Die Sonne scheint, der Frühling ist da und Maria hat ‘ne Bombenlaune.
Ich weiß, meine Abwesenheit war beunruhigend und manch einer dachte vielleicht die Themse hat mich ganz und gar verschluckt, doch dem ist nicht so. (Ich weiß, dass das keiner dachte. – Das war rhetorisch.) Ich lebe und mir geht es ziemlich gut.
Um ehrlich zu sein: Ich habe mich in den letzten 2 Monaten eher dem Leben gewidmet und weniger dessen Dokumentation und Protokollierung, denn schon James Dean sagte:
Dream as if you’ll live forever. Live as if you’ll die today!
(Das sagt er übrigens auf einem traumhaften Poster, das jetzt die Woolwich-Blümchentapete ziert.)
Blicke ich nun auf die Tage und Wochen meiner Blog-Abwesenheit zurück, so fällt es mir nicht schwer die pikanten Einzelheiten, die herausragenden Momente und die gelungenen Überraschungen herauszupicken. Weitaus schwerer wird es mir fallen, den Text so kurz wie möglich zu halten, denn auch, wenn ihr mir an den Lippen hängt (und diese Vorstellung gefällt mir durchaus), weiß ich doch, dass ihr so oft keine Zeit habt, weil ihr vor Arbeit und Studium, etc. den Himmel vor lauter Wolken nicht seht. Nun, ich geb mir Mühe.
Fangen wir zunächst an mit einem Absatz zum Schmunzeln, denn diesmal ist ein Aha-Report für 2 Monate fällig.
Sprich, nach sieben bzw. acht Monaten habe ich gelernt:
- dass viele britische Supermärkte auch eigene Tankstellen (praktischerweise direkt neben dem Supermarkt) besitzen
- dass „to kill two birds with one stone“ das englische Äquivalent zu „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ ist
- dass ‘Tom Cribb‘ ein englischer Boxer des frühen 19. Jahrhunderts war
- dass „to grind one’s teeth“ „mit den Zähnen knirschen“ heißt
- dass es hier doch nicht ganz so unüblich ist, Trinkgeld zu geben
- dass wir als Freiwillige berechtigt sind, an der anstehenden britischen Parlamentswahl teilzunehmen
- dass viele Briten die Franzosen nicht nur aus historischen Gründen hassen, sondern auch, weil sie sie für eleganter, schöner, gewandter und rundum besser halten (Es gibt aber nur wenige, die dies zugeben.)
- dass „cream eggs“ leider nicht den deutschen „Löffeleiern“ entsprechen
- dass „pie“ (Nach Wikipedia: „eine englische Pastete, die süß oder herzhaft gefüllt sein kann“) aus dem Supermarkt abartig und im Restaurant richtig gut schmecken kann
- dass „Flachmann“ auf Englisch „flask“ heißt
- dass es Taschenlampen zum Schütteln und damit selbstständigen Wiederaufladen gibt
- dass ein Viertel der Londoner Bevölkerung in einem anderen Land geboren wurde
- dass es auch in Großbritannien Aprilscherze gibt, jedoch nur bis 12 Uhr mittags, danach wird man beim Scherzen selbst zum „April Fool“
- dass ein Kinobesuch in Central London locker £15 kosten kann
- dass London über 200 „Starbucks Coffee“ Filialen besitzt
- dass der Manager der Sex Pistols Malcolm McLaren hieß (Er starb am 8. April.)
- dass sich das Londoner tube-Netz über 408 km erstreckt
- dass das englische Wort für Kobold „leprechaun“ (‘lebrikorn‘ ausgesprochen – Betonung auf der ersten Silbe)
- dass der Heathrow Airport in London, was das Passagieraufkommen betrifft, in Europa an erster und der Welt an dritter Stelle steht
- dass es in Großbritannien keine Klöße gibt
Nun wo …
Oh Entschuldigung, ich war kurz abgelenkt. …
James Dean.
Der ist aber auch heiß, so wie er hier lässig von meiner Wand nach links blickt. …

Egal… Ja, wo fang ich an?
