Donnerstag, 31. März 2011

Die langersehnte Rückkehr

Hallo ihr wunderbaren Menschen da draußen,

Während ich diese Zeilen schreibe, taucht die Nachmittagssonne mein Zimmer in ein strahlendes Orange und ein schönes Lied lässt meine Seele strahlen. Ich lächle.
Ein wirklich kostbarer Moment.

Nun, wo fang ich an?
Ihr ahnt es schon, wovon ich euch heute berichten möchte.
Selbstverständlich von meinem 10-Tage-Trip in die Stadt, die mein Herz schneller schlagen lässt.

DER ERSTE TAG UND DREI LANGE UMARMUNGEN

Mein Vater nahm sich ein bisschen seiner kostbaren Zeit und brachte mich bis zum Gleis am Leipziger Bahnhof.
Im Zug nach Berlin war ich dann zwischenzeitlich den Tränen nahe. War es Vorfreude oder die Trauer darüber, dass 10 Tage viel zu kurz sind? Ich weiß es nicht.
Ich flog von Berlin Schönfeld und machte am Flughafen noch die Bekanntschaft eines 60-jährigen Nordzyprer, der mir von Mandelbäumen erzählte und ich traf ein Pärchen aus Cambridge. Sie hatten den gleichen Flug wie ich und hielten mich im Flugzeug davon ab zu weinen. Ich glaube, dafür bin ich ihnen dankbar.
Dann der Bus zur Liverpool Street Station.

Und dann.
Endlich.
Ein Wiedersehen.
Und drei feste Umarmungen.
Nelli.
224 Tage hatten wir uns nicht gesehen.

Und ich war endlich wieder in London.
Ich musste mich nicht umschauen.
Ich kenne diese Stadt.
Vielleicht ein paar kurze Blicke.
Nein, es hatte sich wirklich nichts verändert.
Und während ich mich mit Nelli im hektischen Bus über den neuesten gossip unterhielt, blieb meine Seele stumm. Wenn ein Herz lächeln kann, dann tat es wohl in diesen Minuten genau das.

„Ist das ok, wenn wir heute Abend noch nach Woolwich fahren?“ fragte sie.
Sie steht noch in Kontakt mit den „neuen“ Freiwilligen, also auch denen, die jetzt da wohnen, wo ich einst wohnte.
„Nein.“ sagte ich entschlossen und schaffte es, das kleine bisschen Angst gut vor ihr zu verbergen.

Wir fuhren also, nachdem wir meinen Koffer in ihrer Wohnung abgestellt hatten, in mein geliebtes Assi-Viertel. :D
Und da traf ich dann Inka, Simon und Joel (Don Fino genannt).
Nein, nichts hatte sich verändert. Das war so merkwürdig. Selbst mein grüner Tee stand noch im Küchenschrank.
Ich glaube, diese Wohnung hatte während meines Jahres mit den ganzen Umbauaktionen (neue Fenster & eine neue Küche) mehr Veränderungen durchgemacht, als in den letzten 8 Monaten. Das Einzige was neu war, war die grüne Eingangstür und selbst diese hatte ich selbst mit meinen damaligen Mitbewohnern aussuchen dürfen.

Dann fuhren wir zu Nelli und mein erster Tag ging zuende.

DER ZWEITE TAG UND EIN LANG GEPLANTES TREFFEN

Am nächsten Tag fuhren Nelli und ich nach "Central" und schlenderten durch Covent Garden zum Leicester Square, um uns dann letztendlich am Nordufer bei Embankment unsere Smoothies schmecken zu lassen.
Das erinnerte mich an unsere Nelli-Maria-Tage, die so oder so ähnlich abliefen und die selten - aber deswegen so besonders gewesen waren.
Das Einzige was mich störte, war das Wetter: Seit meiner Ankunft war London bedeckt und das sollte auch noch weitere 3 Tage so bleiben.

Aber nun weiter auf der Ereignisleiter.

Am Abend trennte ich mich von Nelli, um Are im Süden Londons zu besuchen. Are kenn ich noch aus Schulzeiten und als wir erfuhren, dass sich unsere Zeiten in London genau für einen Tag überschneiden sollten, war klar, dass ich ihn dort besuchen würde.
Dort.
Ja, was war das?
Ein 50-Mann Haus im London Borough of Merton.
Jeweils 6 Menschen teilten sich Bad und Küche.
Und es gab Mehrbettzimmer.
Klingt doch wohnlich.
Oh ja.
Und lauter rotäugige, gefräßige, friedlebende Menschen aus aller Herren Länder.
Ein wirklich schöner Abend.
Gegen halb 3 verabschiedete ich Are, der seinen Flug nach Hause kriegen musste und nach weiteren anderthalb Stunden Zwangskonversation mit den Verbliebenen im Gemeinschaftszimmer hatte ich die Qual der Wahl zwischen 5 Ledersofas und 3 versifften Schlafsäcken.
Ich hab mich da nicht so.
Trotzdem machte ich mich nach 1,5 h Schlaf wieder auf zu Nellis Wohnung, um dort noch 3 h weiterzuschlafen.

DER DRITTE TAG UND ERINNERUNGEN AN LETZTES JAHR

Ich war zu nicht viel zu gebrauchen an diesem Donnerstag, also fuhren Nelli und ich, nachdem sie von der Uni gekommen war, nur nach Bexleyheath zum soft-shopping (das Gegenteil ist hardcore-shopping … das kommt noch).

Und dann war ja St. Patricks Day.
Und wo verbringt man als Freiwilliger diesen Abend?
Selbstverständlich im Pub.

Ja, wie lustig war es, dass es sich um den gleichen Pub handelte wie letztes Jahr.
Da traf ich dann auch die restlichen „neuen“ Freiwilligen des Projektes.
Ja, da kamen so viele Erinnerungen wieder hoch.
Momente.
Situationen.
Selbst die Getränke auf der Karte brachten mich zum lächeln.
Ich kann das gar nicht richtig ausdrücken, was da in mir vorging.

Das ist eine Mischung aus der Freude darüber, feststellen zu können, dass sich nichts verändert hat und man alles noch kennt und dem Schmerz – ein Piksen im Herz, das mich zumindest für diesen Abend verstummen ließ, weil ich wusste, dass ich nicht bleiben darf.

DER VIERTE TAG UND HARDCORE-SHOPPING

Dass London gut zum Shoppen ist, brauch ich euch nicht zu erläutern.
So streifte ich an diesem Freitag zunächst allein durch die Textilwälder Woolwichs und fuhr dann später etwas zivilisierter mit Nelli zur Oxford Street, um noch später mit einigen neuen Schätzen und Schmuckstücken zurück nach Woolwich zu kommen und den Abend mit hochgelegten Füßen und gossip girl Folgen ausklingen zu lassen.
Gute alte Zeiten.
Ach nein, etwas später stießen dann noch die Bexleyfreiwilligen zu uns und wir ließen uns die Cider bzw lager schmecken. Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben ...

Zurück zum Shopping.
Nein, ich bereute nichts.

Ein Top.
Eine Hose.
Ein Kleid.
Ein Overall.
Hotpants.
Noch ein Top.
Eine Strumpfhose.
Eine Bluse.
Noch eine Strumpfhose.
Unterwäsche.
Eine Jacke.
Noch ein Top.
Eine Tasche.
Noch ein Top.
Noch eine Strumpfhose.
Ballerinas.


(Diese Liste schließt die Errungenschaften mit ein, die auf den beschriebenen Tag folgten.)

DER FÜNFTE UND DER SECHSTE TAG UND EIN WIEDERSEHEN MIT ADRIAN

Am Samstag fuhren Nelli und ich nach Greenwich, um uns von oben bis unten mit Schokoladensoße vollzusauen. Fragt nicht! :D

Und dann einige Stunden später sah ich ihn wieder – das dritte gossip girl – Adrian aus Manchester.
Ihn hatte ich etwa 271 Tage nicht gesehen.
Hach.
Wir drei alle vereint.

Zunächst teilten wir uns eine Flasche Wein und erörterten die neuesten Neuigkeiten in einer Bar am Leicester Square und dann liefen wir zur Heaven-Bar, um Adrians Freunde Mark und Andy zu treffen.

Dies sollte eine unvergessliche GAY NIGHT OUT werden.

Ich lass Andy’s Bilder sprechen … hab ja keine Kamera.
(Ich hab ihn um Erlaubnis gefragt.)




Am nächsten Tag fuhr ich zunächst allein nach Blackheath, um einen Klienten zu besuchen.
Es war schön.
Etwas traurig.
Nach 2,5 h schaute ich auf die Uhr.
Ich musste los.

Kinotime mit den Gossip girls, Nelli und Adrian.
‘Ne Romcom sollte’s sein.
„Chalet Girl“ (in Deutschland „Powder Girl“)
Ein ziemlich sinnfreier Film.
Aber schon allein wegen Ed Westwick, Ken Duken und der Ich-schütt-mein-Popcorn-über-Adrian-aus-Aktion ein unvergessliches Erlebnis.

DER SIEBTE UND ACHTE TAG UND WIEDER WARN’S DIE DAFFODILS

Der Montag und Dienstag wurde weiter dem Shoppen, dem Klienten-Besuchen und dem Glücklichsein gewidmet.
Ja, nachdem über das Wochenende endlich die Sonne heraus gekommen war, konnte ich die Zeit in London richtig genießen.
So – sonnig und nicht allzu überfüllt – hatte ich diese Stadt in Erinnerung.

Und so begab es sich, dass ich mich am Montag nach einem kurzen Covent Garden und Oxford Street Intermezzo im Hyde Park wiederfand:

Ich zog die Schuhe aus und setze mich ins Gras.
Die Sonne kitzelte im Gesicht und ich strahlte mit.
Und nachdem ich meine neuen Schätze noch einmal aus den Tüten geholt und stolz betrachtet hatte, schaute ich mich um:

Da waren Jogger, Radfahrer, alte Ehepaare, junge Ehepaare mit Hunden, Pärchen, die auf der Wiese lagen, eine Frau, die Räder schlug, ihr Freund, der sie fotografierte, Kinder, die Hasche spielten, Babys, die versuchten Gras zu essen, Männer in Anzügen, die ihren Mittags-Sandwich verdrückten, Junggesellen, die an Baumstämmen lehnten und vor sich hin träumten, junge Mädchen, die ihren Primark-Schmuck aus den Tüten holten und dann über die erwähnten Junggesellen tuschelten, und dann Menschen, wie ich, die dank ihrer Sonnenbrille nicht die Augen wegen der Sonne verschließen mussten und Zeugen dieses wunderbaren Momentes werden durften.

