Sonntag, 21. November 2010

Novembertage

Sanfte MP3-Player-Klänge stimmen ein auf eine bevorstehende Zeit, die sich Winter nennt.
Die Mittagssonne steht tief an diesem Novembertag und sie schließt die Augen.
Sie spürt die Wärme auf ihrer Haut.
Sie lächelt.

Ihre Bahn erreicht den Hauptbahnhof und das Crescendo eines Liedes motiviert sie zum Sprint. Sie ist spät dran.

Nach Hause fahren.
Nach Leipzig.
Dieses Jahr gerät sie nicht in Begriffsschwierigkeiten bei der Phrase „zu Hause“.
Sie ist angekommen in Halle. Es gefällt ihr, aber wie zu Hause wird sie sich dort wohl nie fühlen. Halle ist eine traumhafte Stadt mit wunderbaren Menschen, mit endlosen Vorzügen. Nachteile fallen ihr nicht ein. Sie hat wohl Glück gehabt bei der Wahl ihres Studienortes.
Und trotzdem:
Ihre Heimat ist Leipzig.
Und auf ewig verbunden ist sie mit London.
Dort fühlte sie sich heimisch im großen Kollektiv. Es tat so gut, in einer anonymen Masse nicht einsam zu sein.
Englische Offenheit.

Doch sie verfällt nur manchmal in dieses Singsang von Melancholie und einer neuen Sorte von Heimweh.
Dazu hat sie keine Zeit.
Dazu hat sie viel zu viel Freude am Leben. (Ihr kennt sie.)

Nur manchmal.
Manchmal an solchen sonnigen Novembertagen.

Sanfte Klänge und ein Lächeln.

(Mir geht es gut.)
(Eure Maria)

Dienstag, 24. August 2010

Die letzten Monate, ein Abschied, ein Willkommen und vom Gefühl des Erwachsenwerdens

Hallo ihr Lieben, Liebenden und Heißgeliebten,

Ich weiß, es ist eine Weile her … eine ganze Weile, um ehrlich zu sein.
Ich kann nicht behaupten, es wäre nichts passiert.
Ganz im Gegenteil. Die letzten Wochen und Monate waren ereignisreich, schön und tränenreich zugleich.
Ich denke, ihr könnt mich verstehen, wenn ich euch sage, dass ich einfach nicht zum Schreiben gekommen bin, denn erst jetzt, erst heute finde ich die Zeit und Muße.

Schau ich so zurück, bereue ich es ein bisschen … euch nicht taufrisch von diesen gewissen Momenten und Ereignissen erzählt zu haben, aber nur ein bisschen.

Ich kam nicht dazu, euch von Schottland zu erzählen. Wie ich allein, mit 3 Jungs (Adrian, Daniel und Marvin) nach Edinburgh fuhr. Wie wir im besten Hostel Großbritanniens untergebracht waren. Wie ich das beste Hähnchen meines Lebens aß. Wie wir von Bar zu Bar zu Club zu Club liefen und wahnsinnig viel Spaß hatten. Wie ich einen Franzosen namens Clement kennenlernte. Wie ich mit 2 Stunden Schlaf den Berg Arthur’s Seat erklomm. Und wie ich mir Calvin Klein Socken kaufte. Wie ich auf der 9-stündigen Rückfahrt von einem 18-jährigen Obdachlosen, der mehr als eine Droge genommen hatte, zugetextet wurde.
Nein, all dies konnte ich euch nicht (ausführlicher) erzählen.
Schade.
Vielleicht kann ich es mit ein paar Bildern wieder gut machen:





Ich kam auch nicht dazu, euch davon zu erzählen, wie ich meinen Geburtstag verbringen durfte: Wie ich bei meiner Klientin aufwachte. Wie mir einige zauberhafte SMS ein Lächeln auf die Lippen zauberten und mir wenigstens ansatzweise eine Geburtstagsstimmung verschafften. Wie ich mich gegen 11 Uhr auf nach Hause machte, um dort ein Paket und einen Brief vorzufinden. Ein Brief aus Neuseeland, über den ich mich wahnsinnig freute und ein Paket von zu Hause, das mit etlichen Geburtstagssüßigkeiten gefüllt war. Wie mich Max, der Neuseeländer gegen 1 Uhr mittags anrief, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Und wie ich ihm gleichzeitig auch gratulieren konnte, da er einen Tag nach mir Geburtstag hat. Ich konnte euch nicht sagen, wie sehr ich mich freute und wie gut es mir trotz der erschwerten Geburtstagsbedingungen ging. Wie das Wetter wirklich ein Geburtstagswetter war und wie es mir dadurch kaum schwer fiel, gegen 2 Uhr wieder aufzubrechen, um um 3 wieder bei meiner Klientin zu sein und den restlichen Tag und die Nacht (so wie die vergangenen 8 Nächte) dort zu verbringen.
Es war ein ungewöhnlicher Geburtstag und trotzdem etwas Besonderes. Natürlich könnte ich schreiben, er war scheiße und eigentlich kein Geburtstag, aber das entspräche nur der halben Wahrheit und meine mit-Positivismus-verseuchten Finger würden dies nie zulassen….

Ja, ich konnte euch von all dem nicht berichten, aber eigentlich mache ich es ja jetzt. Und damit verändere ich jetzt auch meinen Schreibstil, da sich jede Deutschlehrerin über diese WIE-derholungen aufregen würde.

Lasst mich nun also davon berichten, wie ich im Juni erwachsen wurde.

Die Zeit um meinen Geburtstag war arbeitsreich, doch auf der anderen Seite wahnsinnig interessant, da ich nach und nach endlich mich selbst in den Vordergrund stellte und bewusst eigene Entscheidungen traf.
Ich ging allein zum Broken Bells Konzert, was fantastisch war. Fuhr allein nach Oxford. (Ich berichtete.) Und fühlte bewusst, wie ich reifer geworden war und es nicht mehr allen recht machen wollte, sondern mir selbst gerecht werden wollte und auf eigenen Beinen stand.
(Es war etwas komplexer und hing natürlich mit mehr Ereignissen zusammen, aber nicht alle davon sind erwähnenswert.)
Ich weiß nicht, wie viele Menschen innerhalb eines Monats erwachsen werden, und ich weiß auch nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber es war ein verdammt gutes Gefühl.
Ja, verdammt gut!
Ich fühlte mich gut und frei. Und immer noch jung, aber erwachsen.
Ich bereute nichts. Rein gar nichts.
Und war dankbar für alles, was mir passiert war, was mir ermöglicht wurde, dankbar für jede Begegnung, und war sie mit noch so viel Schmerz verbunden.

Ich weiß nicht, warum ich euch, euch allen hier, von dieser Reflexion berichte, warum das sein muss und ich weiß auch nicht, ob ich in einem Jahr darüber schmunzeln muss. Doch, wie erwähnt, ich bereue nichts und werde jetzt einen weiteren Schritt auf der so oft erwähnten Ereignisleiter machen.

Der Juni war wohl für the whole wide world ein ereignisreicher Monat, denn die Fußball-WM begann und so verfiel auch England ins Fieber.


Leider konnte ich wegen meiner merkwürdigen Arbeitszeiten nicht alle Spiele verfolgen – so auch das langherbeigesehnte England-Deutschland-Spiel – doch mehr als einer hielt mich per SMS stets auf dem (Spiel)Stand. Ich konnte mir ein Grinsen letztendlich nicht verkneifen, doch allzu öffentlich wollte ich dann doch nicht zugeben, dass ich Deutsche bin, wer weiß, was dann passiert wäre…
Wir sind nicht Weltmeister geworden und trotzdem war ich am Ende sehr stolz auf unser Team. Hinzu kommt, dass die Spieltage stets einen Grund gaben, Leute zu treffen und so verbrachte ich mehr als einen Abend feiernd in London.
Hach, was war das für ein traumhafter Sommer.

Doch dann näherten wir, wir Freiwilligen, uns alle den wochen- und monatelang verdrängten Tagen des Abschieds. Nach und nach machte sich einer nach dem anderen vom Acker. Natürlich wurde stets noch einmal (for old times sake) gefeiert, richtig gefeiert. Doch der Anlass war immer traurig und der Abschied umso mehr.
So ging zuerst Phil, dann Lucia, dann Timo, Miriam und Andre, dann Daniel, dann Ferdinand, dann Jule, dann Chris, dann Mitchi, dann Thomas und dann Lina (mit der Reihenfolge bin ich mir nicht hundertprozentig sicher)…
Ja, es waren nicht wenige. Da kann man sich vorstellen, wenn die Laune für einige Zeit nicht gerade ganz oben war. Hinzu kamen dann noch die Verabschiedungen von Klienten. Ich mein, diese Good Byes waren ja abzusehen, doch es ist blöd, wenn sich das über mehrere Wochen hinzieht. Als ich Leipzig verlassen hatte, verabschiedete ich mich auf einmal von allen und schließlich war da die Aufregung vor dem Kommenden. Doch da, im Juni/Juli, hatte man das Gefühl, ständig nur am Tschüss sagen zu sein und die „Aufregung“ hielt sich, um ehrlich zu sein, in Grenzen!

Glücklicherweise waren die letzten 3-4 Wochen dann von Besuchen durchzogen, die für etwas Ablenkung sorgten.
So durfte ich Mitte Juli noch einmal meine Freundin Maria meinen Gast nennen und mit ihr: Nadja!!!! Nadja, die ich seit August 2009 nicht gesehen hatte, da sie sich damals auch nach Neuseeland verabschiedet hatte. Hach, und wie tat das gut. Natürlich wurde wieder geshoppt – und ich ignorierte gänzlich die Tatsachen, dass ich es mir eigentlich nicht leisten konnte UND ich nicht darüber nachdachte, wie ich das alles nach Hause bekommen sollte. Anyway, ich shoppte trotzdem, weil ich ein Määäääädchen bin. Wir hatten wahnsinnig viel Spaß und so kam es auch, dass wir uns eines Abends schick machten, um den tollsten Club Londons unsicher zu machen. Blöd war nur, dass dieser an diesem Tag geschlossen hatte. Wirklich blöd. Aber wir sind jung, wir sind spontan, wir tranken also noch etwas, fuhren nach Hause und ließen den Abend mit Wein, Gelächter und etwas Beauty-Getue ausklingen.
Und da war es auch, dass Nadja und ich feststellten, dass wir uns 1-Jahr-minus-eine-Woche nicht gesehen hatten und trotzdem alles so wie früher war. Ich könnt euch sicher vorstellen, dass mir diese Erkenntnis wahnsinnig gut getan hatte, da ich nun wusste, dass es zu Hause genauso sein würde, wie damals und da ich nun etwas hatte, worauf ich mich freuen konnte.