Ich könnte euch von einigen durchaus gelungenen Partys erzählen. Doch dies lass ich lieber. Meine Eltern sind beunruhigt und meine Freunde schütteln den Kopf. Dennoch gönnen sie es mir alle und das ist gut so.
Folglich bedarf es keiner weiteren Erläuterung. Wer interessiert ist, darf mich persönlich, meine Familie oder nun auch Maria S. fragen, die mich hier besucht hat, doch dazu später mehr.
Ich komm jedoch nicht umhin, ein paar schöne Bilder sprechen zu lassen:
Nun, den Beginn meiner halbdetailgetreuen (was für ein lustiges, nichtexistierendes Wort) Erlebniswiedergabe macht der Besuch meiner Eltern vom 26. bis 29. März.
Am Freitag, den 26. holte ich sie von der Londoner Liverpool Station ab und meine Mutter, die zum ersten Mal in den Genuss Londoner Luft kommen sollte, wurde gleich in das pulsierende Zentrum geschliffen. Sprich Covent Garden, Leicester Square, Trafalgar Square und die ganze Big Ben-Ecke wurden abgegrast. Und auch wenn der Nieselregen und die Touristenmassen etwas störten, ich denke, ihr gefiel, was sie sah, was sie hörte, was sie fühlte. Apropos hören: 17 Uhr besuchten wir einen Gottesdienst in der Westminster Abbey und genossen die Stimmgewalt der Tenöre und Counter, die die räumliche Gewalt federleicht ausglichen. (Auch beim zweiten Mal wirkte das Interieur dieser Kathedrale anfänglich nahezu bedrohlich.)
Der Abend fand nach einer Piccadilly Circus Besichtigung seinen Ausklang in einem lustigen, Amerikanisch angehauchten Restaurant.
Die Nacht durfte ich dann für stattliche £30 auf 2 Matratzen auf dem Boden im Hotelzimmer meiner Eltern verbringen. Doch ich schlief relativ gut und musste dadurch nachts nicht vom äußersten Nordwesten in den äußersten Südosten fahren.
Darauf folgte dann ein Tag, der der Panorama-Aussicht und dem Themseufer gewidmet war.
So bestiegen wir zunächst The Monument und begaben uns dann in Richtung Tower, Tower Bridge. Dann am südlichen Ufer Richtung Tate Modern, die meine Eltern nach 2 Stunden ohne mich auch von ihrer Sightseeing-Liste streichen konnte. (Unterdessen gab ich mich dem Kaufzwang hin (ein neues GELBES Portmonee) und übte ich mich den Tate Modern – Künstlern nacheifernd in der Kunst der Fotografie.)
Am Nachmittag dann führte ich sie in eins der schönsten Pubs Londons, wo wir auch ein frühes Abendbrot zu uns nahmen, uns über russische Kellner unterhielten und uns fragten, ob es gut sei, ein Kind gänzlich ohne Fernsehen aufwachsen zu lassen. (Nachdem eines ebenjener Kinder (vielleicht 7 Jahre) wie gebannt auf der Treppe saß und der sinnlosen Fußballauswertung folgte.)
Mein Vater verabschiedete sich dann ins Musical und meine Mutter und ich beschlossen den Abend mit einem Nordufer-Spaziergang ausklingen zu lassen. Das Ergebnis waren schöne Fotos und
schwere Beine.
Wie tot fielen wir auf das Hotelbett und wie glücklich war ich darüber, dass mich meine Eltern auch noch diese Nacht dort übernachten ließen.
Der Sonntag brach an und bald führte ich sie in mein Woolwich-Reich, was sie mit diesen Worten kommentierten: „Das müssen wir erstmal auf uns wirken lassen.“ Das taten sie und nach einer kurzen Rast brachen wir auf zum Greenwich Park, durchliefen Greenwich und kamen dann am Ende in Notting Hill raus. Die Begeisterung für die erwähnten Orte (ausgenommen meines Zu Hauses) war offensichtlich, was mich natürlich freute.
Anschließend begaben wir uns per Bus noch in die Kensington Richtung, wo wir schließlich noch Harrods „auf uns wirken lassen mussten“!
