Mittwoch, 21. Oktober 2009

Mein erster Besuch und eine kalte Nacht

Wiedermal ein herzliches Hallo an alle meine Lieben, an die Daheimgebliebenen, an die Weitgereisten und an die neugierigen Fremden,

Eine spannende Woche liegt hinter mir und aus dieser Tatsache folgt die Notwendigkeit einer ausführlichen Maria-Beschreibung:

Nach 2 Wochen auf Droge (Antibiotikum), Regenwetter, folgenschweren Treppenstürzen und unangenehmen Schlafpositionen (…) war ich erfüllt von Vorfreude, denn am Dienstag den 17.10. erwartete ich meinen allerersten BESUCH von Zu Hause – meinen BRUDER!
Hach, wie freute ich mich als ich ihn da abends nach einer aufregenden Solo-Tour durch London, die auch ich schon einmal - zu meiner Ankunft - absolvieren musste, vom Zug abholen und in die Arme schließen konnte!
Und so waren Nudeln zur Feier des Tages ein unumgängliches Abendmahl! Den restlichen Abend verbrachten wir, wie in alten Zeiten *haha*, mit dem Laptop auf den Schoß und dem Hinundher-Spielen diverser Filme und Musikstücke.

Und so machten wir uns am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück auf in die große Stadt, denn solch ein Besuch bietet stets die Möglichkeit einer Sightseeing-Tour! (Nun, ich war jetzt zwar schon mehr als einmal in London, aber - ganz ehrlich – ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich die Zeit und Lust habe mir alleine eine der etlichen London-Attraktionen anzusehen.)
Unser erster Halt sollten die geschichtsträchtigen Gemäuer des Tower of London sein. Und auch wenn unser Aufenthalt länger dauerte als erwartet (2,5 h) so hatten wir doch einigen Spaß UND jaaa, wir haben die Kronjuwelen gesehen.


Nach Felix‘ ersten Fish’n’Chips machten wir uns dann auf zur St.Paul’s Cathedral, doch was haben wir auch wieder für ein Glück!
„We’re closing now!“ waren die Begrüßungsworte des Einlassers, als wir die Treppen des beeindruckenden Hauptportals emporstiegen.
Doch wir sind ja nicht zu so schnell unterzukriegen.
Unser nächster Stop war Westminster Abbey, denn dort sollte es – nach Aussagen schlauer Reiseführer – täglich 17 Uhr einen Gottesdienst geben, bei dem der Eintritt frei ist und man sich so die £9,50 für jede touristische Besichtigung sparen kann.
Nun, doch irgendwie meinte man es an diesem Tag nicht gut mit uns.
Schön.
„Taglich“ sagen die Reisefüher.
„Everyday but Wednesdays“ sagte uns der Mann am Eingang.
Schön.
Doch was fängt man mit den restlichen Abendstunden an?
Ich schlug Soho vor.


Und so bahnten wir uns zum Piccadilly Circus, und dann vorbei an ominösen Reklameschildern, Schwulenbars und anderweitig suspekten Geschäften, bis wir Covent Garden und damit einen außerordentlich beeindruckenden Straßenzauberer fanden. Ich kann echt nicht glauben, wir er diese Melonen mit hochgekrempelten Armen unter die Hüte gezaubert hat…
Und dann hatten wir Hunger. Doch irgendwie schien alles ein klein wenig teuer… (ja, ein gaaaanz kleines bisschen) und dann fanden wir einen kleinen Innenhof, zwischen hohen Häuserwänden, die in allen vorstellbaren Farben angestrichen waren. Rot. Pink. Blau. Grün. Gelb. Die Stühle ebenso. Und so war in einer zauberhaften Pizzaria für unser Abendbrot gesorgt.

Der nächste Tag begann zeitig, denn trotz der Tatsache, dass ich um 1.30 pm Wheelchair-Training hatte (vom Projekt vorgeschrieben), wollte ich mit Felix noch ins Modern Tate.
Und so machten wir uns auf in das große Backsteingebäude, in die Fabrikhallen der Kunst, zu Monet, Miró, Picasso und einem Künstler namens Nitsch, wessen Bilder (oder die Betrachtung ebenjener) ein vorheriges Frühstück unumgänglich machen.
Trotzdem, der Aufenthalt dort war außerordentlich interessant, teilweise inspirierend und des Öfteren belustigend. Ein paar Bespiele:

Ein Metallrohr an der Wand. DAS ist Kunst.
Ein Seil auf dem Boden. DAS ist Kunst.
Zwei Baumstämme. DAS ist Kunst.
Haha.




