TEIL 3
BRIGHTON
(11/09/09)
Nun, jetzt hab ich wirklich schon 'ne Menge geschrieben, macht mal eine Pause, aber ich würde es euch nicht verzeihen, wenn ihr nicht weiterlest, denn hier kommt das absolute Highlight meines Südenglandtrips:
Eine etwa 2,5-stündige Zugfahrt brachte mich also nach Brighton. Und das Schöne an solchen Zugfahrten ist, dass diese wirklich größtenteils über’s Land führen. Da sieht man also Schafe, Felder, Schafe, Kühe, Schafe, Schwäne, Schafe, niedliche Landhäuser, ach, und erwähnte ich schon Schafe? ;o) Und so gucke ich gegen Ende der Zugfahrt interessiert (ja wirklich, ich finde das schön!) nach rechts… und nach etwa ‘ner halben Stunde guck ich mal nach links: Ha, da fahren wir die ganze Zeit an der Küste lang! Naja, ich bin halt auch so’n Schaf! Egal… es war eh bewölkt!

Und dann BRIGHTON. Hach, wie kann ich diese ersten Eindrücke am besten beschreiben?
Die Sonne kam raus (ja, es wurde richtig heiß). Wie ein Mai-Juni-Tag in der L.E.. Zuzüglich der Meerprise.
Und dann die Menschen: Alternative. Mit mehr Chic als sonstwo. Luftig bekleidet. Aber nicht billig. Hüte. (Es war sowas von klar, das The Kooks aus Brighton stammen!) Röhrenhosen. Tuniken. Sandalen. (Nein, das wird keine Modebeschreibung.)
Nach anderthalb Tagen in Brighton muss ich aber sagen, dass diese Stadt so wahnsinnig schöne Menschen zu bieten hat. Und damit meine ich nicht nur die Männer (die natürlich auch ^^) auch die Frauen… Es war echt eine Augenweide. Jungs und Mädels, diese Stadt ist voll von hübschen und jungen Menschen… Wer also nichts zu tun hat…fährt am besten mal nach Brighton!
Und dann lief ich die Straßen (die teilweise San-Francisco-ähnlich für-Küstenstädte-ungewöhnlich hügelig waren) entlang zu meiner zentral gelegenen Jugendherberge, um meine Sachen dort abzuliefern und weniger bepackt meinen Sightseeing-Trip zu beginnen.
Und los ging’s zum Brighton Pier, der zwar wirklich schön war, aber von Tourismus-Attraktionen nur so strotzte. Da gab es also ein ganzes Casino, eine Achterbahn, Karusselle, Zuckerwattestände, etc. (Wie man mir aber später erzählte, scheinen die Engländer auf solches Zeug wahnsinnig abzufahren… egal, mir gefiel’s nicht.) Aber die Sicht war gut und die Möwen stellten sich als außerordentlich posier-freudige Tiere heraus.




Nachdem ich einmal hin und zurück gelaufen war, strebte ich also in Richtung Sightseeing-Punkt Nummero 2: The Royal Pavilion – Lustschloss von King George IV, das im chinesischen Stil errichtet wurde, obwohl keiner der Architekten und Inneneinrichter jemals in China war. Aber gut, Schluss mit der Geschichtsherbeterei. Fakt ist, dass dieses Schloss einfach nur der Hammer ist, auch wenn ich etwas stinkig war, dass ich trotz meiner Freiwilligenaktivität den vollen Eintrittspreisbezahlen musste… Wer in Brighton ist, MUSS dahin! Da gibt es diesen einen Saal, der der absolute Wahnsinn ist und der jeden Besucher einfach nur umhaut (was schon der Zweck zu seiner Errichtung Anfang des 19. Jahrhunderts war…)!!
Und auch der Park, der dieses orientalisch angehauchte Schloss umgibt, ist sehenswert.