Letztendlich schlenderten wir noch durch den Greenpark, zum Buckingham Palace und durch den St. James Park hin zu einem Pub am Trafalgar Square, wo wir ihren Aufenthalt nahezu preisgünstig letztmalig zelebrieren konnten.
Nachts verabschiedete ich mich. Ohne Tränen. Fuhr nach Hause und sie flogen am nächsten Morgen.
Ihr Besuch tat mir gut. Es war schön sie wieder in die Arme schließen zu können. Doch nach Deutschland zurück will ich noch nicht. Das ist mir klargeworden. Diese Zeit ist noch nicht gekommen und so genieße ich jede letzte Sekunde der letzten Monate in der Stadt, die sich für immer mein zweites Zu Hause nennen wird.
Ich mag die Sprache, ich mag die Menschen, ich mag die Kultur, ich mag den Tee, ich mag die Stadt, ich mag die Straßen, ich mag die Häuser, ich mag die Eigenarten – das gewisse Etwas, das irgendwie alle Farben, Epochen und Nuancen enthält.
Macht das Sinn? Für mich, ja.
Nun zum gleich anschließenden Besuch: Maria besuchte Maria und kam am 2. April genau wie meine Eltern an der Liverpool Station an. Ich schloss sie in die Arme und auf ging’s nach Hause. Es gab viel zu erzählen. Und auch wenn wir erwachsener und reifer geworden sind, auch wenn wir uns vielleicht ein bisschen verändert haben. Fremd sind wir uns nicht geworden und diese Einsicht tat mir gut!
Und wie freute ich mich, als sie ihren Koffer öffnete mit lauter Kleinigkeiten, die meine und ihre Eltern für uns und mich zusammengepackt hatten, darunter: Socken, Löffeleier, weitere Ostersüßigkeiten UND deutsches Brot! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich die erste Scheibe (und auch die zweite, und dritte…) genoss.
Der Samstag brach an und auch meiner Namensschwester musste die Westminster-Ecke ausführlich gezeigt werden. Doch viel Zeit hatten wir nicht, denn bald mussten wir uns auf den Heimweg machen, denn Maria durfte in den Genuss einer der berüchtigten Freiwilligen-Home-Partys kommen. Genau genommen war dies Jessicas Geburtstagparty, die unter einem Motto stand, was hier nicht erwähnt werden kann und lustige, besser gesagt, heiße Kostüme mit einschloss.
Was soll ich sagen? Schließlich wollte ich nicht viel vom Partyleben berichten. Es war eine der Nächte, nach denen man lächelt, kurz den Kopf schüttelt, die Stirn runzelt, sich fragt „Warum?“ und man dann sagt „Immer wieder gerne“.
Zu viel waren die beiden Marias also nicht zu gebrauchen an diesem restlichen Sonntag. (Nein, einen schlimmen Kater hatten wir nicht, wir waren bloß unheimlich kaputt!) Und so machten wir uns nur auf zum Greenwich Park, Greenwich Market und dann wieder nach Hause, wo die eine Maria eine DVD einschob, die andere Maria einschlief und die andere wiederum schmunzelnd über den Film, die Nacht und die schlafende Maria auf der Couch lag.
Dann brach schon der Montag an und der war dann wieder vollgepackt mit obligatorischen Sehenswürdigkeiten. So erkundeten wir das Südufer, bestaunten Picasso und Miro in der Tate (Ja, diesmal war ich mit), liefen über die Millennium Bridge zur St. Paul’s Cathedral, erklommen dort die menschenunfreundlichen Treppen und genossen letztendlich ein Panoramablick bei traumhaftem Wetter. Es hat sich also gelohnt.
Daraufhin fuhren wir zur Harrods, um diesmal auch die Damenbekleidungsabteilung mitsamt Schuhen zu bestaunen. (Man kann nicht alles haben…) Und letztendlich spazierten wir gemütlich von der Hyde Park Corner zum Buckingham Palace (Selbstverständlich ignorierte Harry mein und William Marias Anklingeln…) und dann vorbei an den daffodils des St. James Parks
hin zum Trafalgar Square, wo wir davon überzeugt waren, dass sich Sir Nelson stets zu uns wendet… Wie dem auch sei, den Abend beendeten wir in einem Pub und mit einem anschließenden Spaziergang durch Covent Garden, wo wir dieser zuckersüßen Kette und der ultimativen Sonnenbrille bei „Accessorize“ nicht widerstehen konnten.