Und dann die Geräusche der Stadt.
Und die daffodils.
Und die Kirschblüten.

Oh ich hab sie ja so gern.
Die Geräusche. Die daffodils. Die Kirschblüten.
Und die Stadt.
(Der Leser versteht.)

Am Dienstag machten Nelli, Inka und ich uns auf zu meiner geliebten Portobello Road. Nein, auch da hatte sich kaum etwas verändert.
Nur der Waffelladen war neu, aber nach einer leckeren Portion uns nicht mehr fremd. :D

DER NEUNTE UND VORLETZTE TAG

An diesem Tag fuhr ich gegen Mittag nach Sidcup, um bei den Mitarbeiterinnen meines (ehemaligen) Projektes vorbeizuschauen.
Small Talk.
Ein Mittagssnack.
Nichts Besonderes.

Dann fuhr ich nach Woolwich, um Zeit zu überbrücken und mir die Haare glätten zu lassen, für die am Abend anstehende Party: Nelli wollte in ihren Geburtstag reinfeiern.
Und dann fuhr ich am Abend noch einmal zu einer ehemaligen Klientin und ihrem Mann.
Er kochte für uns.
Ein wirklich wunderbarer Abend,

… der noch nicht zu Ende war, denn danach fuhr ich zurück nach Woolwich, zog mich um und die Party konnte beginnen.
Eine waschechte Freiwilligenparty mit Outfits und allem Drum und Dran.
Und für ein paar Stunden vergaß ich, was zu Hause auf mich wartete, ich war für ein paar Stunden noch einmal Freiwillige.
Ich genoss es.
Ich genoss auch die Minuten vor der Eingangstür. Die Nachtluft und der Sternenhimmel. Nein, ich konnte es nicht verleugnen, diese Wohnung, dieser Ort und diese Stadt werden immer ein Teil von mir sein.
Und dann drehte ich mich um, lachte und tanzte weiter.

Mit all ihren Momenten war diese Nacht also das i-Tüpfelchen auf meinem London-Aufenthalt.

DER LETZTE TAG UND EIN VERSCHWUNDENER HORIZONT

Am nächsten Morgen fuhren Nelli und ich zu ihr nach New Cross. Wir holten meinen Koffer und dann verabschiedeten wir uns.
Sie musste zur Uni und ich zum Flughafen.

Noch einmal schloss ich das Geburtstagskind in die Arme. Ich bin ihr so dankbar für so vieles. Aber das weiß sie. :D

Und dann bahnte ich mich durch die Stadt.
Ich war glücklich, dass es nicht regnete.
Und ich war glücklich, dass ich nicht traurig war.
Das klingt komisch, aber nachdem ich alles gesehen und wieder so vieles erlebt hatte, war es Zeit zu gehen. Natürlich wär ich gerne länger geblieben, aber ich hatte ein Leben in Deutschland, das auf mich wartete. Ich hatte meine Lieben in Leipzig, die ich noch sehen wollte, und selbstverständlich meine Lieben in Halle, auf die ich mich so freute. Und ein Studium, das auf mich wartete, das mir Spaß macht und mich erfüllt.

Und so setzte ich mich in den Flieger und obwohl ich so schrecklich müde war, konnte ich meine Augen nicht wirklich schließen, denn dies war wohl der bisher atemberaubendste Flug, den ich je hatte:

Der Himmel war klar, und wie wir so an Höhe gewannen, konnte man die Sonne stets in den Flussläufen verfolgen bis sie Teil des Meeres wurden.
Und auf der See dann: Die Schiffe und Tanker, die so winzig schienen. Von oben ist alles so klein.



Und dann mein Highlight: Der fehlende Horizont. Es war alles eins. Das Meer ging in den Himmel über. Nahtlos. Es war wunderschön.

In Deutschland kamen dann die Müdigkeit und die Kälte.
Die Tatsache, dass ich 2 Stunden am Berliner Südkreuz warten musste, wird wohl nicht gerade zu meiner Genesung beigetragen haben, denn – ja, nach London war ich mal wieder krank.
Es musste ja so kommen. So oft, wie ich dort krank war. (Die Blogleser wissen Bescheid.)

Und nun bin ich hier - noch in Leipzig, aber wenn ich den Blog veröffentliche, schon wieder in Halle.
Glücklich, aber nicht ganz ausgeglichen. Ich weiß nicht, ich bin kein Fan von Zwischensituationen und warte nun darauf, dass nächste Woche die Uni wieder losgeht.

Ich entschuldige mich für das Durcheinander dieses Artikels, für das emotionale Auf und Ab.
Aber es ist alles wahr.
Und stellt euch einmal vor, wie es da in meinem Kopf ausgesehen haben muss bzw. noch aussieht…

Ich danke euch.
Für alles.

Ihr wunderbaren Menschen.

Fühlt euch gedrückt.

Eure Maria

Dienstag, 1. März 2011

Von Frühling und Freiheit und Freunden des Frohsinns

Hallo ihr Kobolde, Geister und Märchenfeen,

Riecht ihr den Frühling?
Wie wunderbar ist das?
Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang.
(Ja, im Grunde weiß ich nämlich, wie man das schreibt. Insider.)

Und die Tatsache, dass wir letzte Woche unsere letzte Prüfung hatten, gibt uns nun das – wenn auch zeitlich begrenzte – Privileg vollkommener Freiheit.

Natürlich, ich weiß selber, dass der Begriff dehnbar ist, und doch bin ich der Meinung, dass sich das Gefühl, das durch fehlende Verpflichtungen in der Gegenwart und nahen Zukunft, durch die Möglichkeit der vollkommenen eigenständigen Tagesplanung und durch die fehlende Notwendigkeit eines Weckers zustande kommt, nur mit „Freiheit“ beschreiben lässt.

Und das ist so wunderbar.



Freiheit und Frühling. Frohsinn und Freude.
Ein flatterndes Fliegen der Farben im Frieden des fröhlichen Frühlings.
Mein Güte …

Anyway, genug der Plauderei kommen wir zu den Fakten:

Die letzten Wochen waren heftig.

Maximale Exzesse.
Maximaler Lernaufwand. Ha, war Spaß. Wer bitte schafft es, maximalen Lernaufwand zu betreiben?
Und maximale Erfolge.
Was will man mehr?

Jedoch, wie schon gesagt, heftig.
Ja, die Wochen zerrten an Kräften und Nerven und trotzdem gehörten sie wahrscheinlich zu den bisher schönsten meiner zugegebenermaßen kurzen bisherigen Studienzeit.
Ich könnte jetzt erzählen von Pubs, die zur Stammkneipe wurden, von lustigen Diskussionen, weniger erfolgreichen und dennoch heiteren Lerntagen, amüsanten Prüfungssituationen, noch amüsanteren Nach-der-Prüfungs-vor-dem-Prüfungszimmer-Situationen, Feiern, Parties, Homeparties, unbequemen Schlafpositionen, Raucherlungen, Exzessen, Geldverlusten und schlimmen Katern, aber ich kann es auch bleiben lassen, denn was im Grunde wichtig ist zu sagen, ist, dass ich mich sehr, sehr wohl fühle in Halle.
Einerseits sind da Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, ohne die das Studentenleben wohl nur halb so schön wäre.
Andererseits bin ich nun, auch nach den Prüfungserfolgen, endlich davon überzeugt, dass Psychologie das Richtige für mich ist. Selbstverständlich weiß ich noch nicht, in welche Richtung ich gehen möchte, aber wer weiß das schon.

Es ist also ein gutes Gefühl, wenn man sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu befinden weiß.

Und nun weiter auf der Ereignisleiter.
Schauen wir kurz in die Zukunft.

Maria fliegt nach London.

YEHAAAH!
It’s gonna be awesome.

Der Flug ist gebucht und vom 15. bis 24. März zische ich ab auf die Insel, die … ach, ich glaube, ich würde mich hier wiederholen, so oft wie ich mittlerweile von ihr geschwärmt hab, reden wir also nur von .. der Insel!
Ich werde Nelli besuchen und ein paar Klienten und den staff, of course. Und London, und gewisse Orte und Plätze. Und Adrian wird da sein. Und ich werde shoppen gehen und M(itternachts)&S(nacks) zu mir nehmen und ich werde Tee trinken und Englisch reden und ich werde weinen vor Glück und lachen vor Glück und alles zusammen.
Ich kann’s kaum erwarten.

Aber was seh ich da noch in der Pseudo-Zukunfts-Kristall-Kugel?
Iiiiiiiiieh!
Ja.
Es ist wahr.
In 2 Tagen werden 4 Weise die oralen Gefilde verlassen und sich auf den Weg zur Vitrine oder Restmüllentsorgung machen, sie sind sich noch unschlüssig.
Was sein muss, muss sein.
Wird schon.
Ich wollte schon immer mal 4 dicke Backen haben.
(2 hab ich schließlich schon.)

Und nun sitz ich hier und bin nicht erkältet.
(Wer meinen Blog verfolgt, wird sich darüber freuen.)
Und ich muss schmunzeln.

Dieses Zukunftsgerede veranlasst mich nämlich dazu:

10 Dinge, die in der Zukunft zu tun sind:

- Backgammon lernen – weil ich’s in England nicht geschafft hab
- Niederländisch lernen – weil ich auch das in England nicht geschafft hab
- in einem Hubschrauber fliegen – weil’s aufregender ist als ein Heißluftballonflug. (Und wer hier an Bungee-jumping denken muss: Ihr seid wohl nicht gescheit? Ich mach ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden!)
- nach Prag reisen – weil ich das schon immer mal wollte
- Paintball spielen – so viel zu Scheiß, den ich mitmache
- 2 Kinder kriegen und den Jungen und das Mädchen, Nele und Jochen nennen, war Spaß, ich dachte eher so an Natascha und Günther
- alle Kontinente bereisen – und zwar von MEINEM Geld, nicht von Papis oder Mamis Geld und nicht mal vom Geld meines Ehemannes
- ein Haus bauen – und ich möchte ein Zimmer mit Rotlicht – einfach weil’s pornös gut aussieht
- ein Strandhaus an der englischen Küste kaufen – wenn ich in Rente bin und Geld hab … einfach wegen England, dem Meer und der großen Langeweile, die dann auf mich zukommt
- meine Asche soll auf dem Meer verstreut werden – wisster bescheid!