Während dieses Besuchs (Omg, der Genitiv, ein Hoch auf die Deutsche Sprache) ließ ich die Mädels auch einen Tag alleine und machte mich noch einmal auf nach Brighton. Die Stadt, die, seit ich sie das erste Mal im vergangenen September gesehen hatte, zu meinem zweiten britischen Favoriten geworden war. Ich besuchte Chris, der sich ab September mutig dort einem Musikstudium zuwenden wird, und verabschiedete mich. Das Wetter war fantastisch, das Meer war unruhig und der Kaffee war gut.



Die Heimfahrt war von gemischten Gefühlen erfüllt… eben ein Abschied von einem guten Freund, was soll ich sagen?

Und dann brachte ich auch die Mädels zur Liverpool Street Station. Aber wenigstens sie sollte ich ja schon bald wieder sehen.

Und dann ein weiteres Juli-Highlight, das Ablenkung brachte: Ich besuchte Adrian in Manchester. Unseren lieben Adrian, dessen Freiwilligenzeit schon Anfang Mai zu Ende war. So fuhr ich also per Coach (=Bus) nach Manchester und gleich nachdem wir uns in die Arme geschlossen hatten, wurde der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Tja, er ist eben auch ein richtiges gossip girl… Und da gab es viel zu erzählen!
Da es in Manchester nicht allzu viel zu sehen gibt, die Stadt jedoch eine weitbekannte Indieszene zu bieten hat, begaben wir uns bald dorthin, ins Indieviertel, um in Läden zu stöbern und wieder einmal Geld loszuwerden.
I couldn’t help it.
Und dann wurde es Abend, und was wäre ein Abend mit Adrian ohne sehr viel Spaß und ein zwei Drinks (zu viel)? Es war wie „früher“ und nachdem wir gegen 7 angefangen hatten, machten wir uns gegen 3 auf zu seiner Wohnung, um (zumindest für meinen Teil) tot ins Bett zu fallen, wirres Zeug zu träumen, am nächsten Morgen um 8 aufzuwachen und nicht zu wissen, wo ich war.
Hach, wie war es wieder schön! Und so fuhr ich mit einem komischen Gefühl im Bauch – wo auch immer das herkam – nach Hause. Nach London. (Die Fahrt dauerte unangenehme 5 Stunden…)


Und dann? Ja, dann in der vorletzten Woche bekam ich einen 2ten Besuch: Mein Bruder, mit dem ich diesmal nicht (mehr) London erkundete, sondern das schöne Cornwall. Ein Traum, sag ich euch. Die Klippen, das Meer, die Menschen, die Künstler.




Ja, und einen Sonnenbrand mehr und eine Digitalkamera weniger ging es dann auch schon wieder zurück nach London und er flog dorthin, wohin ich nach 6 Tagen folgen sollte.

Doch noch war es nicht so weit.

Erst war da noch Nelli’s, Yannik’s und meine leaving party an meinem letzten Montag. Es war eine schöne Party und doch konnte ich nicht allzu viel Zeit mit diesen Menschen verbringen, die gekommen waren, die ich alle zwar mochte, doch die nicht zu meinen engen Freunden zählten. Meine Freunde waren weg. Bis auf Jessi, Yannik und Nelli. Und so begab es sich, dass Nelli und ich uns verzogen, in einen Raum, der nicht unserer, auf ein Bett, das nicht unseres war.
Wir redeten lange.
Und ließen so unser ganzes Jahr mit all seinen Erlebnissen, mit all seinen Momenten, mit all seinen lustigen Zwischenfällen und schmutzigen Details noch einmal aufleben. Sozusagen Revue passieren.
An diesem Abend kroch die Angst in mir hoch, diese Ereignisse zu vergessen, die Menschen zu vergessen. Was ich nicht will, da es viel zu schön war. Aber dies ist wahrscheinlich der Lauf der Dinge. Nur das, was auf Fotos und hier auf diesem Blog festgehalten wurde, hat die Möglichkeit, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Dann der Dienstag. Ein Tag, an dem ich mich von insgesamt 6 Klienten verabschieden musste. Traurig aber wahr. Nunja, es ist nicht so, dass ich weinen musste, aber ich denke schon, dass ich zu einigen ein wirklich sehr enges Verhältnis hatte und dann nach einem Jahr, in dem man Teil des Lebens dieser gewissen Person war, einfach so Tschüss sagen zu müssen, ist nicht einfach.
Auch von dem office staff – sozusagen den Leuten, die meine Arbeit organisiert und für unser Training gesorgt hatten – musste ich mich verabschieden.
Ich bekam Blumen, ein Tuch, einen Teddybär, ein T-Shirt und etliche andere Kleinigkeiten. Ich versorgte sie mit Muffins, da ich nicht mit leeren Händen kommen wollte. Und verdammt, diese Muffins waren wieder einmal sooooo gut, die hatten sich nicht erst einmal bewährt gehabt.
Abends verabschiedete ich mich noch von den anderen Freiwilligen und Nelli und Jessi brachten mich zum Bus. Ich war den Tränen nahe.

Und dann am Mittwoch fuhr ich auf Arbeit, zu einer Klientin, um dort bis Samstag früh zu bleiben.
Tja, das war auf der einen Seite ausgesprochen blöd, da ich anders geplant hatte. Ich hoffte nämlich, dass ich da zwar arbeiten muss, aber den Nachmittag oder zumindest den Abend frei habe, um mich von anderen Klienten verabschieden zu können und noch einige Dinge erledigen zu können. Das war natürlich doof.
Auf der anderen Seite war ich durch die Arbeit so eingenommen, dass ich gar nicht großartig über die bevorstehende Abreise nachdenken konnte und ich mir so nicht unnötige Gedanken machte.
Schicksal.

Dafür war der Samstag dann EXTREEEEEEEEM stressig:
Pakete wurden zur Post gebracht, Koffer gepackt, Geschenke besorgt, noch eine Klientenfamilie musste besucht werden, dann wurde weiter Koffer gepackt, dann nahm ich meine Wandcollage ab,


dann wusch ich noch Wäsche, dann plante ich meine Abreise am nächsten Morgen, dann hatte ich eine halbe Stunde der Ruhe, des Luftholens, des Begreifens, dass ich am nächsten Tag, um diese Zeit schon zu Hause sein würde, und dann legte ich mich ins Bett. Schlafen konnte ich natürlich nicht und dann fiel mir nachts auch noch auf, dass meine Reise zum Flughafen, so wie ich sie geplant hatte, gar nicht durchführbar war. Alles musste also noch einmal umgeplant werden. Nachts um 11. Und ich musste eine Stunde eher aufstehen. Nachts um dreiviertel 1. Ja, weniger als 2 Stunden später!! Ich dankte beim Einschlafen einer höheren Macht, dass ich diesen späten Geistesblitz hatte. Sonst hätte ich höchstwahrscheinlich meinen Flieger verpasst, und meine Eltern und der Rest hätten umsonst auf mich gewartet.

Aber first things first.

So stand ich nachts also auf, trank meinen Kaffee schwarz, da die Milch alle war, und machte mich mit einem merkwürdigen Gefühl auf zur Bushaltestelle. Ich wartete eine Viertelstunde auf den Nachtbus, fuhr nach Elephant&Castle. Begegnete einigen Samstag-Nacht-Alkohol-Leichen und musste an einen Abend denken, als ich fast auch schon einmal zu ebenjenigen an ebenjenem Ort gehörte… Dann nahm ich einen weiteren Bus und fuhr zur Liverpool Street Station, von wo ich den Nacht-Zugersatz-Bus zum Stansted Airport nahm. An Schlafen war nicht zu denken und so öffnete ich meinen Laptop und verbrachte die fast einstündige Fahrt mit dem Film Coffee & Cigarettes (… wie passend …)!
Und dann das übliche Flughafengerammel. Es stank und war für diese Uhrzeit ungewöhnlich voll! Als der Flieger abhob, war es 6.25 englische Zeit.
Soviel dazu.
Im Flieger schlief ich etwas, obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte. (Einige peinliche Schnappschüsse zeugen von meiner Angewohnheit, im Sitzen mit offenem Mund zu schlafen...)

Während dieser ganzen Tour dachte ich nicht viel nach. Eigentlich gar nicht.
Heute denk ich mir, dass dies möglicherweise ein Schutzmechanismus war.
Jeder, der mich kennt, und vielleicht auch die, die nur oberflächlich diesen Blog verfolgen, wissen, dass ich Dinge und Ereignisse, sind sie auch noch so klein, simpel und primitiv, stets auf ziemlich emotionale Art und Weise auffasse, verarbeite und selten ignoriere.
Doch was wäre das geworden, hätte ich auf dieser Heimfahrt den extremen Gefühlsschwall verspüren müssen? Die volle Wucht der Tatsache, dass ich im Begriff war, einen Ort zu verlassen, der ein Jahr mein Zu Hause war und es wahrscheinlich so schnell nicht wieder sein wird? Die besonderen Menschen und Orte verlassen zu müssen, die mein Leben nachhaltig geprägt hatten?
Nein, mein Körper und mein Kopf hatten da wahrscheinlich genau richtig reagiert, nämlich gar nicht. Stets dachte ich nur: „Ich fahr Bus.“, „Jetzt nehm ich diesen Bus.“, „Hält der Zug am Stansted Airport?“ und „Welcher Flugsteig?“. Das war’s. Keine emotionalen Höhen und Tiefen.