Und während Felix dann noch die Höhen der St. Paul’s Cathedral erklomm, lernte ich, wie man risikofrei Rollstuhlfahrer durch die Kante schubst – upps – fährt.

Der Freitag und seine beinhaltenden Attraktionen sollten meine Kreditkarte um einige Pfund leichter machen, doch es gibt einfach Dinge, die man gesehen haben muss.
Nr. 1 war Madame Taussaud’s. Völlig überteuert, wie ich finde, doch wie gesagt, es gibt Orte, wo man gewesen sein muss.


Selbstverständlich genoss ich die klebrig-glänzende Nähe meiner männlichen Idole… und auch Felix hatte seine Spaß (...)












Und dann. Omg. ein kleiner Gruselgang mit Live-Darstellern sollte den Beinahe-Abschluss bilden.
DIES ist eher lustig als furchterregend, wenn man am im hinteren Teil der Gruppe läuft.
Ha. Schön.
Blöd nur, wenn man den Anfang macht. Scheiße man, ich hab mich in meinem ganzen Leben wahrscheinlich noch nie so gegruselt, ich wollte nur noch da raus und schob meinen Bruder wörtlich vor mir her, der dies mutig ertrug.
Nun, eine wirklich gute Erholung bot dann unser folgender Aufenthalt im Regent’s Park. Und wieder einmal war ich von der gardening-Kunst der Briten überzeugt.






Hach. Toll. Selbstverständlich mussten dann die Fast-10 Pfund im dort-gelegenen Cafe sein. Ein endlos-schokoladiger Schokoladenkuchen. Ein zauberhafter Blaubeermuffin. Und zwei heiße Schokoladen.
Als wir dann weiter durch den Park schlenderten, kamen wir zur Rockery Island … ein Ort, an dem man hinter jedem kleinen Busch Peter Pan vermutet und Tinkerbell über die bezaubernden Bächlein schweben sieht. Wer dort ist, MUSS dorthin - Ohne wenn und aber.
Weiter ging’s nach Notting Hill, denn ich fand, dass ich Felix diese Londoner Attraktion nicht vorenthalten kann und ich denke, ihm gefiel’s. ;o)
Daraufhin hatten wir noch eine Verabredung mit den Gruselgestalten des London Dungeon. Nun, der Brüller war’s nicht, aber lustig war’s allemal.
Und dann: Ja, dann. Dann ging’s kulturschockmäßig dorthin, wo man hingehen sollte, wenn es 17 Uhr, aber nicht Mittwoch ist. Ja genau, in die Westminster Abbey zum Gottesdienst.
Und mein Bruder und ich können nun von uns behaupten den als Ehrengast anwesenden Erzbischof von Canterbury live erlebt zu haben.
Was den Männerchor angeht, so erlaube ich mir als Thomasser-Schwester diesen Kommentar: In einigen Tenoren sind vielleicht ein paar Opernsänger verloren gegangen, aber dieser eine Sopran war der Traum und alles in allem war dies ein wirklich tolles Erlebnis.
Ach, und nicht zu vergessen ist da dieser junge (heiße) Business-Anzug-Londoner, der vor uns saß. ;o)

Der Samstagmorgen könnte mit „Abschied“ betitelt werden, denn 13.35 Uhr sollte der Flieger gehen.
Doch vorher hielt ich es noch für notwendig, einen Stop im zauberhaften Greenwich Park einzulegen und meinen Bruder die Aussicht genießen zu lassen.
Und dann fuhren wir wieder einmal in die große Stadt, doch diesmal mit der Gewissheit, dass ich die Heimfahrt diesmal allein antreten würde.
Nun, es war wirklich kein schönes Gefühl meinen kleinen, trotzdem größeren Bruder da an der U-Bahnstation von dannen gehen zu sehen. (…)
Und so schluckte ich den Kloß schnell hinunter und entschied mich zum Frustshoppen in Camden, denn wir Freiwilligen hatten uns für den Abend „London-clubbing“ vorgenommen. Ein passendes Outfit musste her.
Und – omg – ich habe wirklich noch nie so viel (eigenes) Geld auf einmal für Sachen ausgegeben. Sooo schnell waren die 50 Pfund weg, doch ich war stolz auf mich, denn man sollte wirklich nicht den auf dem Markt gegebenen Preis für ein Kleidungsstück akzeptieren. Und so wirken ein Ausschnitt, ein Schmollmund und die nötige Standhaftigkeit Wunder. ^^