So und damit war’s das auch schon für den ersten März.

Ach nochwas:
Ich finde, dass „People who eat darkness“ ein fantastischer Buchtitel ist.
Allgemein, ist das nicht eine wunderbare Bezeichnung?

In diesem Sinne

Auf Wiedersehen.
Ein Lächeln.
Umarmungen für Auserwählte. Ach, scheiß drauf, heute drück ich jeden.

Von

Maria, die die Dunkelheit isst.

Dienstag, 18. Januar 2011

Von Musik, Winter und nochmal Musik

Hallo ihr Stadtaffen, Schneehasen und Gummibärchen,

Nun ist es schon 2011.
„Time flies“, würden die Engländer sagen.
Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Die letzten Monate des nunmehr vergangenen Jahres waren durchaus interessant und ereignisreich.
So gab es da zum Beispiel die spontane Fahrt nach Berlin zum MGMT Konzert:

Trotz folgendem Geld- und Schlafmangel war dies ein wahnsinniges Erlebnis.
Da ist noch dieses eine Bild im Kopf:
(Ja, ich konnte ja kein Bild schießen, denn meine Kamera tourt ja noch durch Cornwall … )

Blaues Licht.
Ein langsamer Song.
„I Found a Whistle“, um genau zu sein.
Winkende Hände.
Zufriedene Gesichter.
Und Sonnenbrillen, in denen sich das blaue Licht spiegelt.
Perfekt.
Ja, einer dieser Momente…

Am nächsten Morgen waren wir dementsprechend zerschlagen und, dass ich am Ende der am Abend stattfindenden Psycho-Weihnachtsfeier irgendwo (das muss nicht erläutert werden) einschlief, war dann nicht mehr verwunderlich.
(Trotzdem kann ich von mir behaupten, dann eine der Letzten im Club gewesen zu sein …)

Dann folgten Ende Dezember die wohlverdienten Ferien.
Und das war schon arg komisch. Auf der einen Seite hatte man sich diese so sehr herbeigewünscht, schließlich hatte man ganze 11 Wochen Uni hinter sich.
Auf der anderen Seite war man dann zu Hause und irgendwie fehlten einem die Kommilitonen. Gut, was will man erwarten, wenn man monatelang von den ebenso stressgeplagten Leidensgenossen (Ok, so sehr leiden mussten wir zugegebenermaßen nicht. Anyway:) umgeben war und sich nun mal länger als ein Wochenende nicht sah?
Nunja, letztendlich ging auch dieses Gefühl vorbei, schließlich umgab man sich dann mit Familie und Freunden, wie man das (besonders) zu Weihnachten eben macht.
Und das tat gut.
Selbstverständlich dachte ich nicht im Traum daran, mir meine schönen Ferien mit Uni zu versauen. – Ok, einmal dann doch. Aber als da mein Nachbar klopfte, ich ihm erzählte, dass ich im Februar Prüfung hätte und er mir sagte, dass dies ja noch lange hin sei, war dies für mich der Freifahrtsschein. Die Ordner blieben zu. – Und dann gab es ja noch die ultimativen Weihnachtsbeschäftigungen: Essen, sich mit den Geschenken beschäftigen, essen, schlafen, essen, ja, prinzipiell nichts-tun, ach, und erwähnte ich schon essen?
Nein, es endete nicht in einer Fressorgie, wohl aber im genussreichen Verzehr der seltenen Köstlichkeiten.

Dann war noch Silvester.
Und wer mir nach meiner London-Zeit immer noch nicht zutraut, ordentlich feiern zu können, ja, der hat wohl nicht ordentlich gelesen … :D

Und am Montag, dem 3ten Januar ging’s wieder ab nach Halle.
Da ging zwar die Uni noch nicht los (erst eine Woche später), aber mein schlechtes Gewissen plagte mich dann doch, und so verbrachte ich eine noch veranstaltungsfreie Woche mit dem Lernen.

Gut, das ist wieder so eine Sache für sich. Das kennt sicherlich jeder:
Wie sauber ist auf einmal die Wohnung, wenn man lernen muss?
Wie viel Briefe auf einmal geschrieben werden müssen?
Und dann ist es schließlich auch schon wieder dunkel, da kann man nicht lernen, da muss man Film gucken …
So hielt sich mein geistiger Fortschritt in Grenzen, aber ok. Wem geht das nicht so?

Und nun sind wir alle wieder voll im Tran und schaudern schon beim Gedanken an die bevorstehenden Prüfungen.
Aber das wird schon. Ich weiß nicht, aber mein Optimismus scheint noch zu funktionieren. Noch.

Aber auch jetzt: Ich sollte ja lernen, aber der Blogartikel muss auch mal geschrieben werden und dann sind ja noch die Songs, die ich euch seid Ewigkeiten zeigen wollte:

Wovon rede ich?

Letzte Woche Donnerstag hielt sich mein Interesse für die Biopsychologie-Vorlesung über „Hunger, Essen und Gesundheut“ arg in Grenzen und so beschloss ich eine Song-Liste zu erstellen, von Liedern mit wunderbaren, teilweise auch merkwürdigen Songtiteln: (... alphabetisch geordnet nach Interpreten-Name ...)

Ich wünsch euch viel Spaß beim Stöbern und Reinhören und verabschiede mich schon einmal.

Fühlt euch herzlichst umarmt.

Ein Lächeln.

Eure Maria

I just tought of their names


1. Cigarettes Wedding Bands (Band of Horses)

2. Skinny Love (Bon Iver) - Ein wunderbarer Song.



3. Lvdngrslvngklls (Bonaparte) - Die Vokale wurden ausgelassen. :D

4. The Lonliness of a Tower Cran (Elbow)

5. Kiss with a Fist (Florence + The Machine)

6. Superschnitzellovesong (Frittenbude)

7. Superfast Jellyfish (The Gorillaz)

8. Tatooine (Jeremy Messersmith) - Ein Planet der Star Wars Welt.

9. What Katie Did (The Libertines) - Ja, was tat sie denn?



10. Toothpaste Kisses (The Maccabees) - Der Grund, warum ich diese Liste erstellt habe. Ein fabelhafter Song!

11. C-C-C-Cinnamon Lips (OK-Go)

12. Vanilla Twilight (Owl City)

13. Dying is Fine (Ra Ra Riot)

14. Exit Music (For a Film) (Radiohead)

15. Kissing the Lipless (The Shins) - Diese Band ist wärmstens zu empfehlen.



16. We Won’t Need Legs to Stand (Sufjan Stevens)

17. One (Blake’s Got a New Face) (Vampire Weekend)

18. Songs That No One Will Hear (We Are Soldiers We Have Guns)

19. A Sky For Shoeing Horses Under (Why?) - Sooooo gut!



20. Ambling Alp (Yeasayer)

Nichts.
Nur das Rasseln des Atems und das Stapfen im Schnee.
Kein anderer Laut.
Es ist dunkel in Heide Nord und der Weg von der Bushaltestelle zum Wohnheim ist beschwerlich.
Und doch leuchtet die weiße Fläche im blassen Gelb des Laternenlichts.

Sonntag, 21. November 2010

Novembertage

Sanfte MP3-Player-Klänge stimmen ein auf eine bevorstehende Zeit, die sich Winter nennt.
Die Mittagssonne steht tief an diesem Novembertag und sie schließt die Augen.
Sie spürt die Wärme auf ihrer Haut.
Sie lächelt.

Ihre Bahn erreicht den Hauptbahnhof und das Crescendo eines Liedes motiviert sie zum Sprint. Sie ist spät dran.

Nach Hause fahren.
Nach Leipzig.
Dieses Jahr gerät sie nicht in Begriffsschwierigkeiten bei der Phrase „zu Hause“.
Sie ist angekommen in Halle. Es gefällt ihr, aber wie zu Hause wird sie sich dort wohl nie fühlen. Halle ist eine traumhafte Stadt mit wunderbaren Menschen, mit endlosen Vorzügen. Nachteile fallen ihr nicht ein. Sie hat wohl Glück gehabt bei der Wahl ihres Studienortes.
Und trotzdem:
Ihre Heimat ist Leipzig.
Und auf ewig verbunden ist sie mit London.
Dort fühlte sie sich heimisch im großen Kollektiv. Es tat so gut, in einer anonymen Masse nicht einsam zu sein.
Englische Offenheit.

Doch sie verfällt nur manchmal in dieses Singsang von Melancholie und einer neuen Sorte von Heimweh.
Dazu hat sie keine Zeit.
Dazu hat sie viel zu viel Freude am Leben. (Ihr kennt sie.)

Nur manchmal.
Manchmal an solchen sonnigen Novembertagen.

Sanfte Klänge und ein Lächeln.

(Mir geht es gut.)
(Eure Maria)

Dienstag, 24. August 2010

Die letzten Monate, ein Abschied, ein Willkommen und vom Gefühl des Erwachsenwerdens

Hallo ihr Lieben, Liebenden und Heißgeliebten,

Ich weiß, es ist eine Weile her … eine ganze Weile, um ehrlich zu sein.
Ich kann nicht behaupten, es wäre nichts passiert.
Ganz im Gegenteil. Die letzten Wochen und Monate waren ereignisreich, schön und tränenreich zugleich.
Ich denke, ihr könnt mich verstehen, wenn ich euch sage, dass ich einfach nicht zum Schreiben gekommen bin, denn erst jetzt, erst heute finde ich die Zeit und Muße.

Schau ich so zurück, bereue ich es ein bisschen … euch nicht taufrisch von diesen gewissen Momenten und Ereignissen erzählt zu haben, aber nur ein bisschen.