Und dann – um 9 Uhr deutsche Zeit – landete mein Flieger in Altenburg.
Mein Paps schloss mich in die Arme und fuhr mich nach Hause.
Meine Ma schloss mich in die Arme und wollte mir den neuen Pool zeigen.
Sie zog mich am Arm nach draußen.
Und dort standen sie, alle versammelt. Meine Lieben. Meine lieben, lieben, treuen Lebenskonstanten. Meine Freunde. Mit Plakat und allem drum und dran.
Ich schloss sie in die Arme.
Und so frühstückten wir, so brunchten wir, usw. auf der Wiese, auf Decken im Garten, bis abends um 6.
Ein besseres Willkommen kann man sich nicht vorstellen.

Und jetzt bin ich hier.

Jetzt bin ich hier in Leipzig und nichts hat sich verändert.
Jetzt bin ich hier und hatte die Chance (fast) alle wieder zu sehen.
Jetzt bin ich an der Uni in Halle eingeschrieben.
Jetzt bin ich hier und lebe bis zu Beginn des Studiums zu Hause, was schon arg komisch ist… nach einem Jahr in einer eigenen Wohnung, mit eigenen Regeln und dem bisher größten Maß an Freiheit.
Jetzt bin ich hier und genieße die Anwesenheit meiner Freunde.
Jetzt bin ich hier und vermisse sie alle schon jetzt, sie, die Engländer und die anderen Freiwilligen. Es war ja zu erwarten.

Jetzt bin ich hier und genieße den Sommer. Sitze mit meinem Laptop am Pool auf der Sonnenliege und blinzle trotz Sonnenbrille


(ein ultrascharfes Mitbringsel aus einer nunmehr fernen Stadt), um überhaupt was auf meinem Laptopbildschirm zu erkennen. Nein, ich will diese Sonne und die Ruhe noch genießen. Mal wieder ein vollkommener Moment. Sie sind selten geworden, seitdem ich hier in Deutschland bin, die Momente des vollkommenen Glücks. Es war zu erwarten. Vieles ist bekannt und weniges ist aufregend. Doch es ist schön und trotz dieser Wehmut geht es mir gut, denn schon bald stürze ich mich in ein weiteres Abenteuer.

Dieses Jahr war das Beste, was mir je passieren konnte, und, wie gesagt, ich bin dankbar für jede einzelne Bekanntschaft. Ich hatte ganz schlimme emotionale Tiefs, die ich nicht noch einmal erleben möchte, aber ich hatte auch die wohl beste Zeit meines Lebens.
Und das ist die Art und Weise, wie man die Dinge stets betrachten sollte.
Ich bin reifer geworden, das weiß ich. Ich bin selbstbewusster geworden.
Und bestimmt 5 Kilo schwerer. That’s life.

Ich weiß nicht, was mit diesem Blog passiert, vielleicht schreib ich weiter, vielleicht auch nicht. Guckt immer mal rein, es könnte ja sein, das mein Leben weiter so spannend bleibt. Ansonsten mach ich es spannend - dann eben nur auf dem Papier. Dies ist wenigstens eine Sache, die ich relativ gut kann…

Ich danke euch allen für das Lesen dieses Blogs und hoffe, euch immer mal ein Lächeln auf die Lippen gebracht zu haben.

Freut euch mit mir.

Danke.

Fühlt euch umarmt, auch ihr, die ich fast nicht kenne.

Ein Lächeln.

Eure Maria

Ps: Zum Abschluss noch ein Lied.
Was wär ich in diesem Jahr nur ohne Musik gewesen?
Auch wenn es euch nicht gefällt, freut euch mit mir. Und genießt den Sommer!

One Night Only 'You And Me' from PTE on Vimeo.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Eine Geschichte

oder

Eine Liebeserklärung an die neue Heimat

Grübelt nicht.

Ihr Wecker klingelt um 5. Es ist schon hell, denn es ist Juni. Sie nimmt sich Zeit und weiß nicht, was sie anziehen soll. In diesen Morgenstunden ist das Wetter noch weniger vorhersehbar. Sie wird sich für das Richtige entscheiden, denn das Wetter wird auf ihrer Seite sein: wolkenlos, doch das weiß sie noch nicht. Sie fröstelt auf dem Weg zur Zugstation.

Der Zug nach London Cannon Street fährt pünktlich um 6.37 am. Als sie den Wagon betritt, durchfährt es sie: Peak-time, der Zug ist voller als voll. Menschen neben Menschen. Hauptsächlich arbeitende Bevölkerung. Wer sonst gibt sich an einem freien Tag einem solchen Stress hin? Heute ist es mindestens eine Person. Sie. Jedoch empfindet sie dies keinesfalls als stressig, da keine bevorstehenden Aufgaben auf ihren Schultern lasten, sondern nur eine mit dem Nötigsten gefüllte, rote Ledertasche. Und das nur auf einer Schulter, wenn man’s genau nimmt.

Nach einer kurzen Underground-Fahrt erreicht sie die Victoria Station und macht sich zu Fuß auf zur Couch Station, von wo ihr Bus nach Oxford fahren soll.
London hat einen ganz besonderen Charme in diesen Morgenstunden, denkt sie und sie kann nicht mal ausmachen, woran das liegt. Am Licht? An den wenigen Menschen? An den besonders wenigen Touristen? An der Schönheit der Stadt?

Als sie vor der Abfahrtszeiten-Tafel steht, erschreckt sie. Ihr Bus steht nicht auf der Liste. Doch sie bleibt gelassen und dankt einer höheren Macht, vielleicht auch sich selbst, dass sie zeitig genug da ist, um sich zu erkundigen. Sie erfährt, dass die Busse auf der anderen Straßenseite fahren und nicht auf diesen Tafeln aufgelistet werden. Sie bedankt sich freundlich bei der Service-Mitarbeiterin und wartet, da sie noch etwas Zeit hat, auf der Straßenseite, auf der sie sich befindet. Dort scheint die Morgensonne und die tut gut.

Um 8 Uhr 20 verlässt der Bus die Haltestelle und bahnt sich zunächst seinen Weg durch die Londoner Innenstadt, was eine gute dreiviertel Stunde dauert. Sie liebt diese Stadt, das wird ihr klar, als sie vorbeifahren an Orten, die sie kennt und schätzt und an Plätzen, an denen sie noch nicht war, die sie aber nur zu gerne sehen würde. Es tut fast schon ein bisschen weh, als sie das Londoner Stadtgebiet verlassen und am liebsten wäre sie umgekehrt. Doch wie hätte sie das dem Busfahrer beibringen sollen, wie wäre sie irgendwann nach Oxford gekommen und wofür hätte sie dann das Geld bezahlt, fragt sie sich und schläft ein.

Als sie aufwacht, sind sie schon beinahe da. Viertel 11 erreicht der Bus die Endhaltestelle und die Aufregung macht sich in ihr breit. In ihr, nicht der Endhaltestelle, der Leser versteht.
Sie beschließt, sich nicht die Blöße zu geben und den Zettel mit dem vorgezeichneten Weg zur Besucher Information herauszuholen. Stattdessen folgt sie der Masse und trifft so auf einen Markt, der dem geliebten Portobello Market ähnelt und doch offensichtlich eine größere Vielfalt zu bieten hat. Jeder scheint gut gelaunt, die kommende Mittagssonne erwärmt die Gemüter und taucht den Platz in ein wahnsinnig aufregendes Licht. Sie will am Nachmittag, nach ihrer Entdeckungstour hier noch einmal zurückkehren, das legt sie in diesen Minuten für sich fest.

Ein bisschen wie Canterbury, denkt sie auf dem Weg zur Besucher Information. Dort angekommen, kauft sie sich eine Karte Oxfords mit einer sogenannten walking tour für einen Pfund und macht sich kurz darauf auf den Weg. Vorbei an der Church St Mary Magdalen, am Martyr’s Memorial und der Church St Michael at the North Gate. Und schon jetzt fallen sie ihr auf: die unzähligen Studenten. Schon nach wenigen Stunden wird sie an nichts anderes mehr denken können, als den Wunsch einer dieser Studenten zu sein. Sie möchte so clever sein, wie sie. Vielleicht ist sie das ja, denkt sie, aber angenommen würde sie trotzdem nicht werden.

Als sie den Carfax Tower erreicht, erklimmt sie nach einem kurzen Flirt mit dem Ticket-Verkäufer die schmalen Stufen und wird mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Sie ist glücklich, dass sie einen Donnerstag gewählt hat, da die Stadt offenbar nicht vor Touristen strotzt und schweift gedanklich kurz in die Ferne: Sie sieht die Dächer der Colleges und wird wieder euphorisch gepackt von dem Wunsch, Student zu sein. Doch diesmal nicht unbedingt in Oxford, allgemein, denkt sie. Sie will lernen, endlich wieder lernen.

Sie setzt ihre Tour fort, vorbei an der Town Hall, dem Museum of Oxford und dem Pembroke College. Bald steht sie vor dem Eingang zu den Wiesen des Christ Church Colleges, des wohl größten Colleges Oxfords. Wie zauberhaft. Sie ist überwältigt von der Harmonie zwischen dem gotischen Gebäude der Christ Church Cathedral und den blühenden Gärten des Universitätsgeländes.
Leider wird sie enttäuscht am Eingang zum eigentlichen College. Eintritt erst ab 2.30 Uhr. Gut, denkt sie sich, dann muss die Tour wohl spontan etwas abgeändert werden.
Eine deutsche Schulklasse sorgt da für kurze Ablenkung. Sie schmunzelt. Auch hier scheint sie nicht sicher vor ihnen zu sein. Unauffällig lauscht sie den Gesprächen der halbwüchsigen Schüler und wünscht sich in ihre Schulzeit zurück, wo die Läster-Queen der Stufe ein ernstzunehmendes Problem darstellte. Und dann fragt sie sich, ob es falsch ist, den ein oder zwei Jahre jüngeren Typen hinterherzustarren. Unverschämt gut sehen sie aus. Sogar für deutsche Verhältnisse, denkt sie und lächelt dabei.