Und nun.
Der Abend.
Ja. Der Samstagabend.
Ich fuhr zunächst nicht nach London, sondern eine Stunde in die komplett andere Richtung nach Bexleyheath, wo die anderen Freiwilligen wohnen.
Dort wurde angetrunken.
Und dann gegen halb 11 (Oder war es um 10?) machten wir (Nelli, Hannah, Daniel, Adrian-Gaydrian und ich) uns auf den Weg nach London zu einem Club namens Roxy, wo wir zu Mads und Belle stießen.
Hach. Welch ein lustiger Indie-Club. Doch so ganz wollte die Stimmung zunächst noch nicht steigen, denn die Musik war weniger Indie, mehr Elektro-Rock, was weiß ich. Doch dann trauten wir uns und wagten uns auf die Tanzfläche. Haha, und wie war das lustig.
Gegen 2 leerte sich der Club schon etwas und ich wurde ernsthaft von einem Mann, der mein Vater hätte sein könnte, gefragt, ob ich mit zu ihm nach Hause kommen möchte. „Nein“ sagte ich und stieß ihn weg. Meine Güte, was denkt der sich. Ja, ich war geschockt.
Nun, gegen halb 4 schloss der Club (Irgendwie schließen die hier alle verdammt zeitig!) und so machten wir uns gegen Viertel auf in die Nacht, auf nach Bexleyheath. (Ich hatte selbstverständlich keine Lust und nicht den Mut mitten in der Nacht alleine nach Woolwich zurückzukehren.)
Nach einer gefühlten halben Stunde – vorbei an lustigen Clubs, wo die Britinnen jedes Vorurteil erfüllten und betrunken in 12-cm-High-Heels, Gerade-Überm-Po-Röcken und Ausschnitten bis zum Bauchnabel durch die Gegend steuerten – kamen wir an der Bushaltestelle an. Und hätte man uns nicht früher sagen können, dass wir 40 Minuten warten müssen, deine scheiße man, es war VERDAMMT kalt!
Mein Outfit: Ein Gerade-Überm-Po-Oberteil (Ihr seht, ich passe mich langsam an!), 2 dünne Strumpfhosen, Ballerinas und ein Mantel. Alles, in allem – Ich war zu dünn angezogen. Ahhhh. Es war sowas von kalt.
Nun, dann kam der Bus und ich schlief ein, wachte auf, schlief ein. Es wurden Bilder gemacht. Es wurde ein Video gedreht. Na danke auch, ich schlafe mit offenem Mund! ;O)
Und dann waren wir in Bexleyheath, aber immer noch nicht zu Hause. Denn wir mussten dort auf einen weiteren Bus warten (es war mittlerweile viertel 6). Und wir alle hatten das Gefühl, dass es „auf dem Land“ irgendwie noch kälter war. Und wieder froren wir uns den Arsch ab.
Dann kam der Bus. Wir fuhren ein Stück.
Und dann mussten wir auch noch ein Stück laufen, wobei wir feststellten, dass sogar die Autos Raureif auf den Scheiben hatten und wir konnten unseren Atem sehen.
Schön.
Um 6 machte ich die Augen zu.
Um 1 wachte ich auf.
Hach, und wie schön ist es doch nach solch einer Nacht mit Gleichgesinnten zu frühstücken. Nelli und ich machten es uns also noch für 2 Stunden gemütlich und dann machte ich mich auf nach Woolwich, was am Tag weniger gruselig ist.
Doch einen hab ich hier in dieser ganzen 2,5-h-Heimweg-Geschichte ja ganz vergessen! Unseren Gaydrian.
Dieser war nämlich, als wir den Club verlassen wollten, nicht aufzufinden und beantwortete auch keine Anrufe. Und so stiefelten wir alleine los (ok, ich wäre froh, wenn ich Stiefel gehabt hätte… ).
Als wir dann im Bus saßen, muss er Mads auch angerufen haben, und gefragt haben, wo wir seien. Doch wir konnten ihm nur die Auskunft geben, dass er den Nachtbus nehmen muss.
Am Montag erfuhr ich dann den Rest der Geschichte: Adrian, der nach britischer Manier (er kommt aus Nottingham) ganz schön gebechert hatte, war irgendwann weg, und auf einmal am Heathrow-Airport. (…) gegen 12 Uhr mittags kam er ohne Schlüssel (hatte er verloren) in Bexleyheath an!!! *räusper* *Ohne Kommentar*