Ich kam nicht dazu, euch von Schottland zu erzählen. Wie ich allein, mit 3 Jungs (Adrian, Daniel und Marvin) nach Edinburgh fuhr. Wie wir im besten Hostel Großbritanniens untergebracht waren. Wie ich das beste Hähnchen meines Lebens aß. Wie wir von Bar zu Bar zu Club zu Club liefen und wahnsinnig viel Spaß hatten. Wie ich einen Franzosen namens Clement kennenlernte. Wie ich mit 2 Stunden Schlaf den Berg Arthur’s Seat erklomm. Und wie ich mir Calvin Klein Socken kaufte. Wie ich auf der 9-stündigen Rückfahrt von einem 18-jährigen Obdachlosen, der mehr als eine Droge genommen hatte, zugetextet wurde.
Nein, all dies konnte ich euch nicht (ausführlicher) erzählen.
Schade.
Vielleicht kann ich es mit ein paar Bildern wieder gut machen:





Ich kam auch nicht dazu, euch davon zu erzählen, wie ich meinen Geburtstag verbringen durfte: Wie ich bei meiner Klientin aufwachte. Wie mir einige zauberhafte SMS ein Lächeln auf die Lippen zauberten und mir wenigstens ansatzweise eine Geburtstagsstimmung verschafften. Wie ich mich gegen 11 Uhr auf nach Hause machte, um dort ein Paket und einen Brief vorzufinden. Ein Brief aus Neuseeland, über den ich mich wahnsinnig freute und ein Paket von zu Hause, das mit etlichen Geburtstagssüßigkeiten gefüllt war. Wie mich Max, der Neuseeländer gegen 1 Uhr mittags anrief, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Und wie ich ihm gleichzeitig auch gratulieren konnte, da er einen Tag nach mir Geburtstag hat. Ich konnte euch nicht sagen, wie sehr ich mich freute und wie gut es mir trotz der erschwerten Geburtstagsbedingungen ging. Wie das Wetter wirklich ein Geburtstagswetter war und wie es mir dadurch kaum schwer fiel, gegen 2 Uhr wieder aufzubrechen, um um 3 wieder bei meiner Klientin zu sein und den restlichen Tag und die Nacht (so wie die vergangenen 8 Nächte) dort zu verbringen.
Es war ein ungewöhnlicher Geburtstag und trotzdem etwas Besonderes. Natürlich könnte ich schreiben, er war scheiße und eigentlich kein Geburtstag, aber das entspräche nur der halben Wahrheit und meine mit-Positivismus-verseuchten Finger würden dies nie zulassen….

Ja, ich konnte euch von all dem nicht berichten, aber eigentlich mache ich es ja jetzt. Und damit verändere ich jetzt auch meinen Schreibstil, da sich jede Deutschlehrerin über diese WIE-derholungen aufregen würde.

Lasst mich nun also davon berichten, wie ich im Juni erwachsen wurde.

Die Zeit um meinen Geburtstag war arbeitsreich, doch auf der anderen Seite wahnsinnig interessant, da ich nach und nach endlich mich selbst in den Vordergrund stellte und bewusst eigene Entscheidungen traf.
Ich ging allein zum Broken Bells Konzert, was fantastisch war. Fuhr allein nach Oxford. (Ich berichtete.) Und fühlte bewusst, wie ich reifer geworden war und es nicht mehr allen recht machen wollte, sondern mir selbst gerecht werden wollte und auf eigenen Beinen stand.
(Es war etwas komplexer und hing natürlich mit mehr Ereignissen zusammen, aber nicht alle davon sind erwähnenswert.)
Ich weiß nicht, wie viele Menschen innerhalb eines Monats erwachsen werden, und ich weiß auch nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber es war ein verdammt gutes Gefühl.
Ja, verdammt gut!
Ich fühlte mich gut und frei. Und immer noch jung, aber erwachsen.
Ich bereute nichts. Rein gar nichts.
Und war dankbar für alles, was mir passiert war, was mir ermöglicht wurde, dankbar für jede Begegnung, und war sie mit noch so viel Schmerz verbunden.

Ich weiß nicht, warum ich euch, euch allen hier, von dieser Reflexion berichte, warum das sein muss und ich weiß auch nicht, ob ich in einem Jahr darüber schmunzeln muss. Doch, wie erwähnt, ich bereue nichts und werde jetzt einen weiteren Schritt auf der so oft erwähnten Ereignisleiter machen.

Der Juni war wohl für the whole wide world ein ereignisreicher Monat, denn die Fußball-WM begann und so verfiel auch England ins Fieber.


Leider konnte ich wegen meiner merkwürdigen Arbeitszeiten nicht alle Spiele verfolgen – so auch das langherbeigesehnte England-Deutschland-Spiel – doch mehr als einer hielt mich per SMS stets auf dem (Spiel)Stand. Ich konnte mir ein Grinsen letztendlich nicht verkneifen, doch allzu öffentlich wollte ich dann doch nicht zugeben, dass ich Deutsche bin, wer weiß, was dann passiert wäre…
Wir sind nicht Weltmeister geworden und trotzdem war ich am Ende sehr stolz auf unser Team. Hinzu kommt, dass die Spieltage stets einen Grund gaben, Leute zu treffen und so verbrachte ich mehr als einen Abend feiernd in London.
Hach, was war das für ein traumhafter Sommer.

Doch dann näherten wir, wir Freiwilligen, uns alle den wochen- und monatelang verdrängten Tagen des Abschieds. Nach und nach machte sich einer nach dem anderen vom Acker. Natürlich wurde stets noch einmal (for old times sake) gefeiert, richtig gefeiert. Doch der Anlass war immer traurig und der Abschied umso mehr.
So ging zuerst Phil, dann Lucia, dann Timo, Miriam und Andre, dann Daniel, dann Ferdinand, dann Jule, dann Chris, dann Mitchi, dann Thomas und dann Lina (mit der Reihenfolge bin ich mir nicht hundertprozentig sicher)…
Ja, es waren nicht wenige. Da kann man sich vorstellen, wenn die Laune für einige Zeit nicht gerade ganz oben war. Hinzu kamen dann noch die Verabschiedungen von Klienten. Ich mein, diese Good Byes waren ja abzusehen, doch es ist blöd, wenn sich das über mehrere Wochen hinzieht. Als ich Leipzig verlassen hatte, verabschiedete ich mich auf einmal von allen und schließlich war da die Aufregung vor dem Kommenden. Doch da, im Juni/Juli, hatte man das Gefühl, ständig nur am Tschüss sagen zu sein und die „Aufregung“ hielt sich, um ehrlich zu sein, in Grenzen!

Glücklicherweise waren die letzten 3-4 Wochen dann von Besuchen durchzogen, die für etwas Ablenkung sorgten.
So durfte ich Mitte Juli noch einmal meine Freundin Maria meinen Gast nennen und mit ihr: Nadja!!!! Nadja, die ich seit August 2009 nicht gesehen hatte, da sie sich damals auch nach Neuseeland verabschiedet hatte. Hach, und wie tat das gut. Natürlich wurde wieder geshoppt – und ich ignorierte gänzlich die Tatsachen, dass ich es mir eigentlich nicht leisten konnte UND ich nicht darüber nachdachte, wie ich das alles nach Hause bekommen sollte. Anyway, ich shoppte trotzdem, weil ich ein Määäääädchen bin. Wir hatten wahnsinnig viel Spaß und so kam es auch, dass wir uns eines Abends schick machten, um den tollsten Club Londons unsicher zu machen. Blöd war nur, dass dieser an diesem Tag geschlossen hatte. Wirklich blöd. Aber wir sind jung, wir sind spontan, wir tranken also noch etwas, fuhren nach Hause und ließen den Abend mit Wein, Gelächter und etwas Beauty-Getue ausklingen.
Und da war es auch, dass Nadja und ich feststellten, dass wir uns 1-Jahr-minus-eine-Woche nicht gesehen hatten und trotzdem alles so wie früher war. Ich könnt euch sicher vorstellen, dass mir diese Erkenntnis wahnsinnig gut getan hatte, da ich nun wusste, dass es zu Hause genauso sein würde, wie damals und da ich nun etwas hatte, worauf ich mich freuen konnte.






Während dieses Besuchs (Omg, der Genitiv, ein Hoch auf die Deutsche Sprache) ließ ich die Mädels auch einen Tag alleine und machte mich noch einmal auf nach Brighton. Die Stadt, die, seit ich sie das erste Mal im vergangenen September gesehen hatte, zu meinem zweiten britischen Favoriten geworden war. Ich besuchte Chris, der sich ab September mutig dort einem Musikstudium zuwenden wird, und verabschiedete mich. Das Wetter war fantastisch, das Meer war unruhig und der Kaffee war gut.



Die Heimfahrt war von gemischten Gefühlen erfüllt… eben ein Abschied von einem guten Freund, was soll ich sagen?

Und dann brachte ich auch die Mädels zur Liverpool Street Station. Aber wenigstens sie sollte ich ja schon bald wieder sehen.

Und dann ein weiteres Juli-Highlight, das Ablenkung brachte: Ich besuchte Adrian in Manchester. Unseren lieben Adrian, dessen Freiwilligenzeit schon Anfang Mai zu Ende war. So fuhr ich also per Coach (=Bus) nach Manchester und gleich nachdem wir uns in die Arme geschlossen hatten, wurde der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Tja, er ist eben auch ein richtiges gossip girl… Und da gab es viel zu erzählen!
Da es in Manchester nicht allzu viel zu sehen gibt, die Stadt jedoch eine weitbekannte Indieszene zu bieten hat, begaben wir uns bald dorthin, ins Indieviertel, um in Läden zu stöbern und wieder einmal Geld loszuwerden.
I couldn’t help it.
Und dann wurde es Abend, und was wäre ein Abend mit Adrian ohne sehr viel Spaß und ein zwei Drinks (zu viel)? Es war wie „früher“ und nachdem wir gegen 7 angefangen hatten, machten wir uns gegen 3 auf zu seiner Wohnung, um (zumindest für meinen Teil) tot ins Bett zu fallen, wirres Zeug zu träumen, am nächsten Morgen um 8 aufzuwachen und nicht zu wissen, wo ich war.
Hach, wie war es wieder schön! Und so fuhr ich mit einem komischen Gefühl im Bauch – wo auch immer das herkam – nach Hause. Nach London. (Die Fahrt dauerte unangenehme 5 Stunden…)


Und dann? Ja, dann in der vorletzten Woche bekam ich einen 2ten Besuch: Mein Bruder, mit dem ich diesmal nicht (mehr) London erkundete, sondern das schöne Cornwall. Ein Traum, sag ich euch. Die Klippen, das Meer, die Menschen, die Künstler.




Ja, und einen Sonnenbrand mehr und eine Digitalkamera weniger ging es dann auch schon wieder zurück nach London und er flog dorthin, wohin ich nach 6 Tagen folgen sollte.

Doch noch war es nicht so weit.

Erst war da noch Nelli’s, Yannik’s und meine leaving party an meinem letzten Montag. Es war eine schöne Party und doch konnte ich nicht allzu viel Zeit mit diesen Menschen verbringen, die gekommen waren, die ich alle zwar mochte, doch die nicht zu meinen engen Freunden zählten. Meine Freunde waren weg. Bis auf Jessi, Yannik und Nelli. Und so begab es sich, dass Nelli und ich uns verzogen, in einen Raum, der nicht unserer, auf ein Bett, das nicht unseres war.
Wir redeten lange.
Und ließen so unser ganzes Jahr mit all seinen Erlebnissen, mit all seinen Momenten, mit all seinen lustigen Zwischenfällen und schmutzigen Details noch einmal aufleben. Sozusagen Revue passieren.
An diesem Abend kroch die Angst in mir hoch, diese Ereignisse zu vergessen, die Menschen zu vergessen. Was ich nicht will, da es viel zu schön war. Aber dies ist wahrscheinlich der Lauf der Dinge. Nur das, was auf Fotos und hier auf diesem Blog festgehalten wurde, hat die Möglichkeit, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Dann der Dienstag. Ein Tag, an dem ich mich von insgesamt 6 Klienten verabschieden musste. Traurig aber wahr. Nunja, es ist nicht so, dass ich weinen musste, aber ich denke schon, dass ich zu einigen ein wirklich sehr enges Verhältnis hatte und dann nach einem Jahr, in dem man Teil des Lebens dieser gewissen Person war, einfach so Tschüss sagen zu müssen, ist nicht einfach.
Auch von dem office staff – sozusagen den Leuten, die meine Arbeit organisiert und für unser Training gesorgt hatten – musste ich mich verabschieden.
Ich bekam Blumen, ein Tuch, einen Teddybär, ein T-Shirt und etliche andere Kleinigkeiten. Ich versorgte sie mit Muffins, da ich nicht mit leeren Händen kommen wollte. Und verdammt, diese Muffins waren wieder einmal sooooo gut, die hatten sich nicht erst einmal bewährt gehabt.
Abends verabschiedete ich mich noch von den anderen Freiwilligen und Nelli und Jessi brachten mich zum Bus. Ich war den Tränen nahe.

Und dann am Mittwoch fuhr ich auf Arbeit, zu einer Klientin, um dort bis Samstag früh zu bleiben.
Tja, das war auf der einen Seite ausgesprochen blöd, da ich anders geplant hatte. Ich hoffte nämlich, dass ich da zwar arbeiten muss, aber den Nachmittag oder zumindest den Abend frei habe, um mich von anderen Klienten verabschieden zu können und noch einige Dinge erledigen zu können. Das war natürlich doof.
Auf der anderen Seite war ich durch die Arbeit so eingenommen, dass ich gar nicht großartig über die bevorstehende Abreise nachdenken konnte und ich mir so nicht unnötige Gedanken machte.
Schicksal.

Dafür war der Samstag dann EXTREEEEEEEEM stressig:
Pakete wurden zur Post gebracht, Koffer gepackt, Geschenke besorgt, noch eine Klientenfamilie musste besucht werden, dann wurde weiter Koffer gepackt, dann nahm ich meine Wandcollage ab,


dann wusch ich noch Wäsche, dann plante ich meine Abreise am nächsten Morgen, dann hatte ich eine halbe Stunde der Ruhe, des Luftholens, des Begreifens, dass ich am nächsten Tag, um diese Zeit schon zu Hause sein würde, und dann legte ich mich ins Bett. Schlafen konnte ich natürlich nicht und dann fiel mir nachts auch noch auf, dass meine Reise zum Flughafen, so wie ich sie geplant hatte, gar nicht durchführbar war. Alles musste also noch einmal umgeplant werden. Nachts um 11. Und ich musste eine Stunde eher aufstehen. Nachts um dreiviertel 1. Ja, weniger als 2 Stunden später!! Ich dankte beim Einschlafen einer höheren Macht, dass ich diesen späten Geistesblitz hatte. Sonst hätte ich höchstwahrscheinlich meinen Flieger verpasst, und meine Eltern und der Rest hätten umsonst auf mich gewartet.

Aber first things first.

So stand ich nachts also auf, trank meinen Kaffee schwarz, da die Milch alle war, und machte mich mit einem merkwürdigen Gefühl auf zur Bushaltestelle. Ich wartete eine Viertelstunde auf den Nachtbus, fuhr nach Elephant&Castle. Begegnete einigen Samstag-Nacht-Alkohol-Leichen und musste an einen Abend denken, als ich fast auch schon einmal zu ebenjenigen an ebenjenem Ort gehörte… Dann nahm ich einen weiteren Bus und fuhr zur Liverpool Street Station, von wo ich den Nacht-Zugersatz-Bus zum Stansted Airport nahm. An Schlafen war nicht zu denken und so öffnete ich meinen Laptop und verbrachte die fast einstündige Fahrt mit dem Film Coffee & Cigarettes (… wie passend …)!
Und dann das übliche Flughafengerammel. Es stank und war für diese Uhrzeit ungewöhnlich voll! Als der Flieger abhob, war es 6.25 englische Zeit.
Soviel dazu.
Im Flieger schlief ich etwas, obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte. (Einige peinliche Schnappschüsse zeugen von meiner Angewohnheit, im Sitzen mit offenem Mund zu schlafen...)

Während dieser ganzen Tour dachte ich nicht viel nach. Eigentlich gar nicht.
Heute denk ich mir, dass dies möglicherweise ein Schutzmechanismus war.
Jeder, der mich kennt, und vielleicht auch die, die nur oberflächlich diesen Blog verfolgen, wissen, dass ich Dinge und Ereignisse, sind sie auch noch so klein, simpel und primitiv, stets auf ziemlich emotionale Art und Weise auffasse, verarbeite und selten ignoriere.
Doch was wäre das geworden, hätte ich auf dieser Heimfahrt den extremen Gefühlsschwall verspüren müssen? Die volle Wucht der Tatsache, dass ich im Begriff war, einen Ort zu verlassen, der ein Jahr mein Zu Hause war und es wahrscheinlich so schnell nicht wieder sein wird? Die besonderen Menschen und Orte verlassen zu müssen, die mein Leben nachhaltig geprägt hatten?
Nein, mein Körper und mein Kopf hatten da wahrscheinlich genau richtig reagiert, nämlich gar nicht. Stets dachte ich nur: „Ich fahr Bus.“, „Jetzt nehm ich diesen Bus.“, „Hält der Zug am Stansted Airport?“ und „Welcher Flugsteig?“. Das war’s. Keine emotionalen Höhen und Tiefen.

Und dann – um 9 Uhr deutsche Zeit – landete mein Flieger in Altenburg.
Mein Paps schloss mich in die Arme und fuhr mich nach Hause.
Meine Ma schloss mich in die Arme und wollte mir den neuen Pool zeigen.
Sie zog mich am Arm nach draußen.
Und dort standen sie, alle versammelt. Meine Lieben. Meine lieben, lieben, treuen Lebenskonstanten. Meine Freunde. Mit Plakat und allem drum und dran.
Ich schloss sie in die Arme.
Und so frühstückten wir, so brunchten wir, usw. auf der Wiese, auf Decken im Garten, bis abends um 6.
Ein besseres Willkommen kann man sich nicht vorstellen.

Und jetzt bin ich hier.

Jetzt bin ich hier in Leipzig und nichts hat sich verändert.
Jetzt bin ich hier und hatte die Chance (fast) alle wieder zu sehen.
Jetzt bin ich an der Uni in Halle eingeschrieben.
Jetzt bin ich hier und lebe bis zu Beginn des Studiums zu Hause, was schon arg komisch ist… nach einem Jahr in einer eigenen Wohnung, mit eigenen Regeln und dem bisher größten Maß an Freiheit.
Jetzt bin ich hier und genieße die Anwesenheit meiner Freunde.
Jetzt bin ich hier und vermisse sie alle schon jetzt, sie, die Engländer und die anderen Freiwilligen. Es war ja zu erwarten.

Jetzt bin ich hier und genieße den Sommer. Sitze mit meinem Laptop am Pool auf der Sonnenliege und blinzle trotz Sonnenbrille


(ein ultrascharfes Mitbringsel aus einer nunmehr fernen Stadt), um überhaupt was auf meinem Laptopbildschirm zu erkennen. Nein, ich will diese Sonne und die Ruhe noch genießen. Mal wieder ein vollkommener Moment. Sie sind selten geworden, seitdem ich hier in Deutschland bin, die Momente des vollkommenen Glücks. Es war zu erwarten. Vieles ist bekannt und weniges ist aufregend. Doch es ist schön und trotz dieser Wehmut geht es mir gut, denn schon bald stürze ich mich in ein weiteres Abenteuer.

Dieses Jahr war das Beste, was mir je passieren konnte, und, wie gesagt, ich bin dankbar für jede einzelne Bekanntschaft. Ich hatte ganz schlimme emotionale Tiefs, die ich nicht noch einmal erleben möchte, aber ich hatte auch die wohl beste Zeit meines Lebens.
Und das ist die Art und Weise, wie man die Dinge stets betrachten sollte.
Ich bin reifer geworden, das weiß ich. Ich bin selbstbewusster geworden.
Und bestimmt 5 Kilo schwerer. That’s life.