Ihre spontan geplante Route führt sie dann vorbei am Merton College, wohin sie in ein paar Stunden auch zurückkehren möchte, vorbei an den Examination Halls, am Botanischen Garten und dem Magdalen College.
Ihre Hände zittern, langsam wird sie schwach. Es wird Zeit für einen Mittagssnack. Auf der High Street wird man doch fündig werden, denkt sie und liegt damit goldrichtig. Das Cafe ist dunkel, aber niedlich. Ein Panini und einen English Breakfast Tea, bitte. Gerade beim Tee und bei der dem ersten Schluck folgenden Entspannung weiß sie, dass sie nicht nur mehr angekommen ist in England, sondern auch zu Hause.
Sie gibt 1 Pfund 20 Trinkgeld, weil die Bedienung freundlich, das Essen lecker, der Tee gut und die Aussicht auf die jungen, passierenden Studenten es wert waren.

Es ist immer noch etwas Zeit bis das Christ Church College und auch das Merton College den Weg für Besucher freigeben und so macht sie sich auf den Weg nach Norden. Vorbei am Queen’s College, am New College, unter der Bridge of Sighs entlang, vorbei an der imposanten Bodleian Library und dem Sheldonian Theatre. Bis sie den Radcliffe Square mit der berühmten Radcliffe Camera erreicht. Ihre Informationsbroschüre sagt ihr, dass „camera“ ein mittelalterliches Wort für „Raum“ war und somit erklärt sich ihr auch die hauptsächliche Nutzung des Gebäudes: Es beinhaltet einen großen Lesesaal.

Dann macht sie sich auf den Weg zum Merton College. Nachdem sie aus dem Schatten der Church of St Mary the Virgin tritt, spürt sie die Sonne deutlich auf ihrer Haut und weiß, dass sie dort am Abend etwas mehr als eine Nuance Unterschied zum Morgen ausmachen werden kann.

Als erste Besucherin des Tages betritt sie das Merton College. Dies ist nicht groß und viel bekommt man nicht zu sehen, doch die Anwesenheit einiger Studenten sorgt für eine angenehme Atmosphäre und wieder kommt der Wunsch auf…
Sie sucht den Eingang zur Kapelle und findet nichts, außer einer großen Tür. Sie guckt nach links, nach rechts. Sie versucht sie zu öffnen und die Tür gibt nach. Noch ein Blick nach links und rechts und schon findet sie sich im Inneren der Merton Kapelle wieder. Doch zu ihrer Überraschung ist sie allein, in einer Kapelle, die mehr einer ziemlich großen Kirche gleicht. Behutsam setzt sie einen Schritt vor den anderen. Jeder Mucks ist hörbar und auch ohne zu wissen, dass sie alleine ist, hätte sie es gespürt. Beeindruckend, in der Tat, doch lange will sie sich da nicht aufhalten und schnell macht sie sich wieder auf den Weg zur großen Tür. Wieder im Freien spaziert sie noch eine Weile entlang an den sogenannten Quads, den quadratförmigen, von Collegegebäuden umrahmten, akkurat gemähten Wiesenflächen und dann macht sie sich auf den Weg zur nächsten "ausgelassenen" Touristenattraktion: zum Christ Church College.

Sie ist erfreut über die gewährte Ermäßigung und folgt nun dem vorgegebenen Besucherweg. Viele der Harry Potter-Filme wurden in diesem College gedreht und so kommt ihr die Dining Hall des Colleges sofort bekannt vor. Sie schmunzelt und blinzelt kurz. Ist das Dumbledore da am Ende der Halle? Schweben tatsächlich ein paar Geister über den Tischen? Hat dieser in Samt gekleidete Mann auf dem Gemälde ihr gerade zugezwinkert?
Auch die Kathedrale des Colleges wirkt sehr imposant auf sie, doch nach einiger Zeit hat sie die ständige Anwesenheit von deutschen, französischen und spanischen Touristen um sich satt und sehnt sich nach einer Wiese.

Da sich der Ausgang des Colleges in Richtung High Street befindet, wird aus der Wiese nichts. Doch sie ist leicht zufrieden zu stellen, bzw. abzulenken und so führt sie ihr Weg vorbei an diversen anderen Colleges in einen Second-Hand-Buchladen. Der Kauf 2 neuer Bücher macht sich augenblicklich bemerkbar: Sie grinst und schwenkt ihre Tüte. Fast wie eine von ihnen, denkt sie und findet sich bald am Ausgangspunkt ihrer Tour wieder: am Informationszentrum. Sie hat noch 3 Stunden Zeit.

Sie richtet ihre Frisur beim Blick in ein Schaufenster und macht sich auf dem Weg zum Covered Market. Schön ist er, aber die Preise sind eindeutig zu hoch, das fällt ihr auf. Sie kauft sich 2 Tassen und ein Eis. Zum Trotz.
Besonders der Eisstand wird ihr noch ein paar Minuten länger in Erinnerung bleiben: Er befindet sich direkt gegenüber von einem Fischstand. Sie bewundert den freundlichen Eisverkäufer.

Sie fragt sich, was aus dem morgendlichen Markt geworden ist und muss nach einem kurzen Fußmarsch zu ihrem Bedauern feststellen, dass dieser gerade abgebaut wird. So setzt sie sich stattdessen in ein Internetcafe. Sie hat nicht den Plan ins Internet zu gehen. Stattdessen bestellt sie zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben ein Kaffee-haltiges Getränk: Einen Iced Caffè Mocha. Er schmeckt ihr nach dem dritten Schluck und sie ist von sich selbst überrascht.

19.30 Uhr fährt der Bus nach Hause. Sie ist pünktlich und ihr ist schlecht, als sie den Bus betritt. Kreislaufprobleme. Dies geht vorbei und die Ruhe im Bus tut gut.

Auf dem Weg sieht sie einen Vater auf dem Fahrrad mit seinem Sohn auf dem Lenker. Er fährt Slalom und sie lachen.
Sie lacht auch und ist dankbar, 4 Sekunden an deren Glück teilgehabt haben zu können.

Als der Bus wieder in die Londoner City einfährt, verspürt sie ein angenehmes Gefühl. Zu Hause, denkt sie. Ja. So ein Gefühl in ihrem Bauch, das sie nur von Deutschland kannte, aber nun auch auf der Insel verspürt: Die Anziehung. Fast magnetisch. Sie fühlt sich wieder sicher, aufgehoben, von Bekanntem umgeben, zu Hause in einer Millionenstadt. Als wäre jeder Bewohner ihr Nachbar.
Ohne Straßenschilder zu sehen, erkennt sie am Stil der Gebäude, dass sie sich gerade in Notting Hill, in Kensington oder Chelsea befinden. Sie fühlt sich rund um wohl und gestärkt als sie den Bus verlässt.

Ihre Heimfahrt wird 1,5 Stunden dauern, da es offensichtlich Probleme bei St Johns Wood gab, aber sie kennt sich aus und weiß schnell eine Alternativroute.
Spontan muss man sein, denkt sie sich.

Es ist nicht mehr hell, als sie zu ihrer Wohnung läuft.

Freitag, 9. April 2010

Von heimischem Brot, Osterglocken und Frühlingsgefühlen

Hallo ihr Lieben, Liebenden und Geliebten,

Die Sonne scheint, der Frühling ist da und Maria hat ‘ne Bombenlaune.

Ich weiß, meine Abwesenheit war beunruhigend und manch einer dachte vielleicht die Themse hat mich ganz und gar verschluckt, doch dem ist nicht so. (Ich weiß, dass das keiner dachte. – Das war rhetorisch.) Ich lebe und mir geht es ziemlich gut.
Um ehrlich zu sein: Ich habe mich in den letzten 2 Monaten eher dem Leben gewidmet und weniger dessen Dokumentation und Protokollierung, denn schon James Dean sagte:
Dream as if you’ll live forever. Live as if you’ll die today!
(Das sagt er übrigens auf einem traumhaften Poster, das jetzt die Woolwich-Blümchentapete ziert.)

Blicke ich nun auf die Tage und Wochen meiner Blog-Abwesenheit zurück, so fällt es mir nicht schwer die pikanten Einzelheiten, die herausragenden Momente und die gelungenen Überraschungen herauszupicken. Weitaus schwerer wird es mir fallen, den Text so kurz wie möglich zu halten, denn auch, wenn ihr mir an den Lippen hängt (und diese Vorstellung gefällt mir durchaus), weiß ich doch, dass ihr so oft keine Zeit habt, weil ihr vor Arbeit und Studium, etc. den Himmel vor lauter Wolken nicht seht. Nun, ich geb mir Mühe.

Fangen wir zunächst an mit einem Absatz zum Schmunzeln, denn diesmal ist ein Aha-Report für 2 Monate fällig.
Sprich, nach sieben bzw. acht Monaten habe ich gelernt:

- dass viele britische Supermärkte auch eigene Tankstellen (praktischerweise direkt neben dem Supermarkt) besitzen
- dass „to kill two birds with one stone“ das englische Äquivalent zu „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ ist
- dass ‘Tom Cribb‘ ein englischer Boxer des frühen 19. Jahrhunderts war
- dass „to grind one’s teeth“ „mit den Zähnen knirschen“ heißt
- dass es hier doch nicht ganz so unüblich ist, Trinkgeld zu geben
- dass wir als Freiwillige berechtigt sind, an der anstehenden britischen Parlamentswahl teilzunehmen
- dass viele Briten die Franzosen nicht nur aus historischen Gründen hassen, sondern auch, weil sie sie für eleganter, schöner, gewandter und rundum besser halten (Es gibt aber nur wenige, die dies zugeben.)
- dass „cream eggs“ leider nicht den deutschen „Löffeleiern“ entsprechen
- dass „pie“ (Nach Wikipedia: „eine englische Pastete, die süß oder herzhaft gefüllt sein kann“) aus dem Supermarkt abartig und im Restaurant richtig gut schmecken kann
- dass „Flachmann“ auf Englisch „flask“ heißt