Nun, ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!
An alle Daheimgebliebenen: Ich komme zu Weihnachten nach Leipzig (vom 23. bis zum 3.)!!! Wo kann ich Silvester mitfeiern?

Küsse und Umarmungen
von eurer
Maria

P.S.: Habt ihr schon einmal versucht mit einem Messer eine Dose aufzumachen?

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Die Ambiguität des Strahlens

Hallo meine Lieben,

Auch wenn es heute nicht viel zu erzählen gibt, verspüre ich das dringende Bedürfnis, mich (unmittelbar) mitzuteilen.
(Nun ja, ihr kennt mich ja.)

Die Notwendigkeit diverser Besorgungen trieb mich heute wieder einmal ins wunderschöne Greenwich.
Das Wetter war ein Traum (nachdem es gestern wie aus Eimern geschüttet hatte), die Sonnenstrahlen taten gut und mein Husten im Bus sorgte für Beinfreiheit, denn keiner traute sich aus Angst vor Schweinegrippe auf den Platz mir gegenüber. ;o) (Kurzer Zwischenstand: Ich bin jetzt mittlerweile seit etwa 10 Tagen krank und nehme seit 4 Tagen Antibiotika – keine schöne Sache… und NEIN, es ist KEINE Schweinegrippe!)

Und wie ich da dann so durch Greenwich schlenderte, auf der Suche nach einem gewissen Flohmarkt, fand ich einen Buchladen.
Und mit Buchläden ist das so eine Sache: Sobald ich alleine bin und einen Buchladen sehe, MUSS ich da rein. Folglich betrat ich voller Neugier dieses Buchstabenuniversum mit der Intension vielleicht ein schönes Buch für eine gewisse Person zu finden. Doch es kommt meist ganz anders, und so stand da auf einmal dieses Buch:

The Stuff of Thought – by Steven Pinker

Schon der Name des Autors ist geil. Ein 439-Seiten-Wälzer. Rotes Buch. Hellblauer Einband. Und ein Schild mit ‚£5‘ drauf. Was gibt’s da noch zu überlegen?
Natürlich kaufte ich mir dieses Buch.
Und kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein Buch gekauft habt und die Ladentür hinter euch schließt? Das ist so, als hätte man einen kostbaren Schatz, als hätte man unendliches Wissen in der Tüte… Hach, ich fühlte mich gut.
Auf der Heimfahrt las ich dann auch den Klappentext und ich hätte mich echt wegschmeißen können, passt auf:
„How does a mind that evolved to think about rocks and plants think about love and physics and democracy?” (The Stuff of Thought, Steven Pinker)

Nun, bevor ich jedoch zur Heimfahrt komme, noch ein kleines Erlebnis:
Ich laufe den Fußgängerweg entlang, und mir kommt ein Mann entgegen - und hier spielt keine Rolle, ob er mein Typ war oder nicht, ob er mein Alter war oder nicht – die Sache war die:
Er hat gelacht. Nun, nicht laut losgelacht. Nein. Er hat geschmunzelt. Sei es aus Verliebtheit oder Erfolg – spielt keine Rolle.
Er war glücklich.
Und wisst ihr, was Maria dann gemacht hat? Haha, ihr könnt es euch sicherlich denken!
Ja.
Sie hat gelacht.
Sie war glücklich. Sie war sehr glücklich.
Mein Gott, wie einfach ist es doch, mich glücklich zu machen. Fast zu einfach.
Also: Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! Lacht, Leute! (Welch eine zauberhafte Zungenbrecher-Alliteration.)