Ich weiß nicht, was mit diesem Blog passiert, vielleicht schreib ich weiter, vielleicht auch nicht. Guckt immer mal rein, es könnte ja sein, das mein Leben weiter so spannend bleibt. Ansonsten mach ich es spannend - dann eben nur auf dem Papier. Dies ist wenigstens eine Sache, die ich relativ gut kann…

Ich danke euch allen für das Lesen dieses Blogs und hoffe, euch immer mal ein Lächeln auf die Lippen gebracht zu haben.

Freut euch mit mir.

Danke.

Fühlt euch umarmt, auch ihr, die ich fast nicht kenne.

Ein Lächeln.

Eure Maria

Ps: Zum Abschluss noch ein Lied.
Was wär ich in diesem Jahr nur ohne Musik gewesen?
Auch wenn es euch nicht gefällt, freut euch mit mir. Und genießt den Sommer!

One Night Only 'You And Me' from PTE on Vimeo.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Eine Geschichte

oder

Eine Liebeserklärung an die neue Heimat

Grübelt nicht.

Ihr Wecker klingelt um 5. Es ist schon hell, denn es ist Juni. Sie nimmt sich Zeit und weiß nicht, was sie anziehen soll. In diesen Morgenstunden ist das Wetter noch weniger vorhersehbar. Sie wird sich für das Richtige entscheiden, denn das Wetter wird auf ihrer Seite sein: wolkenlos, doch das weiß sie noch nicht. Sie fröstelt auf dem Weg zur Zugstation.

Der Zug nach London Cannon Street fährt pünktlich um 6.37 am. Als sie den Wagon betritt, durchfährt es sie: Peak-time, der Zug ist voller als voll. Menschen neben Menschen. Hauptsächlich arbeitende Bevölkerung. Wer sonst gibt sich an einem freien Tag einem solchen Stress hin? Heute ist es mindestens eine Person. Sie. Jedoch empfindet sie dies keinesfalls als stressig, da keine bevorstehenden Aufgaben auf ihren Schultern lasten, sondern nur eine mit dem Nötigsten gefüllte, rote Ledertasche. Und das nur auf einer Schulter, wenn man’s genau nimmt.

Nach einer kurzen Underground-Fahrt erreicht sie die Victoria Station und macht sich zu Fuß auf zur Couch Station, von wo ihr Bus nach Oxford fahren soll.
London hat einen ganz besonderen Charme in diesen Morgenstunden, denkt sie und sie kann nicht mal ausmachen, woran das liegt. Am Licht? An den wenigen Menschen? An den besonders wenigen Touristen? An der Schönheit der Stadt?

Als sie vor der Abfahrtszeiten-Tafel steht, erschreckt sie. Ihr Bus steht nicht auf der Liste. Doch sie bleibt gelassen und dankt einer höheren Macht, vielleicht auch sich selbst, dass sie zeitig genug da ist, um sich zu erkundigen. Sie erfährt, dass die Busse auf der anderen Straßenseite fahren und nicht auf diesen Tafeln aufgelistet werden. Sie bedankt sich freundlich bei der Service-Mitarbeiterin und wartet, da sie noch etwas Zeit hat, auf der Straßenseite, auf der sie sich befindet. Dort scheint die Morgensonne und die tut gut.

Um 8 Uhr 20 verlässt der Bus die Haltestelle und bahnt sich zunächst seinen Weg durch die Londoner Innenstadt, was eine gute dreiviertel Stunde dauert. Sie liebt diese Stadt, das wird ihr klar, als sie vorbeifahren an Orten, die sie kennt und schätzt und an Plätzen, an denen sie noch nicht war, die sie aber nur zu gerne sehen würde. Es tut fast schon ein bisschen weh, als sie das Londoner Stadtgebiet verlassen und am liebsten wäre sie umgekehrt. Doch wie hätte sie das dem Busfahrer beibringen sollen, wie wäre sie irgendwann nach Oxford gekommen und wofür hätte sie dann das Geld bezahlt, fragt sie sich und schläft ein.

Als sie aufwacht, sind sie schon beinahe da. Viertel 11 erreicht der Bus die Endhaltestelle und die Aufregung macht sich in ihr breit. In ihr, nicht der Endhaltestelle, der Leser versteht.
Sie beschließt, sich nicht die Blöße zu geben und den Zettel mit dem vorgezeichneten Weg zur Besucher Information herauszuholen. Stattdessen folgt sie der Masse und trifft so auf einen Markt, der dem geliebten Portobello Market ähnelt und doch offensichtlich eine größere Vielfalt zu bieten hat. Jeder scheint gut gelaunt, die kommende Mittagssonne erwärmt die Gemüter und taucht den Platz in ein wahnsinnig aufregendes Licht. Sie will am Nachmittag, nach ihrer Entdeckungstour hier noch einmal zurückkehren, das legt sie in diesen Minuten für sich fest.

Ein bisschen wie Canterbury, denkt sie auf dem Weg zur Besucher Information. Dort angekommen, kauft sie sich eine Karte Oxfords mit einer sogenannten walking tour für einen Pfund und macht sich kurz darauf auf den Weg. Vorbei an der Church St Mary Magdalen, am Martyr’s Memorial und der Church St Michael at the North Gate. Und schon jetzt fallen sie ihr auf: die unzähligen Studenten. Schon nach wenigen Stunden wird sie an nichts anderes mehr denken können, als den Wunsch einer dieser Studenten zu sein. Sie möchte so clever sein, wie sie. Vielleicht ist sie das ja, denkt sie, aber angenommen würde sie trotzdem nicht werden.

Als sie den Carfax Tower erreicht, erklimmt sie nach einem kurzen Flirt mit dem Ticket-Verkäufer die schmalen Stufen und wird mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Sie ist glücklich, dass sie einen Donnerstag gewählt hat, da die Stadt offenbar nicht vor Touristen strotzt und schweift gedanklich kurz in die Ferne: Sie sieht die Dächer der Colleges und wird wieder euphorisch gepackt von dem Wunsch, Student zu sein. Doch diesmal nicht unbedingt in Oxford, allgemein, denkt sie. Sie will lernen, endlich wieder lernen.

Sie setzt ihre Tour fort, vorbei an der Town Hall, dem Museum of Oxford und dem Pembroke College. Bald steht sie vor dem Eingang zu den Wiesen des Christ Church Colleges, des wohl größten Colleges Oxfords. Wie zauberhaft. Sie ist überwältigt von der Harmonie zwischen dem gotischen Gebäude der Christ Church Cathedral und den blühenden Gärten des Universitätsgeländes.
Leider wird sie enttäuscht am Eingang zum eigentlichen College. Eintritt erst ab 2.30 Uhr. Gut, denkt sie sich, dann muss die Tour wohl spontan etwas abgeändert werden.
Eine deutsche Schulklasse sorgt da für kurze Ablenkung. Sie schmunzelt. Auch hier scheint sie nicht sicher vor ihnen zu sein. Unauffällig lauscht sie den Gesprächen der halbwüchsigen Schüler und wünscht sich in ihre Schulzeit zurück, wo die Läster-Queen der Stufe ein ernstzunehmendes Problem darstellte. Und dann fragt sie sich, ob es falsch ist, den ein oder zwei Jahre jüngeren Typen hinterherzustarren. Unverschämt gut sehen sie aus. Sogar für deutsche Verhältnisse, denkt sie und lächelt dabei.

Ihre spontan geplante Route führt sie dann vorbei am Merton College, wohin sie in ein paar Stunden auch zurückkehren möchte, vorbei an den Examination Halls, am Botanischen Garten und dem Magdalen College.
Ihre Hände zittern, langsam wird sie schwach. Es wird Zeit für einen Mittagssnack. Auf der High Street wird man doch fündig werden, denkt sie und liegt damit goldrichtig. Das Cafe ist dunkel, aber niedlich. Ein Panini und einen English Breakfast Tea, bitte. Gerade beim Tee und bei der dem ersten Schluck folgenden Entspannung weiß sie, dass sie nicht nur mehr angekommen ist in England, sondern auch zu Hause.
Sie gibt 1 Pfund 20 Trinkgeld, weil die Bedienung freundlich, das Essen lecker, der Tee gut und die Aussicht auf die jungen, passierenden Studenten es wert waren.

Es ist immer noch etwas Zeit bis das Christ Church College und auch das Merton College den Weg für Besucher freigeben und so macht sie sich auf den Weg nach Norden. Vorbei am Queen’s College, am New College, unter der Bridge of Sighs entlang, vorbei an der imposanten Bodleian Library und dem Sheldonian Theatre. Bis sie den Radcliffe Square mit der berühmten Radcliffe Camera erreicht. Ihre Informationsbroschüre sagt ihr, dass „camera“ ein mittelalterliches Wort für „Raum“ war und somit erklärt sich ihr auch die hauptsächliche Nutzung des Gebäudes: Es beinhaltet einen großen Lesesaal.

Dann macht sie sich auf den Weg zum Merton College. Nachdem sie aus dem Schatten der Church of St Mary the Virgin tritt, spürt sie die Sonne deutlich auf ihrer Haut und weiß, dass sie dort am Abend etwas mehr als eine Nuance Unterschied zum Morgen ausmachen werden kann.

Als erste Besucherin des Tages betritt sie das Merton College. Dies ist nicht groß und viel bekommt man nicht zu sehen, doch die Anwesenheit einiger Studenten sorgt für eine angenehme Atmosphäre und wieder kommt der Wunsch auf…
Sie sucht den Eingang zur Kapelle und findet nichts, außer einer großen Tür. Sie guckt nach links, nach rechts. Sie versucht sie zu öffnen und die Tür gibt nach. Noch ein Blick nach links und rechts und schon findet sie sich im Inneren der Merton Kapelle wieder. Doch zu ihrer Überraschung ist sie allein, in einer Kapelle, die mehr einer ziemlich großen Kirche gleicht. Behutsam setzt sie einen Schritt vor den anderen. Jeder Mucks ist hörbar und auch ohne zu wissen, dass sie alleine ist, hätte sie es gespürt. Beeindruckend, in der Tat, doch lange will sie sich da nicht aufhalten und schnell macht sie sich wieder auf den Weg zur großen Tür. Wieder im Freien spaziert sie noch eine Weile entlang an den sogenannten Quads, den quadratförmigen, von Collegegebäuden umrahmten, akkurat gemähten Wiesenflächen und dann macht sie sich auf den Weg zur nächsten "ausgelassenen" Touristenattraktion: zum Christ Church College.

Sie ist erfreut über die gewährte Ermäßigung und folgt nun dem vorgegebenen Besucherweg. Viele der Harry Potter-Filme wurden in diesem College gedreht und so kommt ihr die Dining Hall des Colleges sofort bekannt vor. Sie schmunzelt und blinzelt kurz. Ist das Dumbledore da am Ende der Halle? Schweben tatsächlich ein paar Geister über den Tischen? Hat dieser in Samt gekleidete Mann auf dem Gemälde ihr gerade zugezwinkert?
Auch die Kathedrale des Colleges wirkt sehr imposant auf sie, doch nach einiger Zeit hat sie die ständige Anwesenheit von deutschen, französischen und spanischen Touristen um sich satt und sehnt sich nach einer Wiese.

Da sich der Ausgang des Colleges in Richtung High Street befindet, wird aus der Wiese nichts. Doch sie ist leicht zufrieden zu stellen, bzw. abzulenken und so führt sie ihr Weg vorbei an diversen anderen Colleges in einen Second-Hand-Buchladen. Der Kauf 2 neuer Bücher macht sich augenblicklich bemerkbar: Sie grinst und schwenkt ihre Tüte. Fast wie eine von ihnen, denkt sie und findet sich bald am Ausgangspunkt ihrer Tour wieder: am Informationszentrum. Sie hat noch 3 Stunden Zeit.

Sie richtet ihre Frisur beim Blick in ein Schaufenster und macht sich auf dem Weg zum Covered Market. Schön ist er, aber die Preise sind eindeutig zu hoch, das fällt ihr auf. Sie kauft sich 2 Tassen und ein Eis. Zum Trotz.
Besonders der Eisstand wird ihr noch ein paar Minuten länger in Erinnerung bleiben: Er befindet sich direkt gegenüber von einem Fischstand. Sie bewundert den freundlichen Eisverkäufer.

Sie fragt sich, was aus dem morgendlichen Markt geworden ist und muss nach einem kurzen Fußmarsch zu ihrem Bedauern feststellen, dass dieser gerade abgebaut wird. So setzt sie sich stattdessen in ein Internetcafe. Sie hat nicht den Plan ins Internet zu gehen. Stattdessen bestellt sie zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben ein Kaffee-haltiges Getränk: Einen Iced Caffè Mocha. Er schmeckt ihr nach dem dritten Schluck und sie ist von sich selbst überrascht.

19.30 Uhr fährt der Bus nach Hause. Sie ist pünktlich und ihr ist schlecht, als sie den Bus betritt. Kreislaufprobleme. Dies geht vorbei und die Ruhe im Bus tut gut.

Auf dem Weg sieht sie einen Vater auf dem Fahrrad mit seinem Sohn auf dem Lenker. Er fährt Slalom und sie lachen.
Sie lacht auch und ist dankbar, 4 Sekunden an deren Glück teilgehabt haben zu können.

Als der Bus wieder in die Londoner City einfährt, verspürt sie ein angenehmes Gefühl. Zu Hause, denkt sie. Ja. So ein Gefühl in ihrem Bauch, das sie nur von Deutschland kannte, aber nun auch auf der Insel verspürt: Die Anziehung. Fast magnetisch. Sie fühlt sich wieder sicher, aufgehoben, von Bekanntem umgeben, zu Hause in einer Millionenstadt. Als wäre jeder Bewohner ihr Nachbar.
Ohne Straßenschilder zu sehen, erkennt sie am Stil der Gebäude, dass sie sich gerade in Notting Hill, in Kensington oder Chelsea befinden. Sie fühlt sich rund um wohl und gestärkt als sie den Bus verlässt.

Ihre Heimfahrt wird 1,5 Stunden dauern, da es offensichtlich Probleme bei St Johns Wood gab, aber sie kennt sich aus und weiß schnell eine Alternativroute.
Spontan muss man sein, denkt sie sich.

Es ist nicht mehr hell, als sie zu ihrer Wohnung läuft.

Freitag, 9. April 2010

Von heimischem Brot, Osterglocken und Frühlingsgefühlen

Hallo ihr Lieben, Liebenden und Geliebten,

Die Sonne scheint, der Frühling ist da und Maria hat ‘ne Bombenlaune.

Ich weiß, meine Abwesenheit war beunruhigend und manch einer dachte vielleicht die Themse hat mich ganz und gar verschluckt, doch dem ist nicht so. (Ich weiß, dass das keiner dachte. – Das war rhetorisch.) Ich lebe und mir geht es ziemlich gut.
Um ehrlich zu sein: Ich habe mich in den letzten 2 Monaten eher dem Leben gewidmet und weniger dessen Dokumentation und Protokollierung, denn schon James Dean sagte:
Dream as if you’ll live forever. Live as if you’ll die today!
(Das sagt er übrigens auf einem traumhaften Poster, das jetzt die Woolwich-Blümchentapete ziert.)

Blicke ich nun auf die Tage und Wochen meiner Blog-Abwesenheit zurück, so fällt es mir nicht schwer die pikanten Einzelheiten, die herausragenden Momente und die gelungenen Überraschungen herauszupicken. Weitaus schwerer wird es mir fallen, den Text so kurz wie möglich zu halten, denn auch, wenn ihr mir an den Lippen hängt (und diese Vorstellung gefällt mir durchaus), weiß ich doch, dass ihr so oft keine Zeit habt, weil ihr vor Arbeit und Studium, etc. den Himmel vor lauter Wolken nicht seht. Nun, ich geb mir Mühe.

Fangen wir zunächst an mit einem Absatz zum Schmunzeln, denn diesmal ist ein Aha-Report für 2 Monate fällig.
Sprich, nach sieben bzw. acht Monaten habe ich gelernt:

- dass viele britische Supermärkte auch eigene Tankstellen (praktischerweise direkt neben dem Supermarkt) besitzen
- dass „to kill two birds with one stone“ das englische Äquivalent zu „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ ist
- dass ‘Tom Cribb‘ ein englischer Boxer des frühen 19. Jahrhunderts war
- dass „to grind one’s teeth“ „mit den Zähnen knirschen“ heißt
- dass es hier doch nicht ganz so unüblich ist, Trinkgeld zu geben
- dass wir als Freiwillige berechtigt sind, an der anstehenden britischen Parlamentswahl teilzunehmen
- dass viele Briten die Franzosen nicht nur aus historischen Gründen hassen, sondern auch, weil sie sie für eleganter, schöner, gewandter und rundum besser halten (Es gibt aber nur wenige, die dies zugeben.)
- dass „cream eggs“ leider nicht den deutschen „Löffeleiern“ entsprechen
- dass „pie“ (Nach Wikipedia: „eine englische Pastete, die süß oder herzhaft gefüllt sein kann“) aus dem Supermarkt abartig und im Restaurant richtig gut schmecken kann
- dass „Flachmann“ auf Englisch „flask“ heißt

- dass es Taschenlampen zum Schütteln und damit selbstständigen Wiederaufladen gibt
- dass ein Viertel der Londoner Bevölkerung in einem anderen Land geboren wurde
- dass es auch in Großbritannien Aprilscherze gibt, jedoch nur bis 12 Uhr mittags, danach wird man beim Scherzen selbst zum „April Fool“
- dass ein Kinobesuch in Central London locker £15 kosten kann
- dass London über 200 „Starbucks Coffee“ Filialen besitzt
- dass der Manager der Sex Pistols Malcolm McLaren hieß (Er starb am 8. April.)
- dass sich das Londoner tube-Netz über 408 km erstreckt
- dass das englische Wort für Kobold „leprechaun“ (‘lebrikorn‘ ausgesprochen – Betonung auf der ersten Silbe)
- dass der Heathrow Airport in London, was das Passagieraufkommen betrifft, in Europa an erster und der Welt an dritter Stelle steht
- dass es in Großbritannien keine Klöße gibt

Nun wo …

Oh Entschuldigung, ich war kurz abgelenkt. …
James Dean.
Der ist aber auch heiß, so wie er hier lässig von meiner Wand nach links blickt. …


Egal… Ja, wo fang ich an?
Ich könnte euch von einigen durchaus gelungenen Partys erzählen. Doch dies lass ich lieber. Meine Eltern sind beunruhigt und meine Freunde schütteln den Kopf. Dennoch gönnen sie es mir alle und das ist gut so.
Folglich bedarf es keiner weiteren Erläuterung. Wer interessiert ist, darf mich persönlich, meine Familie oder nun auch Maria S. fragen, die mich hier besucht hat, doch dazu später mehr.
Ich komm jedoch nicht umhin, ein paar schöne Bilder sprechen zu lassen:






Nun, den Beginn meiner halbdetailgetreuen (was für ein lustiges, nichtexistierendes Wort) Erlebniswiedergabe macht der Besuch meiner Eltern vom 26. bis 29. März.

Am Freitag, den 26. holte ich sie von der Londoner Liverpool Station ab und meine Mutter, die zum ersten Mal in den Genuss Londoner Luft kommen sollte, wurde gleich in das pulsierende Zentrum geschliffen. Sprich Covent Garden, Leicester Square, Trafalgar Square und die ganze Big Ben-Ecke wurden abgegrast. Und auch wenn der Nieselregen und die Touristenmassen etwas störten, ich denke, ihr gefiel, was sie sah, was sie hörte, was sie fühlte. Apropos hören: 17 Uhr besuchten wir einen Gottesdienst in der Westminster Abbey und genossen die Stimmgewalt der Tenöre und Counter, die die räumliche Gewalt federleicht ausglichen. (Auch beim zweiten Mal wirkte das Interieur dieser Kathedrale anfänglich nahezu bedrohlich.)
Der Abend fand nach einer Piccadilly Circus Besichtigung seinen Ausklang in einem lustigen, Amerikanisch angehauchten Restaurant.
Die Nacht durfte ich dann für stattliche £30 auf 2 Matratzen auf dem Boden im Hotelzimmer meiner Eltern verbringen. Doch ich schlief relativ gut und musste dadurch nachts nicht vom äußersten Nordwesten in den äußersten Südosten fahren.
Darauf folgte dann ein Tag, der der Panorama-Aussicht und dem Themseufer gewidmet war.