- dass es Taschenlampen zum Schütteln und damit selbstständigen Wiederaufladen gibt
- dass ein Viertel der Londoner Bevölkerung in einem anderen Land geboren wurde
- dass es auch in Großbritannien Aprilscherze gibt, jedoch nur bis 12 Uhr mittags, danach wird man beim Scherzen selbst zum „April Fool“
- dass ein Kinobesuch in Central London locker £15 kosten kann
- dass London über 200 „Starbucks Coffee“ Filialen besitzt
- dass der Manager der Sex Pistols Malcolm McLaren hieß (Er starb am 8. April.)
- dass sich das Londoner tube-Netz über 408 km erstreckt
- dass das englische Wort für Kobold „leprechaun“ (‘lebrikorn‘ ausgesprochen – Betonung auf der ersten Silbe)
- dass der Heathrow Airport in London, was das Passagieraufkommen betrifft, in Europa an erster und der Welt an dritter Stelle steht
- dass es in Großbritannien keine Klöße gibt

Nun wo …

Oh Entschuldigung, ich war kurz abgelenkt. …
James Dean.
Der ist aber auch heiß, so wie er hier lässig von meiner Wand nach links blickt. …


Egal… Ja, wo fang ich an?
Ich könnte euch von einigen durchaus gelungenen Partys erzählen. Doch dies lass ich lieber. Meine Eltern sind beunruhigt und meine Freunde schütteln den Kopf. Dennoch gönnen sie es mir alle und das ist gut so.
Folglich bedarf es keiner weiteren Erläuterung. Wer interessiert ist, darf mich persönlich, meine Familie oder nun auch Maria S. fragen, die mich hier besucht hat, doch dazu später mehr.
Ich komm jedoch nicht umhin, ein paar schöne Bilder sprechen zu lassen:






Nun, den Beginn meiner halbdetailgetreuen (was für ein lustiges, nichtexistierendes Wort) Erlebniswiedergabe macht der Besuch meiner Eltern vom 26. bis 29. März.

Am Freitag, den 26. holte ich sie von der Londoner Liverpool Station ab und meine Mutter, die zum ersten Mal in den Genuss Londoner Luft kommen sollte, wurde gleich in das pulsierende Zentrum geschliffen. Sprich Covent Garden, Leicester Square, Trafalgar Square und die ganze Big Ben-Ecke wurden abgegrast. Und auch wenn der Nieselregen und die Touristenmassen etwas störten, ich denke, ihr gefiel, was sie sah, was sie hörte, was sie fühlte. Apropos hören: 17 Uhr besuchten wir einen Gottesdienst in der Westminster Abbey und genossen die Stimmgewalt der Tenöre und Counter, die die räumliche Gewalt federleicht ausglichen. (Auch beim zweiten Mal wirkte das Interieur dieser Kathedrale anfänglich nahezu bedrohlich.)
Der Abend fand nach einer Piccadilly Circus Besichtigung seinen Ausklang in einem lustigen, Amerikanisch angehauchten Restaurant.
Die Nacht durfte ich dann für stattliche £30 auf 2 Matratzen auf dem Boden im Hotelzimmer meiner Eltern verbringen. Doch ich schlief relativ gut und musste dadurch nachts nicht vom äußersten Nordwesten in den äußersten Südosten fahren.
Darauf folgte dann ein Tag, der der Panorama-Aussicht und dem Themseufer gewidmet war.




So bestiegen wir zunächst The Monument und begaben uns dann in Richtung Tower, Tower Bridge. Dann am südlichen Ufer Richtung Tate Modern, die meine Eltern nach 2 Stunden ohne mich auch von ihrer Sightseeing-Liste streichen konnte. (Unterdessen gab ich mich dem Kaufzwang hin (ein neues GELBES Portmonee) und übte ich mich den Tate Modern – Künstlern nacheifernd in der Kunst der Fotografie.)






Am Nachmittag dann führte ich sie in eins der schönsten Pubs Londons, wo wir auch ein frühes Abendbrot zu uns nahmen, uns über russische Kellner unterhielten und uns fragten, ob es gut sei, ein Kind gänzlich ohne Fernsehen aufwachsen zu lassen. (Nachdem eines ebenjener Kinder (vielleicht 7 Jahre) wie gebannt auf der Treppe saß und der sinnlosen Fußballauswertung folgte.)
Mein Vater verabschiedete sich dann ins Musical und meine Mutter und ich beschlossen den Abend mit einem Nordufer-Spaziergang ausklingen zu lassen. Das Ergebnis waren schöne Fotos und






schwere Beine.
Wie tot fielen wir auf das Hotelbett und wie glücklich war ich darüber, dass mich meine Eltern auch noch diese Nacht dort übernachten ließen.
Der Sonntag brach an und bald führte ich sie in mein Woolwich-Reich, was sie mit diesen Worten kommentierten: „Das müssen wir erstmal auf uns wirken lassen.“ Das taten sie und nach einer kurzen Rast brachen wir auf zum Greenwich Park, durchliefen Greenwich und kamen dann am Ende in Notting Hill raus. Die Begeisterung für die erwähnten Orte (ausgenommen meines Zu Hauses) war offensichtlich, was mich natürlich freute.
Anschließend begaben wir uns per Bus noch in die Kensington Richtung, wo wir schließlich noch Harrods „auf uns wirken lassen mussten“!
Letztendlich schlenderten wir noch durch den Greenpark, zum Buckingham Palace und durch den St. James Park hin zu einem Pub am Trafalgar Square, wo wir ihren Aufenthalt nahezu preisgünstig letztmalig zelebrieren konnten.
Nachts verabschiedete ich mich. Ohne Tränen. Fuhr nach Hause und sie flogen am nächsten Morgen.
Ihr Besuch tat mir gut. Es war schön sie wieder in die Arme schließen zu können. Doch nach Deutschland zurück will ich noch nicht. Das ist mir klargeworden. Diese Zeit ist noch nicht gekommen und so genieße ich jede letzte Sekunde der letzten Monate in der Stadt, die sich für immer mein zweites Zu Hause nennen wird.
Ich mag die Sprache, ich mag die Menschen, ich mag die Kultur, ich mag den Tee, ich mag die Stadt, ich mag die Straßen, ich mag die Häuser, ich mag die Eigenarten – das gewisse Etwas, das irgendwie alle Farben, Epochen und Nuancen enthält.
Macht das Sinn? Für mich, ja.

Nun zum gleich anschließenden Besuch: Maria besuchte Maria und kam am 2. April genau wie meine Eltern an der Liverpool Station an. Ich schloss sie in die Arme und auf ging’s nach Hause. Es gab viel zu erzählen. Und auch wenn wir erwachsener und reifer geworden sind, auch wenn wir uns vielleicht ein bisschen verändert haben. Fremd sind wir uns nicht geworden und diese Einsicht tat mir gut!
Und wie freute ich mich, als sie ihren Koffer öffnete mit lauter Kleinigkeiten, die meine und ihre Eltern für uns und mich zusammengepackt hatten, darunter: Socken, Löffeleier, weitere Ostersüßigkeiten UND deutsches Brot! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich die erste Scheibe (und auch die zweite, und dritte…) genoss.

Der Samstag brach an und auch meiner Namensschwester musste die Westminster-Ecke ausführlich gezeigt werden. Doch viel Zeit hatten wir nicht, denn bald mussten wir uns auf den Heimweg machen, denn Maria durfte in den Genuss einer der berüchtigten Freiwilligen-Home-Partys kommen. Genau genommen war dies Jessicas Geburtstagparty, die unter einem Motto stand, was hier nicht erwähnt werden kann und lustige, besser gesagt, heiße Kostüme mit einschloss.
Was soll ich sagen? Schließlich wollte ich nicht viel vom Partyleben berichten. Es war eine der Nächte, nach denen man lächelt, kurz den Kopf schüttelt, die Stirn runzelt, sich fragt „Warum?“ und man dann sagt „Immer wieder gerne“.
Zu viel waren die beiden Marias also nicht zu gebrauchen an diesem restlichen Sonntag. (Nein, einen schlimmen Kater hatten wir nicht, wir waren bloß unheimlich kaputt!) Und so machten wir uns nur auf zum Greenwich Park, Greenwich Market und dann wieder nach Hause, wo die eine Maria eine DVD einschob, die andere Maria einschlief und die andere wiederum schmunzelnd über den Film, die Nacht und die schlafende Maria auf der Couch lag.
Dann brach schon der Montag an und der war dann wieder vollgepackt mit obligatorischen Sehenswürdigkeiten. So erkundeten wir das Südufer, bestaunten Picasso und Miro in der Tate (Ja, diesmal war ich mit), liefen über die Millennium Bridge zur St. Paul’s Cathedral, erklommen dort die menschenunfreundlichen Treppen und genossen letztendlich ein Panoramablick bei traumhaftem Wetter. Es hat sich also gelohnt.


Daraufhin fuhren wir zur Harrods, um diesmal auch die Damenbekleidungsabteilung mitsamt Schuhen zu bestaunen. (Man kann nicht alles haben…) Und letztendlich spazierten wir gemütlich von der Hyde Park Corner zum Buckingham Palace (Selbstverständlich ignorierte Harry mein und William Marias Anklingeln…) und dann vorbei an den daffodils des St. James Parks








hin zum Trafalgar Square, wo wir davon überzeugt waren, dass sich Sir Nelson stets zu uns wendet… Wie dem auch sei, den Abend beendeten wir in einem Pub und mit einem anschließenden Spaziergang durch Covent Garden, wo wir dieser zuckersüßen Kette und der ultimativen Sonnenbrille bei „Accessorize“ nicht widerstehen konnten.
Dann ging’s wieder nach Hause.
Der Dienstag war voll und ganz dem Shoppen gewidmet und eigentlich erübrigt es sich zu sagen, dass wir erfolgreich waren. Natürlich haben wir zu viel Geld ausgegeben. Natürlich brauchen wir das nicht alles. Aber natürlich sehen unsere neuen Anschaffungen einfach nur traumhaft gut aus. Und natürlich sind wir Mädchen. Ah, da muss ich aber von einer Episode, besser einem Laden genauer berichten: Zu Beginn führte ich Maria zu Abercrombie&Fitch (Ja, für alle Blogverfolger - dies steht ja noch aus…). Mittlerweile betrat ich den Laden zum dritten Mal und wie beim ersten Mal konnte man die Parfümwolke, die es einem auch nur möglich macht, 10 Minuten in diesem Laden zu verbringen, schon in 40 Metern Entfernung auf der Straße riechen. Empfangen wird man in diesem Klamottenladen traditionsgemäß von halbnackten Männern, die einem „Hey guys“ zurufen. Und allgemein ist das Verhältnis Verkäufer zu Kunde bei A&F 2 zu 1. Permanent sieht man diese hübschen jungen Menschen obercool an einem vorbeilaufen, an jedem Durchgang begrüßen und fragen, ob man Hilfe braucht. Es gibt sogar zwei davon die im Obergeschoss am Geländer stehen und sich zur Musik bewegen (tanzen konnte man es nicht nennen). Dies soll wohl zu Kaufanimation dienen. Vor ein paar Monaten sah ich sogar eine Saubermachfrau – und selbst die sah ultimativ gut aus. Und auch von der Inneneinrichtung ist dieser Laden besonders: Deckenhohe Holzregale, worin die Sachen fein säuberlich aufeinander gestapelt sind und jedes Fach einzeln beleuchtet wird. Nun, lange hält man es durch die erwähnte Parfümwolke und die Menschenmassen in diesem Laden eh nicht aus, aber es ist allein schon wegen den Typen am Eingang ein Erlebnis.
Am Mittwoch zeigte ich Maria dann Notting Hill einschließlich Portobello Road, was am ersten Regentag der letzten 6 Tage nur halb so schön war. Doch auch da ließen wir es uns gut gehen. Gegen 5 machten wir uns dann auf in Richtung Victoria Station, wo wir bei Starbucks noch etwas Zeit verdrückten, DENN um 7 war Einlass im Theater zum Musical „WICKED“. Ja, es war grandios und ich war begeistert. Unsere Plätze waren gut und ich bin froh, dass wir uns letztendlich noch dafür entschieden haben.
Nun, der Donnerstag war der Tag des Abschieds, doch auch hier gab es keine Tränen.
Wir hatten beide eine wunderbare Zeit und werden noch eine Weile davon zehren.

Nun ihr Lieben, ihr seht, mir geht es gut und ich nutze meine Zeit hier, so gut ich kann.
Genießt den Frühling.
Lächelt.

William Wordsworth: Daffodils

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
and twinkle on the Milky Way,
They stretched in never-ending line
along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
in such a jocund company:
I gazed - and gazed - but little thought
what wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

Ach, da fällt mir noch etwas ein: Ich sprach anfänglich von gelungenen Überraschungen und so sollte die kleine finanzielle Unterstützung meiner Eltern, die ich erst gestern entdeckte, auch seine Erwähnung finden.
Ich danke euch dafür aus ganzem Herzen und es tut gut zu wissen, dass ein Ärmelkanal und ein paar Meilen eine Tochter nicht von ihren Eltern trennen können.

Küsse



Eure Maria

Samstag, 20. Februar 2010

Von Gurkenfässern und besonderen Momenten

Hallo ihr Lieben.

„Glück ist keine Erdbeertorte.
Es ist eine ganz besondere Sorte
Von vielen, vielen dieser Welt,
die dir aber auch mir gefällt.

Am besten man steckt’s in ein Gurkenfass
und wenn man’s braucht, dann holt man sich was.
Jeder wird einmal auch Pech bekommen
Es hat schon manchen das Glück genommen. „

Jaja, so reimte ich vor etwa 9 Jahren. Da war ich 9. (Und es ist mir nur ein bisschen peinlich.)
Aber irgendwie ist da was Wahres dran:
Wäre es nicht schön, manche Momente einfach festzuhalten und bei Bedarf daran zu riechen, schmecken und alles noch einmal fühlen zu können?
Noch einmal glücklich zu sein.

Geht nicht. Schade.
Aber meine Rettung sind die Worte:
Ich kann Momente silhouettenhaft schriftlich festhalten und dann lesen, wie es war. Ich kann nicht noch einmal glücklich sein, aber ich kann lächeln, wenn ich es lese … and so can you!

Vielleicht könnt ihr’s nachvollziehen, vielleicht auch nicht.

Hier sind 5 Episoden des Glücks (in chronologischer Abfolge):

(1)
Ich sitze im Bus. The upper deck, of course.
Mein Soundtrack ist das neue Album von Vampire Weekend. „Contra“ Sehr, sehr gute Musik.
Es ist kalt draußen, aber die Sonne scheint. Vorboten des Frühlings. Ich mag das, wenn die Sonne durch das Busfenster ins Gesicht strahlt. Das wärmt.
Ich mach die Augen zu.
Ich lächle.
Durch und durch perfekt, denke ich.
Ich bin in London. Höre perfekte Musik. Und die Sonne scheint.
Ich bin glücklich.

(2)
Ich sitze zu Hause auf meinem Bett.
Neben mir liegt die orangefarbene HMV-Tüte. (HMV ist ein Musik-Multimedia-Laden.)
Darin befinden sich 3 neue Alben.
Dieses Prickeln in den Fingern.
Langsam zieh ich die Tüte zu mir heran.
Behutsam, wie einen Schatz nehme ich jede CD eine nach der anderen heraus.
Vorsichtig wird die Schutzfolie entfernt.
Sie glänzt, die CD-Hülle.
Ich lächle über beide Wangen und kann es kaum erwarten, die CD zum ersten Mal in mein CD-Laufwerk zu schieben.
Ich drehe die CD in meinen Händen.
So müssen sich Vinyl-Liebhaber gefühlt haben.
Mein Schatz.
Meine Musik.
Meine gute Musik.
Ich bin glücklich.


(3)
Ich sitze bei meiner Klientin im Wohnzimmer auf der Couch.
Zum ersten Mal setzt sie sich zu mir. Sie sitzt eng an mir. Dabei scheute sie sonst jeglichen Körperkontakt. Sie will mir etwas zeigen.
Ihr kleiner Bruder setzt sich neben mich. Auch das erste Mal. Er will nur neben mir sitzen.
Ich stehe auf und ziehe mich an.
Sie fragt, wann ich wiederkomme. Dies ist das erste Mal, dass sie fragt.
Sie sagt „Bye Maria!“.
Er sagt „Bye Maria!“.
Bei beiden geschieht dies das erste Mal ohne Aufforderung ihrer Mutter.
Sie lächeln.
Ich lächle.
Ich bin stolz.
Ich bin glücklich.
Alles nur weil ich ihnen zeigte, wie man perfekte Papierflieger faltet.

(4)
Ich öffne meine Haustür.
Da liegt ein kleines Paket.
„Für Marvin!“, denke ich.
Ich heb es auf.
Da steht mein Name.
Kein Absender.
Ich bin verwundert.
Ein Amazon-Paket?
Langsam gehe ich die Treppe hoch.
Ich öffne das Paket.
Es ist ein Buch. „I Never Promised You a Rose Garden”.
Anbei ein rosafarbener Zettel: “Gift from Stefanie Neumann” steht da unter dem Amazon-Logo.
Ich bin glücklich.
Danke Neumi!
Diese Überraschung ist dir gelungen.

(5)
Ich sitze wieder im Bus.
Ich bin noch heftig verkatert. (Dies ist an sich nicht wirklich etwas Schönes.)
Mir ist schlecht. (Dies auch nicht.)
Mein Kopf lehnt an der Scheibe.
Ich höre Bon Iver. Ruhig, schlicht und wunderschön. Einen heftigen Beat hätte ich nicht vertragen.
Ein Luftzug streift meinen Kopf.
Ich muss lächeln.
Schlicht und schön. Das ist es.
Ich bin glücklich.


Nun, Abercrombie&Fitch passt jetzt wirklich nicht.

Ich hoffe, euch geht es gut.
Je vais bien, ne t’en fais pas.

Eure Maria
(Sie lächelt immer noch.)

Donnerstag, 4. Februar 2010

Mein London-Lotterleben

Ein herzliches „Hallo“ an alle Schneemänner und Schneefrauen (und natürlich auch an die Sonnenanbeter und Sonnenanbeterinnen da unten im Süden),

Wieder einmal ist reichlich Zeit vergangen seit meinem letzten Bericht (… und gerade hat sich mein Avocadocreme-Brötchen nach unten verabschiedet, um WIE SICH DAS GEHÖRT auf der falschen Seite zu landen…) und wieder einmal gibt es so viel zu erzählen!

Wo fang ich an? Oder besser: Wo hab ich aufgehört?

Ah. Anfang Januar.
Die Einsamkeit ließ nach und schon am ersten Freitag gab sich wieder die erste Gelegenheit des Feierns, des Trinkens, des Zusammenseins, des Glücklichseins, des Tratschens (Nelli und ich werden hier nur noch als „Gossip Girls“ angesprochen, wie das nur kommt?...) und komischerweise fühlte ich mich wieder zu Hause. Das mag für den einen oder anderen im fernen Deutschland vielleicht merkwürdig klingen, aber da merkt man mal, wie sehr einem die Leute hier ans Herz wachsen ...

... denn schließlich sind mittlerweile schon 6 Monate vergangen!
6 MONATE!!!
Ihr wisst, was das heißt!
Halbzeit.
Bergfest.
Und verdammt, ich wünschte, ich würde anders fühlen, aber ich will nicht daran denken, dass sich mein Jahr hier dem Ende zuneigt!
Aber kommen wir zu etwas Erfreulichem (at least for you)!
Ein weiterer Monat ist zu Ende und ein weiterer Aha-Report ist fällig!

Nach sechs Monaten habe ich gelernt:
- dass 24h-shops nicht zwangsläufig durchgängig geöffnet haben
- dass „Erzfeind“ tatsächlich wörtlich übersetzt wird und damit „archenemy“ heißt
- dass es ein Wort für „Behördenkram“/„Bürokratie“ gibt: „red tape“
- dass das Jahr 1966 in Bezug auf den Fußball und die Fußball-Weltmeisterschaft für alle Engländer unvergessen bleiben wird – England siegte in der Endrunde über Deutschland und gewann somit die WM (Ihr bisher einziges Mal!)
- dass man die leckersten „ready meals“ beim Nobelsupermarkt Marks&Spencers kauft
- dass nur wenige Briten eine Spülmaschine haben
- dass Cadburry-Schokolade eklig, Galaxy-Schokolade besser, aber Milka-Schokolade immer noch am besten ist
- dass sich viele Briten darüber aufregen, keine andere Sprache außer ihrem Englisch zu sprechen und auf der anderen Seite wissen, dass sie insgeheim von allen erwarten, Englisch zu beherrschen
- dass Englische Parlamentsversammlungen spannender als Kino sein können
- man sich zur Begrüßung seltener die Hand gibt, als in Deutschland

Nun weiter im Geschehen und damit weiter zur nächsten Party!
Am 16. Januar feierte Mitchi (der Japaner) Geburtstag und so gut wie jeder (außer ein paar Ausnahmen) von denen, die ich hier in London kenne, war anwesend!
Eine Familienfeier.
Sozusagen.
Und wie war das toll.
Wahrscheinlich eine der coolsten Partys der letzten 6 Monate und ich kann noch nicht mal richtig sagen, warum!
Ich lass erst mal die Fotos sprechen.


Gruppenbild


Michael und ich


Marco und ich


Ferdi und ich

Muss ich noch was sagen?
Wir hatten Spaß! Wir waren glücklich! (Fast) Alle waren da!
Und Sonnenbrillen-Bilder sind sowieso immer ultimativ-genial! ("Ubercool" how the English would say!)
Wir lachten viel und ich schlief gut (Nein, nicht alles muss hier erläutert werden!)!

Wo machen wir weiter?
Meiner Arbeit.
Verdammt, ihr wisst ja immer noch nicht, was genau ich hier eigentlich mache.
Ok, auch wenn die Lust gerade fehlt – ich bin es euch schuldig! ^^
Aber nur ganz kurz.
Luftholen.
Und los.

Im Winter letzten Jahres bewarb ich mich bei VIA e.V. – einer Organisation, die junge Menschen für eine Art FSJ ins Ausland vermittelt.
Nach einem längerem Auswahl-, Berwerbungs- und Interviewprozess landete ich bei der englischen Partnerorganisation CSV, von der hier schon mehrmals die Rede war. Diese vermittelt junge Freiwillige aus aller Welt an diverse kleine oder größere Projekte, die über ganz Großbritannien verteilt sind.
Und so vermittelte man mich an ein Projekt namens „Carer’s Support Bexley“, dessen Projektunterlagen ich 2 Wochen vor Projektbeginn (1. August) zugeschickt bekam. (Etwas spät, ehrlich gesagt, aber der Rest verlief reibungslos!)
Und so kam ich hier an.
Mein Projekt soll – wie der Name Englischkundigen vielleicht schon suggeriert – den eigentlichen „Carern“, sprich Pflegern von geistig und körperlich Behinderten Menschen, was zumeist Familienmitglieder (Eltern, Ehepartner, Kinder) sind, Unterstützung bieten. Und somit habe ich mit einer großen Vielfalt (Ich musste „variety“ jetzt erst mal übersetzen…) von Krankheiten, Altersgruppen und sozialen Hintergründen zu tun. Meine Arbeit besteht im Wesentlichen darin, meine Klienten, die ich etwa aller 2 Wochen sehe, zu besuchen und dann dem eigentlichen „carer“ eine Auszeit zu ermöglichen. Da können Mütter Essen kochen, während ich mit den Kindern spiele. Da können Ehepartner und Kinder einkaufen gehen oder ihren Hobbies nachgehen, während ich auf die betreffende Person aufpasse.
Viel mehr kann ich aus Datenschutzgründen und auch, um die Würde meiner Klienten zu wahren, hier nicht veröffentlichen, aber mehr müsst ihr auch nicht wissen.
Ah. Doch noch ein was: Meine freien Tage (2 pro Woche) liegen so gut wie nie am Wochenende, sondern irgendwo auf die Woche verstreut.
Wer sich noch näher interessiert:
http://www.carerssupport.org/

Nun, und was ich nun eigentlich sagen wollte, ist, dass ich nach 6 Monaten um einiges besser mit meinen Klienten klarkomme, als zuvor.
Selbstverständlich hat man Menschen, mit denen man lieber arbeitet und mit anderen weniger gerne. Doch es ist schön zu wissen, wenn sich ein Mensch an einen gewöhnt hat, einem vertraut und sich freut, wenn man kommt!
Das gibt einem so viel wieder.
Das macht Maria glücklich.
Besonders bei den Klienten, die mich noch vor einigen Monaten oder sogar Wochen skeptisch und ängstlich betrachteten.
Das bestätigt.
Irgendwie.

Und nun noch ein Ereignis.
Und wieder muss ich – so leid es mir tut – vom Feiern reden.
Meine lieben Eltern haben mittlerweile das Gefühl, ich sei nur am Feiern, doch dem ist nicht so. Jedes Wochenende maximal.
(Kommt ihnen wahrscheinlich nur häufiger vor, da ich nur davon zu erzählen scheine. Meine Arbeit kennen sie ja. Hiermit Gruß an euch beide. Ich hab euch lieb!)
Nun, die nächste Attraktion war eine clubbing night out in London!
Genauer gesagt: In Camden – in einem Club namens „Koko“.
Und da muss ich etwas näher darauf eingehen: Dieser Club, der eigentlich ein altes Theater ist, hat eine spannende Bühnengeschichte und so standen schon Künstler wie Charlie Chaplin, The Sex Pistols, The Clash, Madonna und viele zeitgenössische Musiker auf der Bühne, auf der am 29. Januar eine mir unbekannte, gute Live Band spielte!


Und dann diese fantastische Architektur: Ränge und Balkone, Stuck, rote Wände,… Man fühlt sich wie um ein Jahrhundert zeitversetzt!
Und dann doch wieder nicht, denn dann war da die ultimativ geniale Indie-Musik.
Gute Musik also.
Wen wundert’s – schließlich wird es vom New Music Express (kurz NME), Großbritanniens Nummer 1 Indie-Magazin, gesponsert.
Ich fühlte mich also wohl, als ich bekannte Vampire Weekend-, The Postal Service- und Franz Ferdinand-Klänge vernahm.
Und dann mittlerweile Nummer 4 der Gründe, warum man im Koko gewesen sein muss: Die Menschen (oder sollte ich lieber sagen die Männer?). Fabelhafte Aussichten sag ich euch. So viele gut aussehende Menschen habe ich echt lange nicht mehr gesehen. Da wird unfreiwilliger Körperkontakt plötzlich freiwillig…
Ich sag euch. Dieser Abend oder diese Nacht war sagenhaft.
Wir kamen gegen 1 an, tanzten uns die Seele aus dem Leib (auch der Electro-Floor wurde ausprobiert und für gut empfunden) und verließen den Club gegen 4 (als er schloss).
Leider verschwand dann unser betrunkener Adrian und wir mussten voller Sorge alleine das Taxi zum Trafalgar Square nehmen und von dort aus den Bus zu mir nach Hause.
Wir kamen halb 6 zu Hause an.
Es fing wiedermal an zu schneien.
Wir froren und gönnten uns einen verspäteten Mitternachtssnack.
Um 6 lagen wir im Bett und 10.15 klingelte mein Wecker… die Arbeit rief.
Ach, und Adrian. Ja, Adrian kann sich an nichts mehr erinnern. Lebt aber noch. Er war gegen Mittag zu Hause angekommen und konnte leider nicht arbeiten gehen. Muss ich dazu noch irgendwas sagen?

Das ist mein Leben.
Mein London-Lotterleben.

Apropos Lotterleben.
Der Januar war finanziell betrachtet fatal.
Ich komm nicht drum rum Zahlen zu nennen:
Ich gab viel Geld aus.
Etwa 150 Pfund mehr als durchschnittlich in den Monaten zuvor.
Ich habe 350 Pfund ausgegeben.
Und jetzt kommt‘s:
Ich habe knapp 200 Pfund für Klamotten ausgegeben.
Ja, schimpft ruhig.
Mir war ganz schlecht, als ich alles zusammenrechnete.
Ich werde mich zügeln. Versprochen.
Aber dieses London-Leben lebe ich eben nur einmal.
Ach, naja… ehrlich gesagt, sehe ich das gar nicht so ernst. Zu meinen neuen Sachen gehört schließlich jetzt ein umwerfendes LBD (Little Black Dress). *räusper* Es folgen keine weiteren Erläuterungen.

Maria freut sich.

Nun, und jetzt?
Jetzt liege ich hier.
Ich bin mal wieder krank und habe die letzten 4 Tage bei Nelli verbracht, die mich vorbildlich und superlieb gepflegt hat!
Am Sonntag kommen neue Freiwillige und ich bin schon supergespannt.
Ein Deutscher, eine Afrikanerin und eine Brasilianerin.
Selbstverständlich werde ich euch informieren…

Und damit verabschiede ich mich.
Küsse und Umarmungen.
Maria summt ein Lied.
Sie lächelt. (Sorry, kann grad nicht lachen, mein Hals tut weh… *haha*)
Bis auf bald.

Ich vermiss euch trotzdem (nicht, dass ihr denkt…)

Eure Maria

P.S.: Hier noch meine momentanen Charts:

1. Owl City – Fireflies
2. The Postal Service – Such Great Heights
3. Bon Iver – re:Stacks
4. Devendra Banhart – Santa Maria Da Feira



5. Vampire Weekend – California English
6. Bonaparte – 3 Minutes Of The Life Of Bonaparte



P.S.: Ich werde euch das nächste Mal von meinem Abercrombie&Fitch - Besuch erzählen. Heute ist dazu einfach keine Zeit mehr!