Und nachdem ich die „diversen Besorgungen“ dann erledigt hatte, machte ich mich also auf den besagten Heimweg. Und bei der Erwähnung von ebenjenem möchte ich nicht noch einmal auf den Fahrtkomfort, sondern diesmal auf die Fahrtdauer eingehen: Brauchte ich bei der Hinfahrt 45 Minuten nach Greenwich, so benötigte ich rück zu nur ganze 15 Minuten. Wie kommt das? Zauberei?
Nein.
Die Antwort ist simpel und stellt wieder einmal die Darstellung eines Londoner Ortsphänomens dar:
Auf der Hinfahrt geriet ich schlicht und einfach in den Londoner Berufsverkehr, das heißt falsche Uhrzeit (9 Uhr), falsche Richtung (selbstverständlich Richtung London). Aber mir konnte heute nichts die Laune verderben, und ihr kennt mich – ich lache.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute
Ich vermisse euch
und schenk euch ein Lächeln

Eure Maria

ps: Und wieder einmal hat der Höhepunkt bei "2:30 des Claire de Lune von Debussy für eine Gänsehaut gesorgt. Ihr hättet das erleben müssen: Wie die Sonne über die Baumwipfel klettert und höher und höher steigt, kämpfen sich die Streicher in die musikalischen Sphären bis an den Steg! Wunderbar. Schön.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Von Stars, Nackeninspektionen und einem besonderen Montag

Ein herzliches Hallo an alle Leipziger, Engländer, Neuseeländer, Australier, Amerikaner, Franzosen … kurzum an alle meine Lieben!

Trotz der Tatsache, dass ich hier grade im übelsten Rotz und Beinahe-Fieber auf meiner Couch sitze und jede Haltung irgendwie unbequem ist (Ja, ich bin krank!), lässt es mein schlechtes Gewissen nicht zu, euch weitere 2 Wochen auf einen Blogartikel warten zu lassen, daher hier ein weiterer Bericht aus meinem Leben im Land der höflichen Tee-Trinker:

Wieder ist ein Monat vergangen (Ja, die Zeit scheint hier in scheinbarer Lichtgeschwindigkeit zu vergehen…) und damit wird wieder ein Monatsbericht (mir ist immer noch kein passender Begriff eingefallen!) fällig:

Nach zwei Monaten weiß ich:
- dass ich mittlerweile schon einen Punkt revidieren muss: Es gibt auch 1£-Shops (Danke, Phil!)
- dass es die Bezeichnung „Grüner Daumen“ auch im Englischen gibt – „green thumb“
- dass die Phrase „Nonetheless they provide a useful starting point in thinking about…“ definitiv auf den 12 Seiten Englisch-LK-Oral-Exam-Phrases fehlte
- dass Mandarinen, Clementinen und Orangen hier ohne jeweilige Unterscheidung als "oranges" bezeichnet werden [GEÄNDERT - am ersten des Monats, an dem meine Mutter Geburtstag hat - um ... keine Ahnung, etwa eine halbe Stunde nach der Erst-Publikation ^^]
- dass Busse in besonderen Fällen nicht nur die Aufschrift „NOT IN SERVICE“ tragen, sondern „SORRY, NOT IN SERVICE“ tragen (Jaja, die höflichen Briten!)
- dass das klitzekleine Wort ‚a‘ [ӕ] hier von einigen Muttersprachlern als [ӕɪ] ausgesprochen wird
- dass „to have a job jobbed“ eine tolle umgangssprachliche Wendung ist
- dass mir nach einem Monat englischer Schulzeit (Anfang September ging hier die Schule los) die Schulkinder in den Bussen schon sowas von auf den Geist gehen… Wie kommt man als Bürgermeister Londons auch nur auf die zwar geniale, aber für mich ungünstige Idee, die Busfahrten zur Schule und zurück für Schüler kostenlos zu machen?
- dass man sich hier nicht auf die Postboten verlassen kann, denn da werden gerne mal Pakete vor die Wohnung abgelegt, wenn man nicht da ist
- dass sich so gut wie keiner im Londoner (bzw. auch Englischen) Verkehr an die Ampelzeichen hält – und trotzdem geht (zu meinem Erstaunen) alles glatt

Nun zu meinen letzten 2 Wochen. Diese waren weniger arbeits- dafür umso erlebnisreich!

