreak bin ich noch nich, dass ich die hier einbasteln kann!):
Nun, der 9. November stellte für die Menschen hier keinen besonderen Tag dar, doch aber für euch, ihr Daheimgebliebenen und mich!
Bei den Bildern, die man hier in den Nachrichten sehen konnte, kamen mir die Tränen. Ein Lächeln. Und ein merkwürdiges Gefühl im Bauch. War das Stolz? Das ist komisch, denn schließlich bin ich nach dem Mauerfall, sogar nach der Wiedervereinigung geboren.
Ich würde in diesen Tagen wirklich gerne in Leipzig sein. Dabei sein. Wegen der Atmosphäre. Wegen dem Kribbeln. Wegen den Menschen. Weil es Leipzig ist!
Aber nun gut, Schluss mit der Gefühlsduselei. Genießt die Zeit für mich mit! (Ja, damit seid auch ihr gemeint, ihr Geschichts-und-Kultur-Banausen!)
Ach, und damit wären wir jetzt schon im Jetzt.
Ich sitze hier, muss heute arbeiten, muss morgen arbeiten und auch am Sonntag arbeiten. Und werde am Samstag trotzdem zu der Party nach Bexleyheath fahren. Man ist schließlich nur einmal jung! ^^
Bald ist Weihnachten, ach und da sind wir ja schon wieder bei einem Thema:
Ich hätte mich so wahnsinnig aufregen können: Gegen Ende Oktober war ich mit Nelli in London (auf der letztendlich erfolglosen Suche nach einem Frisör) und was muss ich sehen? Da auf der Oxfordstreet?
Hallo? Die Blätter sind noch AUF den Bäumen (oder AN, wie ihr wollt)! Und da schmückt man prunkvoll weihnachtlich! Hallo? Es war Ende Oktober!!!! Ich war noch sowas von gar nicht in Weihnachtsstimmung!
Aber nun. Jetzt. Ja. Jetzt bin ich in Weihnachtsstimmung. Soll ich euch den Anlass verraten? Der Geruch von Glühwein in Covent Garden. Dies war eine Sache von 3 Sekunden und doch war ich mit einem Mal in Weihnachtsstimmung!
Ich find es so schade, dass ich dieses Jahr nicht auf den Weihnachtsmarkt kann und doch freu ich mich auf die Kräppelchen meiner Mutter und die Komplet meines Bruders am 24.!
Und ich freu mich darauf, zu meiner Familie zu kommen, meine Freunde zu sehen, die einfach nicht zu ersetzen sind, und diese heimliche, weihnachtliche Gemütlichkeit in vollen Zügen zu genießen.
Nun, es regnet hier wie aus Eimern.
Ich schenke euch ein dem-Regen-trotzdendes Lachen
Und Umarmungen und Küsse
Eure Maria
P.S.: Achso, hier mein Soundtrack der letzten Wochen:
Platz 1 Frankmusik - Such Great Heights (Cover)
Platz 2 Acid House Kings - This Heart Is A Stone
Platz 3 Young Soul Rebels - I Got Soul
Platz 4 Charlie Winston - Like A Hobo
Platz 5 Regina Spektor - Fidelity
P.S.: Kommt mal aus dem Knick wegen Silvester!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen