Eine spannende Woche liegt hinter mir und aus dieser Tatsache folgt die Notwendigkeit einer ausführlichen Maria-Beschreibung:
Nach 2 Wochen auf Droge (Antibiotikum), Regenwetter, folgenschweren Treppenstürzen und unangenehmen Schlafpositionen (…) war ich erfüllt von Vorfreude, denn am Dienstag den 17.10. erwartete ich meinen allerersten BESUCH von Zu Hause – meinen BRUDER!
Hach, wie freute ich mich als ich ihn da abends nach einer aufregenden Solo-Tour durch London, die auch ich schon einmal - zu meiner Ankunft - absolvieren musste, vom Zug abholen und in die Arme schließen konnte!
Und so waren Nudeln zur Feier des Tages ein unumgängliches Abendmahl! Den restlichen Abend verbrachten wir, wie in alten Zeiten *haha*, mit dem Laptop auf den Schoß und dem Hinundher-Spielen diverser Filme und Musikstücke.
Und so machten wir uns am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück auf in die große Stadt, denn solch ein Besuch bietet stets die Möglichkeit einer Sightseeing-Tour! (Nun, ich war jetzt zwar schon mehr als einmal in London, aber - ganz ehrlich – ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich die Zeit und Lust habe mir alleine eine der etlichen London-Attraktionen anzusehen.)
Unser erster Halt sollten die geschichtsträchtigen Gemäuer des Tower of London sein. Und auch wenn unser Aufenthalt länger dauerte als erwartet (2,5 h) so hatten wir doch einigen Spaß UND jaaa, wir haben die Kronjuwelen gesehen.
Nach Felix‘ ersten Fish’n’Chips machten wir uns dann auf zur St.Paul’s Cathedral, doch was haben wir auch wieder für ein Glück!
„We’re closing now!“ waren die Begrüßungsworte des Einlassers, als wir die Treppen des beeindruckenden Hauptportals emporstiegen.
Doch wir sind ja nicht zu so schnell unterzukriegen.
Unser nächster Stop war Westminster Abbey, denn dort sollte es – nach Aussagen schlauer Reiseführer – täglich 17 Uhr einen Gottesdienst geben, bei dem der Eintritt frei ist und man sich so die £9,50 für jede touristische Besichtigung sparen kann.
Nun, doch irgendwie meinte man es an diesem Tag nicht gut mit uns.
Schön.
„Taglich“ sagen die Reisefüher.
„Everyday but Wednesdays“ sagte uns der Mann am Eingang.
Schön.
Doch was fängt man mit den restlichen Abendstunden an?
Ich schlug Soho vor.
Und so bahnten wir uns zum Piccadilly Circus, und dann vorbei an ominösen Reklameschildern, Schwulenbars und anderweitig suspekten Geschäften, bis wir Covent Garden und damit einen außerordentlich beeindruckenden Straßenzauberer fanden. Ich kann echt nicht glauben, wir er diese Melonen mit hochgekrempelten Armen unter die Hüte gezaubert hat…
Und dann hatten wir Hunger. Doch irgendwie schien alles ein klein wenig teuer… (ja, ein gaaaanz kleines bisschen) und dann fanden wir einen kleinen Innenhof, zwischen hohen Häuserwänden, die in allen vorstellbaren Farben angestrichen waren. Rot. Pink. Blau. Grün. Gelb. Die Stühle ebenso. Und so war in einer zauberhaften Pizzaria für unser Abendbrot gesorgt.
Der nächste Tag begann zeitig, denn trotz der Tatsache, dass ich um 1.30 pm Wheelchair-Training hatte (vom Projekt vorgeschrieben), wollte ich mit Felix noch ins Modern Tate.
Und so machten wir uns auf in das große Backsteingebäude, in die Fabrikhallen der Kunst, zu Monet, Miró, Picasso und einem Künstler namens Nitsch, wessen Bilder (oder die Betrachtung ebenjener) ein vorheriges Frühstück unumgänglich machen.
Trotzdem, der Aufenthalt dort war außerordentlich interessant, teilweise inspirierend und des Öfteren belustigend. Ein paar Bespiele:
Ein Metallrohr an der Wand. DAS ist Kunst.
Ein Seil auf dem Boden. DAS ist Kunst.
Zwei Baumstämme. DAS ist Kunst.
Haha.
Und während Felix dann noch die Höhen der St. Paul’s Cathedral erklomm, lernte ich, wie man risikofrei Rollstuhlfahrer durch die Kante schubst – upps – fährt.
Der Freitag und seine beinhaltenden Attraktionen sollten meine Kreditkarte um einige Pfund leichter machen, doch es gibt einfach Dinge, die man gesehen haben muss.
Nr. 1 war Madame Taussaud’s. Völlig überteuert, wie ich finde, doch wie gesagt, es gibt Orte, wo man gewesen sein muss.
Selbstverständlich genoss ich die klebrig-glänzende Nähe meiner männlichen Idole… und auch Felix hatte seine Spaß (...)
Und dann. Omg. ein kleiner Gruselgang mit Live-Darstellern sollte den Beinahe-Abschluss bilden.
DIES ist eher lustig als furchterregend, wenn man am im hinteren Teil der Gruppe läuft.
Ha. Schön.
Blöd nur, wenn man den Anfang macht. Scheiße man, ich hab mich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich noch nie so gegruselt, ich wollte nur noch da raus und schob meinen Bruder wörtlich vor mir her, der dies mutig ertrug.
Nun, eine wirklich gute Erholung bot dann unser folgender Aufenthalt im Regent’s Park. Und wieder einmal war ich von der gardening-Kunst der Briten überzeugt.
Hach. Toll. Selbstverständlich mussten dann die Fast-10 Pfund im dort-gelegenen Cafe sein. Ein endlos-schokoladiger Schokoladenkuchen. Ein zauberhafter Blaubeermuffin. Und zwei heiße Schokoladen.
Als wir dann weiter durch den Park schlenderten, kamen wir zur Rockery Island … ein Ort, an dem man hinter jedem kleinen Busch Peter Pan vermutet und Tinkerbell über die bezaubernden Bächlein schweben sieht. Wer dort ist, MUSS dorthin - Ohne wenn und aber.
Weiter ging’s nach Notting Hill, denn ich fand, dass ich Felix diese Londoner Attraktion nicht vorenthalten kann und ich denke, ihm gefiel’s. ;o)
Daraufhin hatten wir noch eine Verabredung mit den Gruselgestalten des London Dungeon. Nun, der Brüller war’s nicht, aber lustig war’s allemal.
Und dann: Ja, dann. Dann ging’s kulturschockmäßig dorthin, wo man hingehen sollte, wenn es 17 Uhr, aber nicht Mittwoch ist. Ja genau, in die Westminster Abbey zum Gottesdienst.
Und mein Bruder und ich können nun von uns behaupten den als Ehrengast anwesenden Erzbischof von Canterbury live erlebt zu haben.
Was den Männerchor angeht, so erlaube ich mir als Thomasser-Schwester diesen Kommentar: In einigen Tenoren sind vielleicht ein paar Opernsänger verloren gegangen, aber dieser eine Sopran war der Traum und alles in allem war dies ein wirklich tolles Erlebnis.
Ach, und nicht zu vergessen ist da dieser junge (heiße) Business-Anzug-Londoner, der vor uns saß. ;o)
Der Samstagmorgen könnte mit „Abschied“ betitelt werden, denn 13.35 Uhr sollte der Flieger gehen.
Doch vorher hielt ich es noch für notwendig, einen Stop im zauberhaften Greenwich Park einzulegen und meinen Bruder die Aussicht genießen zu lassen.
Und dann fuhren wir wieder einmal in die große Stadt, doch diesmal mit der Gewissheit, dass ich die Heimfahrt diesmal allein antreten würde.
Nun, es war wirklich kein schönes Gefühl meinen kleinen, trotzdem größeren Bruder da an der U-Bahnstation von dannen gehen zu sehen. (…)
Und so schluckte ich den Kloß schnell hinunter und entschied mich zum Frustshoppen in Camden, denn wir Freiwilligen hatten uns für den Abend „London-clubbing“ vorgenommen. Ein passendes Outfit musste her.
Und – omg – ich habe wirklich noch nie so viel (eigenes) Geld auf einmal für Sachen ausgegeben. Sooo schnell waren die 50 Pfund weg, doch ich war stolz auf mich, denn man sollte wirklich nicht den auf dem Markt gegebenen Preis für ein Kleidungsstück akzeptieren. Und so wirken ein Ausschnitt, ein Schmollmund und die nötige Standhaftigkeit Wunder. ^^
Und nun.
Der Abend.
Ja. Der Samstagabend.
Ich fuhr zunächst nicht nach London, sondern eine Stunde in die komplett andere Richtung nach Bexleyheath, wo die anderen Freiwilligen wohnen.
Dort wurde angetrunken.
Und dann gegen halb 11 (Oder war es um 10?) machten wir (Nelli, Hannah, Daniel, Adrian-Gaydrian und ich) uns auf den Weg nach London zu einem Club namens Roxy, wo wir zu Mads und Belle stießen.
Hach. Welch ein lustiger Indie-Club. Doch so ganz wollte die Stimmung zunächst noch nicht steigen, denn die Musik war weniger Indie, mehr Elektro-Rock, was weiß ich. Doch dann trauten wir uns und wagten uns auf die Tanzfläche. Haha, und wie war das lustig.
Gegen 2 leerte sich der Club schon etwas und ich wurde ernsthaft von einem Mann, der mein Vater hätte sein könnte, gefragt, ob ich mit zu ihm nach Hause kommen möchte. „Nein“ sagte ich und stieß ihn weg. Meine Güte, was denkt der sich. Ja, ich war geschockt.
Nun, gegen halb 4 schloss der Club (Irgendwie schließen die hier alle verdammt zeitig!) und so machten wir uns gegen Viertel auf in die Nacht, auf nach Bexleyheath. (Ich hatte selbstverständlich keine Lust und nicht den Mut mitten in der Nacht alleine nach Woolwich zurückzukehren.)
Nach einer gefühlten halben Stunde – vorbei an lustigen Clubs, wo die Britinnen jedes Vorurteil erfüllten und betrunken in 12-cm-High-Heels, Gerade-Überm-Po-Röcken und Ausschnitten bis zum Bauchnabel durch die Gegend steuerten – kamen wir an der Bushaltestelle an. Und hätte man uns nicht früher sagen können, dass wir 40 Minuten warten müssen, deine scheiße man, es war VERDAMMT kalt!
Mein Outfit: Ein Gerade-Überm-Po-Oberteil (Ihr seht, ich passe mich langsam an!), 2 dünne Strumpfhosen, Ballerinas und ein Mantel. Alles, in allem – Ich war zu dünn angezogen. Ahhhh. Es war sowas von kalt.
Nun, dann kam der Bus und ich schlief ein, wachte auf, schlief ein. Es wurden Bilder gemacht. Es wurde ein Video gedreht. Na danke auch, ich schlafe mit offenem Mund! ;O)
Und dann waren wir in Bexleyheath, aber immer noch nicht zu Hause. Denn wir mussten dort auf einen weiteren Bus warten (es war mittlerweile viertel 6). Und wir alle hatten das Gefühl, dass es „auf dem Land“ irgendwie noch kälter war. Und wieder froren wir uns den Arsch ab.
Dann kam der Bus. Wir fuhren ein Stück.
Und dann mussten wir auch noch ein Stück laufen, wobei wir feststellten, dass sogar die Autos Raureif auf den Scheiben hatten und wir konnten unseren Atem sehen.
Schön.
Um 6 machte ich die Augen zu.
Um 1 wachte ich auf.
Hach, und wie schön ist es doch nach solch einer Nacht mit Gleichgesinnten zu frühstücken. Nelli und ich machten es uns also noch für 2 Stunden gemütlich und dann machte ich mich auf nach Woolwich, was am Tag weniger gruselig ist.
Doch einen hab ich hier in dieser ganzen 2,5-h-Heimweg-Geschichte ja ganz vergessen! Unseren Gaydrian.
Dieser war nämlich, als wir den Club verlassen wollten, nicht aufzufinden und beantwortete auch keine Anrufe. Und so stiefelten wir alleine los (ok, ich wäre froh, wenn ich Stiefel gehabt hätte… ).
Als wir dann im Bus saßen, muss er Mads auch angerufen haben, und gefragt haben, wo wir seien. Doch wir konnten ihm nur die Auskunft geben, dass er den Nachtbus nehmen muss.
Am Montag erfuhr ich dann den Rest der Geschichte: Adrian, der nach britischer Manier (er kommt aus Nottingham) ganz schön gebechert hatte, war irgendwann weg, und auf einmal am Heathrow-Airport. (…) gegen 12 Uhr mittags kam er ohne Schlüssel (hatte er verloren) in Bexleyheath an!!! *räusper* *Ohne Kommentar*
Nun, ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!
An alle Daheimgebliebenen: Ich komme zu Weihnachten nach Leipzig (vom 23. bis zum 3.)!!! Wo kann ich Silvester mitfeiern?
Küsse und Umarmungen
von eurer
Maria
P.S.: Habt ihr schon einmal versucht mit einem Messer eine Dose aufzumachen?