Da wäre da zum Beispiel letzte Woche das Kennenlernen eines echten – ja, man glaubt es kaum - Stars:
Anlass war das 10-jährige Jubiläum unseres Projektes (Ach so’n Mist ich hab euch immer noch nicht beschrieben, was ich hier genau mache… naja, kommt noch… irgendwann).
Damit verbunden war eine Veranstaltung, wo hauptsächlich weniger wichtige Menschen aufeinandertrafen (die sich teilweise aber sehr wichtig fühlten), aber unter den wichtigeren waren: wir Freiwillige selbstverständlich (haha…) UND PAM FERRIS! Diese Frau sagt euch jetzt vom Namen sicherlich nichts, aber wenn ich „Agatha Knüppelkuh“ und „Harry Potters fliegende Tante“ in den Raum werfe, werdet ihr mit Sicherheit ein bisschen neidisch. (Ich weiß, dass ihr nicht neidisch werdet, aber bitte lasst mich in dieser naiven Träumerei!)^^


Nun, diese Schauspielerin war als Ehrengast geladen, da sie Vizepräsidentin von „Princess Royal Trust for Carers“ ist (hoho… klingt schon mal bombastisch) und selbst carer-Erfahrung besitzt! Naja, und sie war nicht eine der VIPs, die nach ihrer 3-Minuten-Rede mit viel Tamtam verschwinden, sondern sich nach einigen (sie sehr sympathisch machenden) Worten sogar zu uns Freiwilligen an den Tisch setzte und zumindest vorgab, sich für uns zu interessieren…
Hach, es ist schon toll, an der Quelle der Reichen und (nicht immer) Schönen zu
wohnen… ^^
(Hier noch ein Gruppenbild, das am Ende der Veranstaltung in einem der schönsten englischen Parks entstanden ist, die ich hier je erblicken durfte:)



Wie mach ich weiter?

Nun da wäre da noch der Freitag der letzten Woche. Dieser war einem London-Besuch mit besonderer Begleitung gewidmet: Ein Besuch mit Thesi aus Halle, die auch Freiwillige in GB ist. Wir haben uns lustigerweise über’s Internet gefunden und Freitag war es dann soweit – wir wollten uns treffen.
Haha.
Ach, was war das für ein schöner Tag!
Erst saßen wir gechillt in der Sonne des St.James-Parks, dann trafen wir auf der Suche nach Postkarten einen Deutschen, der in Hong-Kong arbeitet, aber mal für ein paar Stunden in London war. (Oh ja, dieser definitiv zu alte Typ hätte es gerne, gesehen, wenn wir ihm noch ein bisschen die Stadt gezeigt hätten, aber nüscht gibt’s… der war definitiv zu alt!) ;o)
Und dann genossen wir mit unserem Subway-Snack die Aussicht auf dem Trafalgar Square… die Aussicht, nun ja, das war hauptsächlich das maskuline Angebot der britischen Metropole (Bei diesem Wort ein ganz lieber Gruß an Chrisi, kannst du dich noch an das Activity-Spiel erinnern?)… Jaja, diesbezüglich hat London schon so Einiges zu bieten…
Und als krönenden Abschluss schlenderten wir noch an die Westminsterbridge und konnten gar nicht aufhören zu reden… ja, der Abschied war blöd, denn Thesi arbeitet jetzt in Coventry… ;((( Aber wie war das? Halt Ausschau nach Schopf-Nacken-Schulterkombinationen und wenn du nach London kommst, stürzen wir uns ins Nachtleben!
Hach, was für ein wirklich schöner Tag!


Und nach einem lustigen und wirklich schönem Feier-Wochenende folgte ein wahnsinnig ereignisreicher Montag: Leset und staunet:

Keiner von uns CSV (so heißt meine Sendeorganisation in GB… jaja, meine Arbeitsbeschreibung wird echt langsam notwendig…) – Freiwilligen bei meinem Projekt – das heißt: Daniel, Nelly (aus DE … vor einigen Wochen angekommen), Adrian (aus GB … vor 2 Wochen angekommen) und ich – hatte am Wochenende so recht Lust auf diesen Tag, denn wir waren nach London-City zum CSV-Day eingeladen worden.
Wie klingt das schon CSV-Day? Und wir richteten uns auf Kennlernspielchen und stundenlanges Rumhocken und Woanders-Sein-Wünschen ein.
Doch es stellte sich alles besser raus als gedacht:
Nachdem wir etwa um eine halbe Stunde zu spät angekommen waren („The traffic was hell!“ ist eine allseits geltende Ausrede), teilte man uns in Fünfergruppen ein, wo das befürchtete Kennlernen stattfinden sollte. Wie heißt du? (Namensschildchen nahmen einiges Fragematerial vorweg, aber man fragte trotzdem.) Wo kommst du her? (Auch das wurde auf der Brust eines jeden vermerkt.) Was machst du? Wo genau arbeitest du? sollten die Fragen sein, um die sich alles in den nächsten Minuten drehte… Nun gut… nicht sonderlich spannend, und die Nachbargruppen schienen sowieso immer um einiges interessanter…
Auf diese etwas steife Konversation folgte eine langweilige aber dafür nicht allzu lange Präsentation der CSV-Mitarbeiter. Und schließlich wurden wir alle, wenn auch mit einer kleinen Aufgabe, erlöst und nach draußen in einen niedlichen Hinterhof entlassen: Wir sollten ein Gedicht schreiben – über CSV.
Gut, diese Aufgabe war ersteinmal nebensächlich – jetzt ging’s an’s Kennenlernen. Dabei wurde Vielen die Kontaktaufnahme durch die Tatsache, dass die „Deutschen-Konzentration“ sehr hoch war (etwa dreiviertel der etwa 35 oder 40 Freiwilligen), erleichtert.
Eigentlich sind wir hier alle nach England gekommen, um Englisch zu lernen, und nun landen wir in einer deutsch-dominierten Organisation.
Wir könnten uns ja auf Englisch unterhalten, aber Faulheit und der Wunsch genau das sagen zu können, was man will, sind in diesem Zusammenhang zu überwindende „obstacles“ (Hindernisse). Nun gut… ich kann’s verkraften.
Nach und nach traf man also auf viele Deutsche und einige andere und genoss die frische Luft. Und dann machte man sich zumindest teilweise auch daran, Verse zu verfassen, die irgendetwas mit der Organisation zu tun hatten. Ich steuerte irgendwo 4 Verse bei und dann ging es wieder in den stickigen Raum, wo die zahlreichen Gedichte verlesen wurden. Ok… es waren 3!
Darauf folgte eine angenehme Essenspause: Der Lunch bestand aus Mitgebrachtem… Maria war vorher noch (schweineteuer) bei Marks&Spencer einkaufen. Naja, wenn einem die Notwendigkeit des Mitbringens erst am Montagmorgen einfällt… Selber schuld! (Und wieder rede ich von mir in der dritten Person… haha.) ^^ Und auch bei dieser physischen Zufriedenstellung stand man mal da, mal dort und machte sich bekannt.
Krönender Abschluss des CSV-Days war ein Wissenstest, der in Gruppen absolviert werden sollte. Fragen über Schauspieler, Allgemeinwissen, Michael-Jackson-Songs, landestypische Spezialitäten und Flaggen und Hauptstädte waren der Inhalt und zahlreiche wertvolle Preise die Belohnung: Meine Gruppe wurde Zweiter und wir durften daraufhin einige CDs und eine Männerparfümprobenbox unser Eigen nennen. (Verdammt nochmal, wir hatten die Führung… wir hätten Erster werden können und dann schnappt uns diese eine Gruppe (…) den obersten Treppchenplatz vor der Nase weg… Aber nein, ich gönn ihnen die „The Incredible Hulk“-DVD.)
Nun, der spannende Aufenthalt im CSV-Büro neigte sich seinem Ende zu und nach der Absolvierung der obligatorischen One-Month-Interviews mit einer CSV-Mitarbeiterin machten wir uns auf den Heimweg.
Nein.
Das stimmt nicht ganz.
Wir liefen etwa 100 Meter, trafen Hannah und Mads (zwei Freiwillige meines Projektes) und entschlossen uns – wenn auch nur kurz – in einem Londoner Pub einzukehren. Dort traf man auch einen Großteil, der neuen Bekanntschaften wieder… und trank …

Nun ja. Kommen wir damit also endlich mal zur Sache – zum Bier! *haha*
Die letzten 2 Wochen waren aufgrund der eher geringen Arbeitsbeanspruchung von so einigen Pub-Besuchen durchzogen. Und so konnte ich nicht nur endlich mal etwas Zeit mit meinen anderen Freiwilligen außerhalb von obligatorischen Office-Besuchen und CSV-Days verbringen, sondern mich auch mit britischen Pubsitten und Biersorten vertraut machen:
Was die Pubsitten betrifft, so kann ich sagen, dass es lustig war, den Am-Tresen-Order-Gebrauch und das „Last Order“-Klingeln endlich mal live zu erleben.
Und bezüglich der Biersorten … nun, es steht fest, dass ich in den 2 Monaten (leider) noch nicht alle Biersorten ausprobieren konnte und euch daher auch noch keinen „lager“-Favoriten nennen kann.