Dann ging’s wieder nach Hause.
Der Dienstag war voll und ganz dem Shoppen gewidmet und eigentlich erübrigt es sich zu sagen, dass wir erfolgreich waren. Natürlich haben wir zu viel Geld ausgegeben. Natürlich brauchen wir das nicht alles. Aber natürlich sehen unsere neuen Anschaffungen einfach nur traumhaft gut aus. Und natürlich sind wir Mädchen. Ah, da muss ich aber von einer Episode, besser einem Laden genauer berichten: Zu Beginn führte ich Maria zu Abercrombie&Fitch (Ja, für alle Blogverfolger - dies steht ja noch aus…). Mittlerweile betrat ich den Laden zum dritten Mal und wie beim ersten Mal konnte man die Parfümwolke, die es einem auch nur möglich macht, 10 Minuten in diesem Laden zu verbringen, schon in 40 Metern Entfernung auf der Straße riechen. Empfangen wird man in diesem Klamottenladen traditionsgemäß von halbnackten Männern, die einem „Hey guys“ zurufen. Und allgemein ist das Verhältnis Verkäufer zu Kunde bei A&F 2 zu 1. Permanent sieht man diese hübschen jungen Menschen obercool an einem vorbeilaufen, an jedem Durchgang begrüßen und fragen, ob man Hilfe braucht. Es gibt sogar zwei davon die im Obergeschoss am Geländer stehen und sich zur Musik bewegen (tanzen konnte man es nicht nennen). Dies soll wohl zu Kaufanimation dienen. Vor ein paar Monaten sah ich sogar eine Saubermachfrau – und selbst die sah ultimativ gut aus. Und auch von der Inneneinrichtung ist dieser Laden besonders: Deckenhohe Holzregale, worin die Sachen fein säuberlich aufeinander gestapelt sind und jedes Fach einzeln beleuchtet wird. Nun, lange hält man es durch die erwähnte Parfümwolke und die Menschenmassen in diesem Laden eh nicht aus, aber es ist allein schon wegen den Typen am Eingang ein Erlebnis.
Am Mittwoch zeigte ich Maria dann Notting Hill einschließlich Portobello Road, was am ersten Regentag der letzten 6 Tage nur halb so schön war. Doch auch da ließen wir es uns gut gehen. Gegen 5 machten wir uns dann auf in Richtung Victoria Station, wo wir bei Starbucks noch etwas Zeit verdrückten, DENN um 7 war Einlass im Theater zum Musical „WICKED“. Ja, es war grandios und ich war begeistert. Unsere Plätze waren gut und ich bin froh, dass wir uns letztendlich noch dafür entschieden haben.
Nun, der Donnerstag war der Tag des Abschieds, doch auch hier gab es keine Tränen.
Wir hatten beide eine wunderbare Zeit und werden noch eine Weile davon zehren.
Nun ihr Lieben, ihr seht, mir geht es gut und ich nutze meine Zeit hier, so gut ich kann.
Genießt den Frühling.
Lächelt.
William Wordsworth: Daffodils
I wandered lonely as a cloud
That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.
Continuous as the stars that shine
and twinkle on the Milky Way,
They stretched in never-ending line
along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
tossing their heads in sprightly dance.
The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
in such a jocund company:
I gazed - and gazed - but little thought
what wealth the show to me had brought:
For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.
Ach, da fällt mir noch etwas ein: Ich sprach anfänglich von gelungenen Überraschungen und so sollte die kleine finanzielle Unterstützung meiner Eltern, die ich erst gestern entdeckte, auch seine Erwähnung finden.
Ich danke euch dafür aus ganzem Herzen und es tut gut zu wissen, dass ein Ärmelkanal und ein paar Meilen eine Tochter nicht von ihren Eltern trennen können.
Küsse
Eure Maria