So bestiegen wir zunächst The Monument und begaben uns dann in Richtung Tower, Tower Bridge. Dann am südlichen Ufer Richtung Tate Modern, die meine Eltern nach 2 Stunden ohne mich auch von ihrer Sightseeing-Liste streichen konnte. (Unterdessen gab ich mich dem Kaufzwang hin (ein neues GELBES Portmonee) und übte ich mich den Tate Modern – Künstlern nacheifernd in der Kunst der Fotografie.)






Am Nachmittag dann führte ich sie in eins der schönsten Pubs Londons, wo wir auch ein frühes Abendbrot zu uns nahmen, uns über russische Kellner unterhielten und uns fragten, ob es gut sei, ein Kind gänzlich ohne Fernsehen aufwachsen zu lassen. (Nachdem eines ebenjener Kinder (vielleicht 7 Jahre) wie gebannt auf der Treppe saß und der sinnlosen Fußballauswertung folgte.)
Mein Vater verabschiedete sich dann ins Musical und meine Mutter und ich beschlossen den Abend mit einem Nordufer-Spaziergang ausklingen zu lassen. Das Ergebnis waren schöne Fotos und






schwere Beine.
Wie tot fielen wir auf das Hotelbett und wie glücklich war ich darüber, dass mich meine Eltern auch noch diese Nacht dort übernachten ließen.
Der Sonntag brach an und bald führte ich sie in mein Woolwich-Reich, was sie mit diesen Worten kommentierten: „Das müssen wir erstmal auf uns wirken lassen.“ Das taten sie und nach einer kurzen Rast brachen wir auf zum Greenwich Park, durchliefen Greenwich und kamen dann am Ende in Notting Hill raus. Die Begeisterung für die erwähnten Orte (ausgenommen meines Zu Hauses) war offensichtlich, was mich natürlich freute.
Anschließend begaben wir uns per Bus noch in die Kensington Richtung, wo wir schließlich noch Harrods „auf uns wirken lassen mussten“!
Letztendlich schlenderten wir noch durch den Greenpark, zum Buckingham Palace und durch den St. James Park hin zu einem Pub am Trafalgar Square, wo wir ihren Aufenthalt nahezu preisgünstig letztmalig zelebrieren konnten.
Nachts verabschiedete ich mich. Ohne Tränen. Fuhr nach Hause und sie flogen am nächsten Morgen.
Ihr Besuch tat mir gut. Es war schön sie wieder in die Arme schließen zu können. Doch nach Deutschland zurück will ich noch nicht. Das ist mir klargeworden. Diese Zeit ist noch nicht gekommen und so genieße ich jede letzte Sekunde der letzten Monate in der Stadt, die sich für immer mein zweites Zu Hause nennen wird.
Ich mag die Sprache, ich mag die Menschen, ich mag die Kultur, ich mag den Tee, ich mag die Stadt, ich mag die Straßen, ich mag die Häuser, ich mag die Eigenarten – das gewisse Etwas, das irgendwie alle Farben, Epochen und Nuancen enthält.
Macht das Sinn? Für mich, ja.

Nun zum gleich anschließenden Besuch: Maria besuchte Maria und kam am 2. April genau wie meine Eltern an der Liverpool Station an. Ich schloss sie in die Arme und auf ging’s nach Hause. Es gab viel zu erzählen. Und auch wenn wir erwachsener und reifer geworden sind, auch wenn wir uns vielleicht ein bisschen verändert haben. Fremd sind wir uns nicht geworden und diese Einsicht tat mir gut!
Und wie freute ich mich, als sie ihren Koffer öffnete mit lauter Kleinigkeiten, die meine und ihre Eltern für uns und mich zusammengepackt hatten, darunter: Socken, Löffeleier, weitere Ostersüßigkeiten UND deutsches Brot! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich die erste Scheibe (und auch die zweite, und dritte…) genoss.

Der Samstag brach an und auch meiner Namensschwester musste die Westminster-Ecke ausführlich gezeigt werden. Doch viel Zeit hatten wir nicht, denn bald mussten wir uns auf den Heimweg machen, denn Maria durfte in den Genuss einer der berüchtigten Freiwilligen-Home-Partys kommen. Genau genommen war dies Jessicas Geburtstagparty, die unter einem Motto stand, was hier nicht erwähnt werden kann und lustige, besser gesagt, heiße Kostüme mit einschloss.
Was soll ich sagen? Schließlich wollte ich nicht viel vom Partyleben berichten. Es war eine der Nächte, nach denen man lächelt, kurz den Kopf schüttelt, die Stirn runzelt, sich fragt „Warum?“ und man dann sagt „Immer wieder gerne“.
Zu viel waren die beiden Marias also nicht zu gebrauchen an diesem restlichen Sonntag. (Nein, einen schlimmen Kater hatten wir nicht, wir waren bloß unheimlich kaputt!) Und so machten wir uns nur auf zum Greenwich Park, Greenwich Market und dann wieder nach Hause, wo die eine Maria eine DVD einschob, die andere Maria einschlief und die andere wiederum schmunzelnd über den Film, die Nacht und die schlafende Maria auf der Couch lag.
Dann brach schon der Montag an und der war dann wieder vollgepackt mit obligatorischen Sehenswürdigkeiten. So erkundeten wir das Südufer, bestaunten Picasso und Miro in der Tate (Ja, diesmal war ich mit), liefen über die Millennium Bridge zur St. Paul’s Cathedral, erklommen dort die menschenunfreundlichen Treppen und genossen letztendlich ein Panoramablick bei traumhaftem Wetter. Es hat sich also gelohnt.


Daraufhin fuhren wir zur Harrods, um diesmal auch die Damenbekleidungsabteilung mitsamt Schuhen zu bestaunen. (Man kann nicht alles haben…) Und letztendlich spazierten wir gemütlich von der Hyde Park Corner zum Buckingham Palace (Selbstverständlich ignorierte Harry mein und William Marias Anklingeln…) und dann vorbei an den daffodils des St. James Parks








hin zum Trafalgar Square, wo wir davon überzeugt waren, dass sich Sir Nelson stets zu uns wendet… Wie dem auch sei, den Abend beendeten wir in einem Pub und mit einem anschließenden Spaziergang durch Covent Garden, wo wir dieser zuckersüßen Kette und der ultimativen Sonnenbrille bei „Accessorize“ nicht widerstehen konnten.
Dann ging’s wieder nach Hause.
Der Dienstag war voll und ganz dem Shoppen gewidmet und eigentlich erübrigt es sich zu sagen, dass wir erfolgreich waren. Natürlich haben wir zu viel Geld ausgegeben. Natürlich brauchen wir das nicht alles. Aber natürlich sehen unsere neuen Anschaffungen einfach nur traumhaft gut aus. Und natürlich sind wir Mädchen. Ah, da muss ich aber von einer Episode, besser einem Laden genauer berichten: Zu Beginn führte ich Maria zu Abercrombie&Fitch (Ja, für alle Blogverfolger - dies steht ja noch aus…). Mittlerweile betrat ich den Laden zum dritten Mal und wie beim ersten Mal konnte man die Parfümwolke, die es einem auch nur möglich macht, 10 Minuten in diesem Laden zu verbringen, schon in 40 Metern Entfernung auf der Straße riechen. Empfangen wird man in diesem Klamottenladen traditionsgemäß von halbnackten Männern, die einem „Hey guys“ zurufen. Und allgemein ist das Verhältnis Verkäufer zu Kunde bei A&F 2 zu 1. Permanent sieht man diese hübschen jungen Menschen obercool an einem vorbeilaufen, an jedem Durchgang begrüßen und fragen, ob man Hilfe braucht. Es gibt sogar zwei davon die im Obergeschoss am Geländer stehen und sich zur Musik bewegen (tanzen konnte man es nicht nennen). Dies soll wohl zu Kaufanimation dienen. Vor ein paar Monaten sah ich sogar eine Saubermachfrau – und selbst die sah ultimativ gut aus. Und auch von der Inneneinrichtung ist dieser Laden besonders: Deckenhohe Holzregale, worin die Sachen fein säuberlich aufeinander gestapelt sind und jedes Fach einzeln beleuchtet wird. Nun, lange hält man es durch die erwähnte Parfümwolke und die Menschenmassen in diesem Laden eh nicht aus, aber es ist allein schon wegen den Typen am Eingang ein Erlebnis.
Am Mittwoch zeigte ich Maria dann Notting Hill einschließlich Portobello Road, was am ersten Regentag der letzten 6 Tage nur halb so schön war. Doch auch da ließen wir es uns gut gehen. Gegen 5 machten wir uns dann auf in Richtung Victoria Station, wo wir bei Starbucks noch etwas Zeit verdrückten, DENN um 7 war Einlass im Theater zum Musical „WICKED“. Ja, es war grandios und ich war begeistert. Unsere Plätze waren gut und ich bin froh, dass wir uns letztendlich noch dafür entschieden haben.
Nun, der Donnerstag war der Tag des Abschieds, doch auch hier gab es keine Tränen.
Wir hatten beide eine wunderbare Zeit und werden noch eine Weile davon zehren.

Nun ihr Lieben, ihr seht, mir geht es gut und ich nutze meine Zeit hier, so gut ich kann.
Genießt den Frühling.
Lächelt.

William Wordsworth: Daffodils

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
and twinkle on the Milky Way,
They stretched in never-ending line
along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
in such a jocund company:
I gazed - and gazed - but little thought
what wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

Ach, da fällt mir noch etwas ein: Ich sprach anfänglich von gelungenen Überraschungen und so sollte die kleine finanzielle Unterstützung meiner Eltern, die ich erst gestern entdeckte, auch seine Erwähnung finden.
Ich danke euch dafür aus ganzem Herzen und es tut gut zu wissen, dass ein Ärmelkanal und ein paar Meilen eine Tochter nicht von ihren Eltern trennen können.

Küsse



Eure Maria

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