Nun ja, und dann hatte Mads noch die schöne Idee Tadz zu besuchen (Jaja… die ganzen Namen – egal – Tadz ist eben einer, der mal Freiwilliger war und jetzt in irgendnem Restaurant im Bankenkomplex (den ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue) arbeiten soll, …). Also machten wir uns per tube und Zug auf den Weg… Und menno… ich war doch noch mal im Pub bei den „ladies“, aber ich hab in diesen 20 Minuten Fahrt, die schmerzvollsten, ja die schlimmsten Minuten meiner ganzen 2 Monate hier verlebt. Peinlich aber wahr – soviel dazu!
Wir kamen also im Bankenkomplex an und nach dem Besuch diverser Örtlichkeiten ward ein jeder erschlagen von einer unglaublichen Protzigkeit: Man hat in diesem Bankenkomplex am Fuße diverser Wolkenkratzer eigene Zugstationen, und diese sind, nicht wie üblich im Grau-Metallic-Look „dekoriert“. Nein! Feinster Granit ziert die Wände, Böden und Oyster-Automaten!!!
Als wir hinaustraten, erblickten wir einen säuberlichen Platz mit etwas Grün, etwas Wasser und vielen fein gekleideten Menschen. Kurz gesagt: Wir fühlten uns ein klein wenig UNDERDRESSED!!! (Ja, nur ein gaaaanz kleines bisschen!)
Egal, wir suchten also Tadz, mit dem fabelhaften Ergebnis ihn nicht zu finden.
Schön, also entschieden wir uns zur Heimfahrt. Genauer: Alle anderen fuhren Zug und ich entschied mich für den Bus.
FALSCHE ENTSCHEIDUNG!
Auch wenn, ich die Wolkenkratzer von meinem Fenster aus sehen kann,


heißt dies nicht zwangsläufig, dass ich eine halbe Stunde nach Hause brauche, denn ich vergaß: Einer kleiner Fluss namens Themse trennte mich von meinem Zu Hause.
Schön.
Es kostete mich ganze 2 Stunden, bis ich nach chaotischen Ins-Nichts-Fahrten, Nach-Diversen-Bushaltestellen-Suchen und Tunnel-Fahrten letztendlich in Woolwich ankam.
Nun und dort folgte ein weiteres Fiasko, aber ich will ja nichts vorweg nehmen:
Ich hatte mir vorgenommen für mich und meine Jungs Kartoffelmus, Fischstäbchen und Fisch zu machen. Ist ja auch nicht sonderlich schwer.
Nun ja… die Meeresbewohner (wenn auch in neuem Zustand) sind mir gelungen, nur das Kartoffelmus war absolute Grütze…
„Ich hatte nicht die richtigen Stampfer!“ war meine Ausrede.
‘Die Kartoffeln wurden nicht lang genug gekocht!‘ ist die Wahrheit.
Mit allerlei Komplimenten, was mein verkacktes Kartoffelmus anging, versuchte zumindest Marvin meine Laune aufzubessern – Danke, lieb gemeint, aber die Tatsache, dass ich versagt hatte, ließ sich einfach nicht beschönigen bzw. verleugnen.

Aber gut, der Dienstag begann mit Halsschmerzen und meinen jetzigen Zustand hab ich euch beschrieben…

Ich hoffe euch geht es besser
und ich vermisse seit neustem mein Zimmer
und selbstverständlich EUCH!

Liebste Grüße
Eure Maria

Copyright

© Der Inhalt dieses Blogs ist urheberrechtlich geschützt. Ohne ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Verfassers ist jegliche weitergehende Verwendung, insbesondere Veröffentlichung, Vervielfältigung und gewerbliche Nutzung untersagt. Das Copyright für hier veröffentlichte Objekte bleibt beim Verfasser dieses Blogs.