Dienstag, 12. Januar 2010

Weihnachten, Silvester und Uneindeutigkeiten bei der Phrase "zu Hause"

Hallo ihr Lieben, (boar, was für 'ne langweilige Anrede)
(Änderung:) Hallo ihr Zuckerschnuten und Zuckerschnitten,

Es ist lange her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe, ich weiß, doch eine aufregende Zeit, die kaum Erholungs-oder-wegen-des-„anstrengenden“-Schreibens-doch-weniger-Erholungs-Pausen zuließ, liegt hinter mir.
Aber first things first. (Zu Deutsch: Eins nach dem anderen)

Eigentlich fand ich es nicht mehr erwähnenswert, doch einer einzigen, gewissen Person versprach ich in gewisser Weise, davon zu berichten, und so folgt jetzt eine kleine Beschreibung der Londoner Weihnachtsmärkte. (Diese Person darf sich geehrt fühlen ;))
Ja, auch in England gibt es Weihnachtsmärkte, die dann auch „Christmas Markets“ heißen und praktisch an unsere deutschen Varianten angelehnt sind: Es gibt Buden, es gibt Glühwein, ein paar Schnitzerei-Verkaufsstände und wenn man Glück hat auch gebrannte Mandeln.
Doch letztendlich war der Besuch von zwei Weihnachtsmärkten in London (1. Christmas Market in der O2-Arena 2. Christmas Market im Hyde Park) eher enttäuschend: Meine mir herbeigesehnten Kräppelchen gab es nicht, die Stände standen ungewöhnlich weit auseinander und was Achterbahnen und Gruselkabinette auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen hatten, hab ich auch nicht verstanden. (Hinzu kommen die verdammten VIER PFUND für einen Glühwein!!!)
Doch ich will nicht nur meckern, denn sobald man die Ansprüche etwas heruntergeschraubt hatte, konnte man auch auf diesen Weihnachtsmärkten Spaß haben. Besonders die Tatsachen, dass ein Großteil der Stände deutscher Herkunft war und der Elch im Hyde Park auch deutsche Weihnachtslieder sang, riefen in mir ein wohliges Gefühl hervor. Man fühlte sich FAST wie zu Hause und kam ansatzweise in Weihnachtsstimmung!


Mein absolutes Highlight war letztendlich eine Papiertüte, in der Chips (also Pommes) verkauft wurden: Unter all den Deutschen Dingen (hauptsächlich Berliner oder Bayrischer Herkunft) auf den Weihnachtsmärkten oder auch allgemein in London, war diese Papiertüte mit einer Ausgabe der „Leipziger Neueste Nachrichten“ aus dem Jahre 1930 bedruckt.
Und wie hab ich mich gefreut.
Wie ein kleines Kind.
Voller Stolz nahm ich die fettige Tüte von Mitchi (dem Japaner) entgegen und sie klebt jetzt bei mir an der Wand! L.E. ist einfach mal die tollste Stadt auf diesem Planeten. (Ok, einige werden mir hier widersprechen, aber ein bisschen Patriotismus darf doch noch sein.)


Nun, wenn wir jetzt unsere Ereignisleiter weiter hinauf kraxeln, erreichen wir auch schon den 23. Dezember.
Der Tag, an dem ich die Weihnachts-Silvester-Heimreise antreten sollte, brach an. Und so machte ich mich gegen 1 Uhr nachmittags auf dem Weg zum Zug - theoretisch viel zu zeitig, doch, da das Schneechaos dem Londoner Verkehr ganz schön zugesetzt hatte, wollte ich kein Risiko eingehen und nahm lieber ein paar Züge eher in Richtung Flughafen London Stansted. Leider kam ich wider aller Erwartungen sogar überpünktlich an und war schon gegen 2.45 pm am Flughafen.
Nachdem ich mich dann durch die Kontrollen gequält hatte, nahm ich irgendwo Platz, zwischen all diesen typischen Weihnachtspassagieren, die nichts anderes wollen, als nach Hause – und gehörte damit zu ihnen.
Mein Flieger sollte 6.45 pm gehen, doch wie es das Schicksal wollte, durfte ich mir noch anderthalb Stunden länger als geplant die Zeit auf dem Flughafen vertreiben. (Und wer sich jetzt fragt wie es mir ging: Ja, verdammt, ich hatte die Schnauze sowas von voll!) Gegen 8 saß ich im Flieger und gegen 11 deutscher Zeit kam ich dann an. Aber Nein, doch noch nicht in Leipzig, oder Altenburg. Nein, leider erst in Berlin Schönefeld, von wo mich mein Papi sehnlichst wartend abholte.
So viel zu meiner „Heimreise“.

Und meine Güte, war das ein komisches Gefühl zu Hause zu sein. (Schon begriffsmäßig wurde es schwierig, schließlich hatte ich die vergangenen Monate Woolwich mein „zu Hause“ genannt.)
Alles war irgendwie bekannt und doch so anders und ungewohnt. Da gab es wieder Schwarzbrot (Meine Mutsch schmierte mir nachts um 1 noch eine Schnitte, weil ich diesen Geschmack richtigen Brotes (Ja, ich gehöre noch zu der Genitiv benutzenden Minderheit!) nicht erwarten konnte.), ordentliches Klopapier und ordentliche Taschentücher, große Häuser und breite Treppen, Duschen ohne Heiß-Kalt-Aufteilung, Rechtsverkehr (Ich bestand übrigens am 30. Dezember meine Fahrprüfung.), die deutsche Sprache, Natur (Wiesen und Wald so weit das Auge reicht), Hühner-Frikassee, ein warmes Wohnzimmer, eine elektrische Zahnbürste, deutsche Weihnachtsdeko, relativ viele Fahrradfahrer (obwohl Winter ist), usw.
Und, ich sah sie alle wieder: Meine Mama, meinen Papa, mein Bruderherz (mit seinen Thomanern – und auch wenn es ein komisches Gefühl ist, dass mein Jahrgang jetzt raus ist (nach der 12. geht man üblicherweise) und alle jünger sind – ihr habt grandios gesungen – wie hab ich es vermisst!) und – meine Freunde, meine heftig vermissten Freunde.
Die Umarmungen bleiben noch lange in meiner Erinnerung.

Die ersten Weihnachtstage verbrachte ich mit meiner Familie, mit viel Essen und tollen Geschenken (Ich habe jetzt einen neuen MP3-Player… ein tolles Teil…) und die restlichen Tage, bzw. Abende waren meinen Freunden gewidmet. (Ach, und der Fahrschule… ;))
Auch Silvester verbrachte ich mit meinen Leuten und es war wirklich toll, Leipzig gegen 12 von einer Dachterrasse im Zentrum zu beobachten!
Vorsätze gibt es keine, die halt ich eh nicht ein, und doch gehe ich zumindest jedes Jahr mit einem neuen Optimismus-Euphorie-Initiative-Packet an, was ein ziemlich inspirierendes Prickeln in mir auslöst. (Meine Fresse, ein „inspirierendes Prickeln“, mich hat heut echt die Muse geküsst!)


(Steffen, 'ne Blondine und Jana)


(Marvin, Kenny und Konrad - die Poser)


(Neumi mit meinem also dann ihrem Weihnachtsgeschenk)

Und dann nach einem Abschiedsbrunch am Samstag machte ich mich heute, zum Sonntagmorgen (3. Januar 2010), wieder auf den Weg zurück – nach London. Diesmal ohne Verspätung, doch mit der fehlenden Euphorie kam ich an!

Und nun sitz ich hier und muss feststellen, dass unser Internet nicht funktioniert, was bedeutet, dass ich diesen Blog auch erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen kann. Außerdem kann ich weder meinen Eltern von meinem Befinden berichten, noch Lisa die Bilder schicken, noch meinem Bruder einen Mini-Auftrag geben, noch allen Londonern Bescheid geben, dass ich zurück bin. Doch ich find mich damit ab und hab schließlich jetzt Zeit gefunden, das hier zu schreiben und kann heute zeitig ins Bett gehen. (Immer optimistisch bleiben! Still smiling indeed!)

Doch eh ich’s vergesse und ich diesen Post abschließe, noch etwas ganz Wichtiges:
Ja, mein monatlicher Aha-Report ist überfällig:
Nach fünf Monaten hab ich gelernt, dass:
- die Briten besessen von Weihnachtskarten sind
- es in England kaum Fahrräder gibt (und ganz wenige Engländer Fahrrad fahren können)
- 3 cm Schnee den Londoner Verkehr beinahe gänzlich außer Gefecht setzen können
- es auch in London arschkalt werden kann
- viele englische Verkäufer deutsche (Euro-)Führerscheine nicht als Ausweisdokument anerkennen, um Alkohol zu kaufen (und den Personalausweis auch fast gar nicht)
- sich auch hier die Busfahrer, trotz dass es so viele Busse gibt, grüßen
- der Früchtetee, den man hier kaufen kann, von allein schon so süß ist, dass man ihn nicht zuckern muss
- die “Langsamfahrhügel“ auf den Straßen hier niedlicherweise „sleeping policemen“ genannt werden
- „Hüttenkäse“ auf Englisch wirklich „cottage cheese“ heißt
- 3 cm Schnee nicht nur den Verkehr lahm legen, sondern auch dafür sorgen, dass so gut wie jede Schule Großbritanniens vorübergehend geschlossen wird

Nun denn, ich habe festgestellt, dass dieses elende Wetter, nicht nur die Laune der Briten, sondern auch meine trübt. Drückt mir die Daumen, dass es in den nächsten 7 Monaten aufwärts geht.
Nein, ich korrigiere (meinen Ruf als Weltverbesserer-Gute-Laune-Macher lass ich mir nicht so leicht versauen), mir geht es fantastisch, meine Güte, ich bin grad wieder in dem ultimativen, jungen, stylischen London und ich trotze den Wolken.
Sonne komm raus!
Maria lacht!

Ich wünsch euch allen einen fabelhaften Tag.

Ich vermisse euch trotzdem.
Küsse und Umarmungen (die ab jetzt wieder nur auf elektronischem Wege übermittelt werden)

Eure Maria

ps: Ich habe das neue Vampire Weekend Album ... und es ist schön! Wer VW nicht kennt, hat was verpasst! Keine Briten, aber in GB wahnsinnig bekannt. Hier ein Hörbeispiel noch vom alten Album:



ps: Und hier noch was für meine U14-Leserinnen: (Kennt man den schon in DE?)(Das ist eigentlich nicht meine Musik und ich bezweifle, dass sich meine Leserschaft im U14-Bereich befindet... trotzdem!)

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