Und so schlängelte ich mich nach diesem Besuch, durch die Wege der Grünanlage, hin zum nächsten Punkt:
The Museum of Brighton and Art Gallery.
Wer deutsche Ordnungsverhältnisse gewohnt ist, dem rate ich hier von einem Besuch ab, denn so wirklich einleuchtend war die Anordnung der Kunstgegenstände und der Räume nicht, aber der Eintritt war frei und es beinhaltete so einige interessante und Maria-Lachen-erzeugende Ausstellungsstücke. Da war da zum Beispiel der Raum, der sich dem Thema Hair-Skin-Body widmete. Dort wurde man zunächst mit einer Videoinstallation (ja, England und Brighton sowieso sind ja reich...) empfangen, wo Menschen sich dazu äußerten, ob sie ihre Haare, ihre Haut, bzw. ihren Körper mögen und was sie ändern würden, wenn sie könnten. Darüber hinaus wurden noch einige abschreckende Informationen über den Trend der Schönheitschirurgie veröffentlicht… (Nein, das will keiner sehen.)
Dann ging es weiter in einen Raum, dem wieder eine gewisse Ordnung fehlte, der aber wieder interessante Ausstellungstücke aufwies: Outfits. Darunter waren: Kleider aus dem 17. Jahrhundert, ein Schlafgewand von King George IV, Samtkleider aus dem frühen 20. Jahrhundert, Indische Gewänder, ein Punk-Outfit aus den 70ern, Skaterklamotten und Gothenoutfits aus dem frühen 21. Jahrhundert. Ja, ich musste wirklich lachen. Outfits, die teilweise jeder kennt, die aber in 100 Jahren und vielleicht schon in 50 Jahren zur Attraktion werden, aber sie jetzt schon zu sehen, war einfach mal sehr… ungewöhnlich.
Nun, und weiter will ich euch nicht mit den mehr oder weniger interessanten Museumsdingen langweilen.
Denn nach diesem Besuch war ich hungrig, kaufte mir etwas zu essen (logisch) und setzte mich irgendwo in die erwähnte Grünanlage. Nun – irgendwo – ist nicht ganz aussagekräftig. Unter scheiß-freudigen Tauben, vielleicht etwas mehr!!! Ja, es soll ja Glück bringen, aber gleich 2mal angeschissen zu werden, ist echt kein schönes Gefühl!!!
Aber gut, nachdem ich mich umgesetzt und aufgegessen hatte, steuerte ich die „Lanes“ an. Das frühere Fischerdorf… oder so. Egal. Lauter teure, süße Geschäfte, Restaurants, Boutiquen (Ey, ich hab das Wort beim ersten Mal richtig geschrieben, ohne Microsoft-Word-Meckerei… ich bin stolz auf mich!)… einfach nur goldig! Meine Errungenschaften: 3 teure Grußkarten, für 3 Menschen, die sich bei gegebenen Anlass auf eine zum Totlachen komische Karte freuen dürfen! (Jaja Neumi, ich weiß, du hasst es, wenn man so von etwas schwärmt aus Angst, dass die Erwartungen dann nicht erfüllt werden, aber ich versprech dir, du lachst!)
Nach diesem Trip setzte ich mich an den Brighton Beach, der weniger ein Beach ist, da er aus Steinen besteht… (Ja, mann, ich war den vorherigen Tag etwa 10 Stunden durchgängig gelaufen – da konnte ich mir an diesem Tag einfach nicht so viel zumuten! Also gönnte ich mir eine zweite Pause!)
Die Sicht war gut und der Himbeer-Orange-Smoothie war der Hammer (mein neues Lieblingsgetränk!)

Nach dieser Rast hatte ich vor, bei meiner Jugendherberge einzuchecken.
Nun und da wären wir auch schon bei… (Nein ich verrate nichts, lest weiter!)
Ich kam an und ein freundlicher, englischer Rezeptionist (den jemand später als kiffende Schwulette bezeichnen sollte) führte mich zu meinem Zimmer.
Ja, mein Zimmer: Zehn Betten.
Und:
An die 5 Bierkisten auf den Betten verteilt. Und Sporttaschen. Könnte es sein, dass ich in einem geschlechtergemischten Zimmer gelandet war?
Ja, das konnte sein, denn nach etwa 10 Minuten der Ruhe stolperten 7 brünftige, 20 bis 30-jährige Männer ins Zimmer! Alle mit Einheitsoutfit und zu guter letzt: Ein mit einem grasgrünen Borattanga-Bekleideter! Ab dann war alles klar: Ah, ein „Junggesellenabschied“!!!! Und nach einem peinlich-berührten Kennenlernen und der Information, dass der Jüngste (der sich später als Nic herausstellte), der über mir schlafen sollte, kein Bettnässer sei, flüchtete ich nach unten und wollte ins Internet. Dies ging aber irgendwie nicht (und auch wenn der Rezeptionist mir seinen Laptop anbot) entschied ich mich zur weiteren Flucht in eine „Lanes“-Pizzaria!
Meine Güte war das schweineteuer, aber auf diesen Schock, musste ich mir eben was gönnen… So bestellte ich eine Fanta und, da mir eine Margherita dann doch zu peinlich war, bestellte ich für 7 Pfund eine Pizza – mit etwas mehr als nichts drauf! Aber sie war gut – das kann man nicht anders sagen!
Nun, dachte ich mir in diesen Minuten, es ist zwar schön allein zu reisen, aber manchmal hab ich dann doch das Gefühl, so fand ich da, dass ich mich dumm und dämlich laufe, was man mit Begleitung nicht macht (aus Rücksicht, da man denkt, man mutet dem jeweils anderen zu viel zu). Natürlich, so empfand ich, sehe ich viel, doch manchmal wäre es schön die Momente zu zweit zu genießen, also jemandem die Eindrücke sofort mitzuteilen – und dabei geht es nicht nur unbedingt um’s Reden.
Glück ist nunmal das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt! Dieser Spruch ist zwar ausgelutscht, aber wahr!
Ha, ist euch diese herausragende grammatikalische Struktur aufgefallen (Ausdruck von Gedanken aus der Vergangenheit!)?
Und wer denkt, dass ich diesen Text hier aus puren Gedanken schreibe (mittlerweile bei Word Seite 6), der irrt gewaltig. Ich habe mir während meines Trips ganz oft Notizen gemacht, damit ich euch auch ja nichts vorenthalte!
Und nun lest weiter und erfreut euch an der Beschreibung einer unglaublichen Nacht!